Downshifting: Warum man auf Karriere verzichtet

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Downshifting wird immer mehr zum Trend: Man verzichtet auf Karriere, um mehr Zeit für andere Dinge im Leben zu haben. Gründe für diese Entscheidung gibt es viele. Warum es manchmal sinnvoll ist, seine Prioritäten neu zu ordnen und Downshifting zu betreiben.

Eine Frau malt auf einer Leinwand
Ein Karriereverzicht kann viele Vorteile mit sich bringen, etwa mehr Freizeit Foto:  istock_outh_agency
Inhalt
  1. Was ist Downshifting?
  2. Downshifting: Warum verzichtet man auf Karriere?
  3. Die Vor- und Nachteile des Downshiftings
  4. Downshifting erst mit 50?
 

Was ist Downshifting?

Den Begriff “Downshifting” hat in den 1990er-Jahren der irische Wirtschaftsphilosoph Charles B. Handy geprägt. Auf Deutsch bedeutet es so viel wie „Herunterschalten“. Synonyme sind das Downsizing, Downgrading, Rückschritt oder auch Karriereknick. Vor allem Letzteres klingt nicht gerade positiv. Dennoch bedeutet Downshifting fast immer, auf die Karriere zu verzichten.

Wer sich für Downshifting entscheidet, beschäftigt sich intensiver mit anderen Aspekten seines Lebens und gewichtet diese stärker als den Beruf. Das kann darin münden, dass einem Arbeitnehmer seine Privatinteressen wichtiger sind und er deshalb tatsächlich seinen Job kündigt. Das ist aber nicht die Regel.

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In erster Linie geht es beim Downshifting darum, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erreichen. Nicht verwechseln darf man das Downshifting mit dem Aussteigen. Denn Letzteres meint tatsächliche die radikale Abkehr vom bisherigen Leben. Downshifting hingegen besteht aus vielen kleinen Schritten, die letztlich dazu führen, dass man seine Arbeitsbelastung auf das individuell verträgliche Maß „herunterschaltet“.

Häufiger als die Kündigung ist deshalb eine Reduzierung der Arbeitszeit, der Wechsel auf eine Teilzeitstelle oder aber der Wechsel in einen ganz anderen Job. Auch Homeoffice oder Vertrauensarbeitszeit sind Möglichkeiten, die Arbeitsbelastung zu reduzieren.

 

Downshifting: Warum verzichtet man auf Karriere?

Hinter dem Wunsch nach mehr Freizeit steckt oftmals eine tieferliegende Ursache, die den Verzicht auf Karriere erklärt. Seit Jahren steigt die Zahlen für Stress-basierte Erkrankungen bei Arbeitnehmern an. Ob Burn-out oder Bluthochdruck, Migräne oder Magengeschwür – Stress kann sowohl Erkrankungen der Psyche als auch des Körpers verursachen. Für viele ist Downshifting deshalb auch ein Weg, eine chronische Krankheit abzuwenden.

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Wieder andere entscheiden sich für das Downshifting, um Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bekommen. Weitere Gründe sind eine Verlagerung der eigenen Prioritäten oder auch Veränderungen der finanziellen Situation: Wer den Kredit für sein Haus abbezahlt hat, ist vielleicht künftig mit weniger Geld zufrieden. Warum also noch so viel arbeiten?

 

Die Vor- und Nachteile des Downshiftings

Die bisherigen Erfahrungen mit Downshifting zeigen, dass das Modell Vor- und Nachteile hat. Dafür spricht der Gewinn an Lebensqualität und selbstbestimmter Zeit. Downshifting stellt jedoch auch ein Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen dar. Erfolgsorientierung, Verantwortungsbewusstsein und Disziplin gelten als wichtige Tugenden.

Richtet man sein Leben nach anderen Werten aus, kann das Umfeld mit Unverständnis auf den Karriereverzicht reagieren. Betroffene fühlen sich daher oft in der Pflicht, ihre Entscheidung erklären zu müssen. Besonders schwierig wird es zudem, wenn der Partner das Downshifting nicht unterstützt. Trotzdem sollte man seinen Wunsch, mehr vom Leben zu haben, nicht davon abhängig machen, ob die Entscheidung von anderen begrüßt wird, oder nicht.

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Downshifting erst mit 50?

Downshifting ist mitnichten ein Modell der älteren Generation. Auch wenn sich das Modell für sie besonders anbietet. Kurz vor der Rente ist es vielleicht einfacher, darauf zu verzichten, die Karriereleiter noch weiter zu erklimmen. Manchmal kann es auch eine Notbremse sein, weil man mit dem alltäglichen Tempo im Unternehmen nicht mehr mitkommt.

Aber auch viele jüngere Arbeitnehmer interessieren sich für Downshifting. Es ist eine neue Mentalität, die die sogenannte Generation Y (auch Millennials genannt) mitbringt. Zu dieser Generation zählen all jene, die im Zeitraum der frühen 1980er- bis zu den späten 1990er-Jahren geboren wurden. Für sie ist die Arbeit heutzutage nicht mehr das wichtigste im Leben. Und so ist für sie die Frage, warum man Downshifting betrieben sollte, einfach zu beantworten: weniger Geld, dafür weniger Stress und mehr Zeit für andere wichtige Dinge.

Foto: iStock
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Quellen:

Psychische Erkrankungen: Stress am Arbeitsplatz macht krank, in: /www.aerzteblatt.de

Stressbedingte Störungen: Risiko für lebensbedrohliche Infektionen wie Endokarditis ist deutlich erhöht, in: aerzteblatt.de

Sponagel, Wiebke (2013): Downshifting: Selbstbestimmung und Ausgeglichenheit im Job, Freiburg im Breisgau: Haufe

Neu, Hajo (2003): Weniger arbeiten, mehr leben: Strategien für konsequentes Downshifting, Frankfurt am Main: Campus Verlag

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