Dieses Mädchen niest seit drei Wochen

Verena Elson
Katelyn muss 12.000 mal am Tag niesen
Die zwölfjährige Katelyn muss bis zu 12.000 mal am Tag niesen © You Tube/Mix Video

Vor rund drei Wochen begann Katelyn Thornley aus Texas zu niesen – und hat seitdem nicht mehr aufgehört. Andere Menschen plagt seit Wochen ein mysteriöser Dauer-Schluckauf oder chronisches Seitenstechen. Was steckt hinter solchen Leiden?

Ein normales Interview ist mit Katelyn Thornley nicht möglich. Als Reporter des US-Senders Fox26 mit der Zwölfjährigen sprechen, werden die Antworten des Mädchens immer wieder von heftigen Niesanfällen unterbrochen. Bis zu 20 mal pro Minute und bis zu 12.000 mal am Tag muss Katelyn niesen – und das schon seit rund drei Wochen.

Zahlreiche Arztbesuche hat sie bereits hinter sich – doch bisher konnte ihr niemand genau sagen, was ihr fehlt. Ein Neurologe vermutet, dass die Niesattacken von Tics herrühren, wie etwa beim Tourette-Syndrom. Solche Tics bestehen meist aus einer langen Abfolge derselben Bewegung – sie tritt plötzlich auf und überwältigt den Betroffenen während normaler Alltagsbeschäftigungen. Tics treten besonders häufig bei Kindern auf. Obwohl die Ursachen unklar sind, vermuten Experten, dass Stress und Schlafmangel eine Rolle spielen.

Für Katelyn bedeuten die ständigen Niesanfälle erhebliche Einschränkungen: Sie geht nicht mehr zur Schule, weil sie dort immerzu gehänselt wurde. Ihr Körper ist von dem permanenten Niesen chronisch erschöpft und das Essen macht ihr Probleme. Doch wie kann man Kindern wie Katelyn helfen?

 

Was hilft Kindern mit Tics?

Zunächst raten Therapeuten Eltern von Kindern mit Tourette-Syndrom dazu, das soziale Umfeld – etwa Mitschüler und Lehrer – über die Erkrankung aufzuklären mit dem Ziel, mehr Akzeptanz und weniger Ausgrenzung zu erreichen. Eine Verhaltenstherapie und begleitende Entspannungsübungen wie Yoga oder Autogenes Training helfen außerdem, das Leben der Betroffenen zu erleichtern. Sind die Tics sehr stark, beeinträchtigen die Lebensqualität des Kinders in besonderem Ausmaß oder involvieren selbstverletzendes Verhalten, können auch Medikamente zum Einsatz kommen. In solchen Fällen werden üblicherweise Neuroleptika verabreicht, die die Wirkung des Neurotransmitters Dopamin beeinflussen und die Tics deutlich mindern können.

Ob Katelyn solche Medikamente erhalten wird, steht noch nicht fest. Zunächst versucht auch sie, sich zu entspannen – dabei hilft ihr die Musik der Beatles. Nur im Schlaf hat sie Ruhe vor den Niesattacken. Allerdings auch das nicht komplett, denn meist träumt sie sogar vom Niesen.

Doch woher weiß man, dass der Niesreiz zum Tic geworden ist? Bei Allergikern sind selbst langanhaltende Niesanfälle normal. Wer über mehrere Tage mehrmals täglich an heftigen Niesattacken leidet, ohne erkältet zu sein, sollte zunächst einen Allergologen aufsuchen. Wurde eine Allergie als Ursache der Niesanfälle ausgeschlossen, sollte weitergeforscht werden – der richtige Ansprechpartner ist dann ein Neurologe.

 

Woher kommt ein Dauer-Schluckauf?

Auch andere harmlose Alltagsbeschwerden können Betroffenen Sorgen machen, wenn sie einfach nicht verschwinden wollen. Ein Schluckauf etwa dauert normalerweise wenige Minuten. Doch bei einigen Menschen, meist Männern, dauert der Schluckauf manchmal mehrere Tage oder Wochen an, in einzelnen Fällen auch Jahre. Dahinter steckt meist eine Erkrankung wie eine Entzündung der Speiseröhre, der Lunge oder der Bauchspeicheldrüse. Auch Magen-Darm- oder Krebserkrankungen können chronischen Schluckauf auslösen. Bei dauerhaftem Schluckauf ist es darum wichtig, die Ursache herauszufinden und zu behandeln. Auch der Schluckauf kann gezielt mit Medikamenten behandelt werden. In sehr seltenen Fällen wird eine Operation notwendig: Dabei wird der Zwerchfellnerv blockiert oder durchtrennt. Das Zwerchfell entspannt sich und der Schluckauf lässt nach. Wer einen ungewöhnlich langen Schluckauf hat (etwa einen halben Tag) sollte einen Arzt aufsuchen.

 

Was kann hinter andauernden Seitenstichen stecken?

Seitenstechen entstehen meist durch unregelmäßige Atmung oder einen zu vollen Bauch. Dann hilft es, den Lauf zu unterbrechen, tief durchzuatmen und ein paarmal kräftig zu husten. Sollte das Seitenstechen eine halbe Stunde nach der Belastung immer noch vorhanden sein, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Dumpfe, anhaltende Schmerzen, die sich wie Seitenstiche anfühlen, können allerdings auch ein Hinweis auf eine Nierenbeckenentzündung sein. Typisch sind einseitige Beschwerden, die bei Bewegung stärker werden. Auch wenn wir mit der Hand leicht seitlich auf den Bauch klopfen, ist das unangenehm. Die Infektion ist in der Regel die Folge einer nicht ausgeheilten Blasenentzündung. Auch Bandscheiben-Vorfälle strahlen manchmal aus. Lassen Sie von Ihrem Hausarzt abklären, ob die Schmerzen von der Wirbelsäule oder sogar von der Hüfte kommen können.

Hamburg, 7. Oktober 2015

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