Dieses Bild könnte all Ihre Probleme lösen

Verena Elson

Wenn wir ein besonders gutes Kunstwerk betrachten, passiert etwas Ungewöhnliches in unserem Gehirn, wie Forscher jetzt herausfanden. Diese Tatsache können wir für unseren Alltag nutzen.

Van Goghs "Sternennacht"
Van Goghs "Sternennacht" kann außergewöhnliche Prozesse in unserem Gehirn auslösen © Museum of Modern Art

Kunstwerke können sehr unterschiedliche Wirkungen auf uns haben: Während uns einige Gemälde so in ihren Bann ziehen, dass wir unsere Umwelt völlig vergessen, lassen uns andere völlig kalt. Ein internationales Forscherteam untersuchte jetzt, welche unterschiedlichen Prozesse dabei in unserem Gehirn ablaufen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest: Spricht uns ein Kunstwerk wirklich an, passiert in unserem Gehirn etwas, das eigentlich gar nicht passieren dürfte.

Die Forscher ließen Probanden bis zu 15 Sekunden lang Kunstwerke auf einem Bildschirm betrachten, während ihre Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) aufgezeichnet wurde. Dabei interessierten sie sich speziell für ein System von Hirnarealen, das als „Default Mode Network“ (DMN) bezeichnet wird. Das DMN ist dann besonders aktiv, wenn wir in unser Blick nach innen gerichtet ist, wir beispielsweise unseren Gedanken nachhängen oder tagträumen.

 

Besonders gute Kunstwerke aktivieren Tagtraum-Zentrum im Gehirn

Betrachten wir ein Bild, geht die Aktivität des DMN in der Regel zurück, denn unsere Aufmerksamkeit ist dann auf die Außenwelt gerichtet. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, wenn uns ein Gemälde besonders beeindruckt: „Finden wir ein Kunstwerk ästhetisch ansprechend, werden Teile des DMN wieder aktiv, obwohl der Fokus auf der Außenwelt – dem Kunstwerk – liegt“, erklärt Edward Vessel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in einer Mitteilung.

Betrachteten die Probanden Bilder, die sie nicht ansprechend fanden, zeigte das DMN keine Aktivität. Sahen sie Kunstwerke, die ihnen besonders gefielen, blieb die Hirnregion so lange aktiv, bis das Bild vom Bildschirm verschwand. „Wir konnten beobachten, dass dieser Hirnzustand relativ selten eintrat und wahrscheinlich ein Merkmal für bewegende ästhetische Erfahrungen ist“, führt Vessels Co-Autorin Amy Belfi von der Missouri University of Science and Technology weiter aus.

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Probleme lösen mit Kunst

Wenn die Betrachtung guter Kunst die gleichen Hirnareale „einschaltet“, die auch beim Tagträumen aktiv sind, kann uns ein Museumsbesuch womöglich sogar dabei helfen, Probleme zu lösen. Denn bereits 2012 konnten Forscher zeigen, dass Tagträumen die Fähigkeit fördert, kreative Lösungen für ein Problem zu finden. Eine 2017 veröffentlichte Studie ergab, dass beim Tagträumen dieselben Hirnregionen aktiv sind, die auch für die Lösung komplexer Probleme verantwortlich sind.

Wer bei der Suche nach einer Lösung für ein Problem nicht vorankommt, sollte demnach eine Pause machen und entweder seine Gedanken auf Wanderschaft schicken oder sich selbst auf den Weg ins Museum machen, um sich seine Lieblingskunstwerke anzusehen – beides kann den ersehnten Geistesblitz herbeiführen.

Quellen: 
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

Belfi, Amy M., et al. (2018): Dynamics of aesthetic experience are reflected in the default-mode network, in: NeuroImage.

Baird, Benjamin, et al. (2012): Inspired by distraction: mind wandering facilitates creative incubation, in: Psychological science.

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