Down-Syndrom:"Klara ist mein Sonnenschein"

Klara hat das Down-Syndrom
Eine Fruchtwasseruntersuchung während der Schwangerschaft bestätigte, dass Klara das Down-Syndrom und den dafür typischen Herzfehler haben wird © shutterstock

Die werdenden Eltern standen vor der schwersten Frage ihres Lebens: Sollten sie einem behinderten Kind das Leben schenken? Eine Frage des Herzens!

 

Der Arzt lieferte einen ersten Hinweis auf Down-Syndrom

Klara gluckst und lacht, ihre Beinchen strampeln in der Luft. Anke beobachtet sie, die Augen der jungen Mutti strahlen: "Meine Klara ist das fröhlichste Kind der Welt!"

Ein Skandal: Wenn es nach den Ärzten gegangen wäre, würde dieses süße Kind nicht leben! Klara hat das Down-Syndrom, die häufigste chromosomale Behinderung. Kinder, die "Trisomie 21" haben, entwickeln sich stark zeitverzögert. Sie können aber trotzdem ganz normale Schulen besuchen und zeichnen sich durch ein besonders freundliches Naturell aus.

Das alles wusste die Verwaltungsbeamtin nicht, als ihr Frauenarzt in der elften Woche eine Nackenfaltenmessung ihres ungeborenen Kindes per Ultraschall durchführte. "Ein Standardtest, weil Sie mit 38 Jahren als Risikoschwangere gelten", erklärte der Gynäkologe Anke. Das Ergebnis erschütterte die werdende Mama: Tatsächlich war die Nackenfalte ihres Ungeborenen zu breit. Anke: "Der Arzt sagte was von 'Hinweis auf Down-Syndrom". Aber ich solle mir mal keine Sorgen machen." Eine endgültige Diagnose konnte erst eine Fruchtwasseruntersuchung liefern.

 

Der Fruchwassertest bestätigte: Klara hat Down-Syndrom

Zwei Wochen warteten sie und ihr Mann Holger (Ingenieur, 45) auf diesen Termin. "Es war schlimm, gerade an Weihnachten", erinnert sich die Mutter eines dreijährigen Sohnes. "Alle Menschen feierten, ich aber war zutiefst beunruhigt." Der Fruchtwassertest bestätigte: Klara ist ein Down-Kind. Sie hatte den für diese Behinderung typischen Herzfehler. Anke weinte hemmungslos, als sie das per Telefon erfuhr. "Es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Warum passierte das gerade uns?"

Nun sollte sie sich mit ihrem Mann entscheiden: Wollten sie Klara behalten oder abtreiben? "Wir redeten tagelang über das Leben und den Tod. Wir besuchten eine Behindertenwerkstatt und sahen, dass die Menschen dort zufrieden sind. Das machte uns Mut." Genauso wie das Gespräch mit einer Professorin vom Herzzentrum. Sie versicherte, dass der Herzfehler ihres Kindes operativ gut zu beheben sei.

Von Seiten des Frauenarztes erhielt das Ehepaar keine Unterstützung. "Wir wurden regelrecht zur Abtreibung gedrängt. Er empfahl uns sofort Abtreibungskliniken, tätschelte mein Knie und sagte: 'Nützt ja nix." Als ich erwiderte, wir würden das Baby vielleicht bekommen wollen, schüttelte er verständnislos den Kopf und fragte uns dann, was aus unserem Kind werden solle, wenn wir sterben!" Anke war fix und fertig, als sie die Praxis verließ.

Noch schlimmer war der Termin bei einer Humangenetikerin. "Sie ängstigte uns, dass Down-Menschen ab 30 ins Pflegeheim müssen und vor sich hinvegetieren." Heute weiß Anke: "Was diese Frau sagte, war absoluter Quatsch! Die Lebenserwartung von Menschen mit Trisomie 21 liegt bei fast 70 Jahren."

 

Klara ist so ein fröhliches Kind – trotz Down-Syndrom

Anke und Holger waren verzweifelt. Was sollten sie nur tun? Eines Abends beschloss die werdende Mutter, ihr Baby zu fragen. "Ich legte die Hand auf meinen Bauch und flüsterte: Willst du leben?" Die Antwort kam prompt! Ein kleiner zaghafter Tritt, ein Füßchen drückte sich gegen ihre Bauchdecke. Anke musste lachen, gleichzeitig kamen ihr die Tränen. "Da war für mich klar: Klara gehört zu uns. Basta!"

Vier Monate nach der Geburt wurde das Mädchen am Herzen operiert, alles lief glatt. "Wir haben es nie bereut, uns für Klara entschieden zu haben. Sie ist ein so fröhliches Kind", sagt der Papa. Mama Anke: "Klara lernt zwar alles etwas langsamer. Sie fängt jetzt an zu krabbeln, andere Kinder können in dem Alter schon die ersten Schritte machen. Sie fängt gerade auch erst an, nach Dingen zu greifen. Um sie zu fördern, gehen wir zur Bewegungstherapie. Wir freuen uns wie Könige über alles, was Klara neu erlernt."

Wie sieht der Alltag mit einem behinderten Kind aus? "Völlig unkompliziert. Wir haben es uns schwerer vorgestellt." Klara schläft nachts durch, ist immer gut gelaunt, schreit kaum. "Außerdem bringt sie so viel Fröhlichkeit in unser Haus. Unser Mädchen ist ständig am Lachen. Es ist unser kleiner Sonnenschein."

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