Doula bei der Geburt: Der Unterschied zur Hebamme

Michelle Kröger

Eine Doula begleitet Frauen bei der Geburt. Aber was ist der Unterschied zur Hebamme? Alle Infos über Funktion und Kosten.

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Inhalt
  1. Was ist eine Doula nach der offiziellen Definition?
  2. Was sind die wichtigsten Aufgaben einer Doula?
  3. Was sind die Vorteile einer Doula-Geburt?
  4. Was ist der Unterschied zwischen einer Hebamme und einer Doula?
  5. Wie hoch sind die Kosten für die Geburtsbegleitung durch eine Doula?

Bei einer Doula handelt es sich um eine geburtserfahrene Frau, die ihr Wissen an Schwangere weitergibt. Diese spezielle Form der Geburtsbegleitung kann die Arbeit einer Hebamme ergänzen und soll eine zusätzliche emotionale Unterstützung sein.

In den USA sind Doulas schon lange etabliert, in deutschen Kreißsälen waren sie bisher selten zu finden. Doch der Bedarf nach erfahrenen Frauen, die eine Geburt betreuen, steigt. Immer mehr Frauen suchen sich diese Unterstützung, die eine Hebamme nicht ersetzen kann, aber ihr zur Seite steht.

 

Was ist eine Doula nach der offiziellen Definition?

Der Begriff Doula kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt Dienerin. „Im übertragenen Sinne kann man sagen, dass wir für die Seele, die Motivation, die Kraft und das Wohlbefinden der Frau zuständig sind”, sagt die Doula Philippa Bombeck aus Hamburg. Praktisch heißt das: Eine Doula begleitet werdende Mütter von der Schwangerschaft über die Geburt bis zu Wochenbett und Stillzeit mit praktischen Tipps und seelischem Beistand. „Dabei ist die Geburtsbegleitung durch eine Doula persönlich und emotional geprägt”, sagt Bombeck. Und worin besteht da nun der Unterschied zu einer Hebamme? „Nun, als Doula darf man keine medizinischen Tätigkeiten ausüben, das ist die Aufgabe der Hebamme und der Ärzte im Kreißsaal.”

Die Tradition der Geburtsbegleiterinnen gibt es schon seit Tausenden von Jahren. Doch die organisierte Unterstützung bei einer Geburt durch eine Doula ist relativ neu. Erst vor einigen Jahren gelangte dieser Trend von den USA hinüber nach Europa. Schwangere Frauen buchen seither die Leistungen geburtserfahrener Frauen, die ihre Erkenntnisse und Tipps an sie weitergeben. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Doula in Deutschland kein gesetzlich geschützter Begriff ist.

Diese Dienstleistung können also auch Frauen anbieten, die keinerlei Schulungen absolviert haben. Schwangere sollten daher auf die Qualifikation einer Doula achten: Die Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit – Bundesverband e.V. (GfG) sowie der Verein Doulas in Deutschland e. V. (DiD) bieten Ausbildungen an, in denen unter anderem Hintergrundwissen zum Ablauf einer Geburt vermittelt wird, zum Umgang mit Schmerzen oder zu Entspannungstechniken. Auch praktische Einheiten gehören dazu. Die Frauen erwerben damit die Bezeichnungen GfG-Doula beziehungsweise DiD-Doula.

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Was sind die wichtigsten Aufgaben einer Doula?

Eine Doula ist nicht nur bei der Geburt dabei. Ähnlich wie eine Hebamme begleitet sie eine Schwangerschaft in der Regel auch vor und nach der Geburt. Der Ablauf ist ähnlich: In einem Erstgespräch, meist einige Monate vor dem Entbindungstermin, lernen sich die werdende Mutter und die Doula kennen. Es folgen zwei bis drei Termine bis zur Geburt, bei der die Doula mit der Frau über deren Ängste spricht und Möglichkeiten aufzeigt, Wehen und Schmerzen zu bewältigen, oder entspannende Massagen gibt. Die Doula ist eine Geburtserfahrene, sie schöpft bei ihren Beratungen also unter anderem aus eigenen Erlebnissen. Sie beantwortet Fragen zu den letzten Schwangerschaftswochen (SSW), geht mit der werdenden Mutter den Ablauf der Doula-Geburt noch einmal durch und erklärt die Details zum Wochenbett.

Zudem besprechen beide, was sich die Schwangere während der Doula-Geburt wünscht, beispielsweise Musik oder eine bestimmte Atmosphäre. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und ein Gefühl von Geborgenheit zu schaffen.

