Dieses Mädchen wächst per Fernbedienung

Mädchen mit Skoliose
Jahrelang musste Annika aufgrund ihrer Wirbelsäulenverkrümmung Korsetts tragen. Endlich kann das Mädchen sich wieder frei bewegen © Fotolia

Jahrelang litt Annika an einer extremen Verkrümmung der Wirbelsäule. Ärzte bezeichnen dieses Leiden als Skoliose. Jetzt biegen Stangen in ihrem Rücken sie wieder gerade.

Ein Knopfdruck – und schon wird die kleine Annika* (11) ein Stückchen größer. Es klingt wie ein Trick aus einem Science-Fiction-Film, und doch ist es wahr: Das Mädchen aus Berlin wächst per Fernbedienung!

In Annikas Rücken stecken zwei Stangen aus Titan, die sich wie ein Teleskop ausfahren lassen. Ärzte haben sie ihr eingepflanzt, um ihre Wirbelsäule zu begradigen. Denn die hatte sich über Jahre so stark gekrümmt, dass die Schülerin am Ende nicht einmal mehr aufrecht stehen konnte!

 

Mit dreieinhalb Jahren erhält Annika die Diagnose Skoliose

"Wir haben schon früh gemerkt, dass Annika irgendwie schief war", erinnert sich ihre Mutter. "Mit dreieinhalb Jahren haben Ärzte dann eine Skoliose bei ihr diagnostiziert, eine verbogene Wirbelsäule." Krankengymnastik sollte helfen. Annikas Mutter: "Aber nach einem Jahr wurde festgestellt, dass sich ihre Wirbelsäule nur noch weiter gekrümmt hatte. Fortan musste sie ein Korsett tragen."

Für die damals Fünfjährige beginnen Jahre der Tortur. Jeden Tag zwängt sie sich in das enge Plastik-Gestell – 23 Stunden täglich. "Das hat doll gedrückt und gejuckt", verrät Annika. "Aber sie ertrug alles tapfer, wollte ja selbst unbedingt wieder gerade werden", so ihre Mutter. "Nur manchmal hat sie geweint. Durch das Korsett hatte sie oft Kopfschmerzen und Nacken-Verspannungen."

Auch im Alltag schränkt es das Mädchen stark ein: Weil sie ihren Rücken nicht belasten darf, kann Annika weder Trampolin springen, was sie so gerne macht, noch mit ihren Freundinnen herumtoben. Auch aus dem Turnverein muss Annika austreten. Stattdessen nimmt sie heute Geigenunterricht.

 

Das Korsett verschlimmerte die Skoliose sogar noch

"Leider wurde ihre Skoliose trotz des Korsetts immer schlimmer", berichtet Annikas Mutter. "Die OP war der letzte Ausweg."

"Annikas Wirbelsäule war um 76 Grad verschoben", erklärt ihr ein Kinderorthopäde. "Normal sind 0 Grad! Ihr ganzer Brustkorb war verbogen, drückte auch auf die Lunge. Annika bekam schlecht Luft, Herzprobleme drohten." Am Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin setzt der Mediziner seiner kleinen Patientin die Teleskopstangen ein. In ihrem Inneren: kleine Motoren. "Von außen muss ich nur die Fernbedienung an Annikas Haut halten, und auf Knopfdruck kann ich dann die Stangen auseinanderfahren."

 

Die Operation an der Wirbelsäule war Annikas letzte Hoffnung

Das Verfahren ist neu. Bislang mussten die Stäbe in zahlreichen Operationen von Hand justiert werden. Annika bleibt das erspart. Alle drei Monate verlängert ihr Doktor die Stangen künftig um einige Millimeter, in vier Jahren insgesamt um fünf Zentimeter. Schon jetzt konnte ihre Wirbelsäulenverkrümmung zur Hälfte behoben werden.

"Nach der OP ist sie im Krankenhaus umhergeflitzt, da blieb mir fast der Atem stehen", so Annikas Mutter. "Es tut gut zu sehen, wie sie jetzt strahlt." Doch eine freut der Erfolg am meisten. Annika! "Nach der OP war ich gleich drei Zentimeter größer!", strahlt sie.

*Name von der Redaktion geändert

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