Digitale Pille kontrolliert Einnahme selbst

Verena Elson
Tablette
Eine Pille, die registriert, ob sie eingenommen wurde, hat die FDA jetzt erstmals zugelassen. Das hat Vorteile für die Therapie vieler Erkrankungen – weckt aber auch ethische und datenschutzrechtliche Bedenken © iStock/solidcolours

Die FDA hat eine Pille zugelassen, die registriert, ob sie geschluckt wurde. Das Ziel: eine regelmäßige Einnahme zu sichern. Kann meine Krankenkasse bald kontrollieren, ob ich meine Medikamente nehme?

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat die erste digitale Pille zugelassen, die registriert, ob sie eingenommen wurde. Die Pille mit dem Namen Abilify MyCite enthält den Wirkstoff Aripiprazol, der zur Behandlung von Schizophrenie und Bipolarer Störung eingesetzt wird.

Der Hintergrund: Patienten mit diesen Leiden vergessen häufig die Einnahme ihrer Medikamente oder weigern sich, sie nehmen. Dieser Umstand kann die Therapie enorm erschweren. Abilify MyCite soll es Betreuungspersonen oder den Patienten selbst ermöglichen, zu kontrollieren, ob das Medikament tatsächlich eingenommen wurde.

 

Pille schickt Signal an Smartphone

So funktioniert die digitale Pille: Sie enthält einen winzigen Sensor (etwa so groß wie ein Sandkorn), der aktiviert wird, sobald er mit Magenflüssigkeit in Kontakt kommt.

Der Sender schickt ein Signal an ein Pflaster, das der Patient auf der Brust trägt. Dieses Pflaster zeichnet Datum und Uhrzeit der Einnahme auf und sendet die Informationen an eine Smartphone-App. Von dort aus werden sie in einer Cloud gespeichert, zu der mehrere Personen Zugang haben können – beispielsweise Ärzte oder Betreuungspersonen.

 

Macht uns die Pille zu gläsernen Patienten?

Die unregelmäßige Einnahme von Medikamenten ist tatsächlich ein großes Problem bei der Therapie vieler Erkrankungen – neben den genannten psychischen Leiden auch etwa bei Bluthochdruck. Daher ist es wahrscheinlich, dass die digitale Pille in den USA auch in anderen Bereichen bald zum Einsatz kommen wird.

Was bedeutet das für den Patienten? Die Zulassung weckt eine Reihe datenschutzrechtlicher Bedenken. Kritiker weisen darauf hin, dass zu jeder Zeit sichergestellt sein müsse, dass Unbefugte keinen Zugang zu den gespeicherten Daten erlangen können.

Darüber hinaus stellen sich weitere Fragen: Ist es etwa denkbar, dass Krankenkassen in Zukunft Zugriff auf die von der digitalen Pille gesendeten Daten bekommen? Dann hätten sie ein Instrument, um die Regelmäßigkeit zu kontrollieren, mit der Patienten ihre Medizin einnehmen – und könnten „fehlende Mitarbeit“ mit Streichungen von Kostenübernahmen sanktionieren.

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