Divertikulitis-Ernährung: So lassen sich Entzündungen im Darm vorbeugen

Nicole Lücke Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Bei der Darmkrankheit Divertikulitis spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Sie richtet sich nach den jeweiligen Phasen der Erkrankung und kann zudem dazu beitragen, erneute Entzündungsschübe zu vermeiden.

Frau sitzt auf dem Bett und fasst sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Bauch
Mit der richtigen Ernährung kann man Divertikulitis in den Griff bekommen Foto:  iStock-1191298806 fizkes

Um es vorweg zu nehmen: Eine einheitliche Divertikulitis-Ernährung gibt es nicht. Der Speiseplan muss vielmehr dem jeweiligen Stadium der Erkrankung angepasst werden.

Mit Divertikulose wird ein Zustand des Darms beschrieben, nämlich das Vorhandensein von Ausstülpungen, Divertikel genannt. In diesen können Nahrungsreste verbleiben, und das kann schmerzhafte Entzündungen auslösen. Dann handelt es sich um eine akute Divertikulitis. Besonders häufig treten diese im S-förmigen Teil des Dickdarms auf (Sigma). Ein optimierter Ernährungsplan kann eine Divertikulitis lindern, aber auch das Erkrankungsrisiko reduzieren.

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Welche Ernährung ist bei einer Divertikulose empfehlenswert?

Damit es gar nicht erst zu einer Divertikulitis kommt, sollte die Ernährung die folgenden Lebensmittel umfassen:

  • Viele Ballaststoffe: Diese finden sich vor allem in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Auch Nüsse, Samen und Körner sind erlaubt. Die Annahme, dass diese leichter in Divertikeln hängen bleiben könnten, wurde in Studien nicht bestätigt.
  • Reichlich Obst und Gemüse: Pflanzliche Kost sollte deutlich den Hauptteil der Mahlzeiten ausmachen. Eine rein vegetarische Ernährungsweise gilt als vorteilhaft in Bezug auf mögliche Entzündungen.
  • Fleisch durch fetten Fisch ersetzen: Ein Fleischverzicht ist nicht zwingend notwendig. Gerade rotes Fleisch hat jedoch negativen Einfluss auf die Darmflora. Ideal ist es daher, Fleischmahlzeiten durch fetten Fisch (etwa Lachs oder Hering) zu ersetzen. Denn dieser enthält zusätzlich Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken.
  • Probiotische Lebensmittel essen: Wer mit Ernährung einer Divertikulitis vorbeugen möchte, sollte auch zu probiotischen Lebensmitteln greifen. Ihre Wirkung auf die Divertikulose ist zwar nicht im Detail erforscht, aber sie haben positiven Einfluss auf die Darmflora. Probiotisch sind zum Beispiel Joghurt, Käse, Sauerkraut und saure Gurken.
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Wie verändert sich die Ernährung bei akuter Divertikulitis?

Ist es dennoch zu einer Entzündung der Divertikel gekommen, ist eine spezielle Divertikulitis-Diät angezeigt. Neben der eventuellen Gabe von Antibiotika ist sie die wichtigste Maßnahme zur Behandlung. Aber auch die Ernährung kann dazu beitragen, dass die Entzündung schneller abheilt. Die Diät wird in mehrere Phasen unterteilt:

Phase 1
Bei einer schweren Divertikulitis oder Sigmadivertikulitis sollte die Ernährung für ein bis zwei Tage auf Flüssignahrung umgestellt werden, um den Darm zu entlasten. Im Extremfall kann sogar eine sogenannte parenterale Ernährung über Infusionen sinnvoll sein. Bei leichten Formen reicht ein Fastentag meistens aus.

Phase 2

Schonkost ist bei einer akuten Divertikulitis wichtig. Diese sollte wenig Ballaststoffe enthalten und fettarm sein. Geeignete Lebensmittel sind zum Beispiel: Zwieback, Weißbrot, Toast, klare Suppen mit Gemüseeinlagen oder Nudeln, Gemüsesäfte, Obstmus, mageres Fleisch, fettarmer Joghurt. Starkes Würzen sollten unbedingt vermieden werden!

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Phase 3
Die Schonkost wird so lange eingehalten, bis die Beschwerden deutlich besser geworden sind. Langsam erfolgt dann der Übergang zu einer angepassten Vollkost. Das heißt: Die Fettzufuhr der Mahlzeiten geht wieder nach oben. Nach und nach werden – abhängig von der Verträglichkeit – weitere Lebensmittel dem Speiseplan hinzugefügt. Die Menge an Ballaststoffen bleibt jedoch gering, auch starkes Würzen der Speisen sowie blähendes Gemüse bleiben tabu.

Phase 4
Erst bei völliger Beschwerdefreiheit erfolgt die nächste Phase, nämlich die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Kost, wie sie bei einer Divertikulose empfohlen wird. Hier schließt sich der Kreis: Denn die Divertikulitis-Ernährung soll einem erneuten Krankheitsausbruch vorbeugen.

Quellen:

Divertikulose und Divertikulitis: Ernährungstherapeutische Aspekte, in: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V. 
Tipps für Menschen mit Divertikulose, in: internisten-im-netz.de
Ernährungsempfehlung bei Divertikulitis/Divertikulose, in: klinikum-westmuensterland.de
Sigma-Divertikulitis, in: medius-kliniken.de
Angepasste Vollkost (ehemals Leichte Vollkost), in: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.

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