Viele Doulas setzen Schwerpunkte im Rahmen ihrer Arbeit, nach denen sich die werdende Mutter erkundigen sollte, bevor sie sich für eine Geburtsbegleiterin entscheidet. Angeboten werden unter anderem Entspannungstechniken wie Yoga für Schwangere oder spezielle Massagen. Andere Doulas konzentrieren sich auf die Arbeit mit Risikogruppen. Das können unter anderem Frauen sein, die bereits einen Kaiserschnitt oder eine Frühgeburt erlebt haben.

Schließlich hat eine Doula, wie eine Hebamme, Rufbereitschaft im Zeitraum des berechneten Geburtstermins, damit sie die werdenden Eltern während der Entbindung begleiten kann.

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Was sind die Vorteile einer Doula-Geburt?

Die Betreuung durch eine Geburtsbegleiterin kann viele Vorteile haben. Als besonders empfehlenswert gilt sie für Frauen, die bereits negative Erfahrungen gemacht haben, etwa durch eine Früh- oder Fehlgeburt. Auch für Schwangere, die mit besonders großen Ängsten kämpfen, oder denen als Alleinerziehende ein Partner als Beistand fehlt, kann die zusätzliche emotionale Unterstützung durch eine Doula sehr hilfreich sein. Vielen Frauen gibt es zudem ein großes Gefühl von Sicherheit, dass eine Geburtsbegleiterin kontinuierlich anwesend ist und nicht – wie es bei Hebammen in Kliniken der Fall sein kann – mehrere Entbindungen gleichzeitig betreut.

Während der Geburt kann eine Doula zudem eine wichtige Ansprechpartnerin für den Vater sein, während sich die Hebamme in der Regel vornehmlich um die Mutter kümmert.

Da diese Begleitung durch eine geburtserfahrene Frau Stress und Ängste mindert, führt ihre Anwesenheit häufig dazu, dass weniger Schmerzmittel verabreicht werden müssen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt und die Verwendung von Saugglocke oder Geburtszange sinkt.

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Was ist der Unterschied zwischen einer Hebamme und einer Doula?

Die Hebamme ist für die medizinische Betreuung einer Schwangerschaft und einer Entbindung zuständig. Das Gleiche gilt fürs Wochenbett. Sie hat – gemeinsam mit dem Kinderarzt – ein Auge auf die Entwicklung des Säuglings und auf den Gesundheitszustand der Mutter. Das bezieht sich beispielsweise auf die Wundheilung bei einem Dammriss oder einer Kaiserschnittnarbe. Außerdem gibt sie Tipps zur Versorgung des Babys, etwa zum Stillen.

Die Doula hat hingegen keinerlei medizinische Ausbildung. Im Unterschied zur Hebamme übernimmt sie verstärkt die emotionale Begleitung während Schwangerschaft und Geburt. Da es sich um geburtserfahrene Frauen handelt, können sie von eigenen Erlebnissen berichten und eventuelle Ängste nehmen.

Die beiden Berufsgruppen ergänzen sich im Idealfall also gegenseitig. Das gilt auch während der Entbindung. Bei medizinischen Fragen steht die Doula zurück. Während eine Hebamme in der Klinik jedoch eventuell zwischendurch zu einer anderen Geburt muss, bleibt die Doula die ganze Zeit an der Seite der werdenden Eltern. Damit kann sie eine wichtige emotionale Konstante sein.

 

Wie hoch sind die Kosten für die Geburtsbegleitung durch eine Doula?

Die Geburtsbegleiterin übernimmt keine medizinischen Aufgaben. Ihre Leistungen werden daher von der Krankenkasse nicht übernommen. Die Eltern müssen die Kosten für die Doula also selbst tragen. Diese können stark voneinander abweichen, sind aber in der Regel gut planbar, da die meisten Doulas einen Pauschalbetrag abrechnen. Er bewegt sich zwischen 450 und 1.000 Euro. Gesprächstermine, Rufbereitschaft, Geburtsbegleitung und Betreuung im Wochenbett sind darin normalerweise bereits enthalten. Für Sonderleistungen wie Schwangerschafts-Yoga oder Massagen durch die Doula können eventuell zusätzliche Kosten anfallen.

Unsere Expertin

Doula Philippa Bombeck ist Mutter von zwei Kindern und hat sich von 2016 bis 2017 bei der GFG (Gesellschaft für Geburtsvorbereitung) ausbilden lassen.

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