Dieser Roboter ersetzt einen Zahnarzt

Verena Elson
Eine Frau wird von einem Roboter operiert
Würden Sie eine Zahn-OP von einem Roboter durchführen lassen? Laut einer Umfrage wären 43 Prozent der Deutschen dazu bereit © YouTube/CCTV+

Eigentlich ein Routine-Eingriff: Einer Frau in China wurden zwei Zahnimplantate eingesetzt. Doch diese Operation war alles andere als Routine – denn sie wurde komplett von einem Roboter durchgeführt.

Bei der Operation, die in der Uniklinik der Fourth Military Medical University im chinesischen Xi’an durchgeführt wurde, waren zwar Ärzte anwesend – doch sie griffen nicht ein. Die Implantate, die mithilfe eines 3D-Druckers hergestellt worden waren, setzte der Roboter selbstständig ein.

Zuvor programmierten die Mediziner den Roboter für den speziellen Eingriff – das heißt, sie teilten ihm die genauen „Koordinaten“ der Stellen mit, in die die Implantate eingesetzt werden sollten. Schließlich bekam die Patientin eine lokale Betäubung und der Roboter legte los – und machte seine Arbeit gut: Nach der etwa einstündigen Operation waren die Ärzte mit dem Ergebnis zufrieden und berichteten, der Roboter habe mit hoher Präzision operiert.

Der Roboter wurde von Medizinern der Uniklinik gemeinsam mit dem Roboter-Institut an der Beihang University in Peking entwickelt. Die Entwickler verfolgten dabei mehrere Ziele: Zum einen wollten sie dem Problem des Zahnarzt-Mangels in vielen Regionen des Landes begegnen. Zum anderen wollten sie eine präzisere Durchführung der Zahnoperationen ermöglichen.

 

Roboter als Chirurgen – in Zukunft Normalität?

Ein Roboter, der die Arbeit von Chirurgen übernimmt – für manch einen eine gruselige Vorstellung. Dabei sind die elektronischen Helfer in Operationssälen auch hierzulande bereits keine Seltenheit mehr. Allerdings fungieren die Roboter dabei bisher ausschließlich als Assistenten des Operateurs – sie operieren nicht selbstständig wie der Zahnarzt-Roboter in China. Stattdessen sitzt der Chirurg während der Operation an einem Computer und steuert von dort aus die Arme des Roboters.

Auf diese Art werden an einigen deutschen Kliniken beispielsweise Hysterektomien (Entfernung der Gebärmutter) oder Prostatektomien (Entfernung der Prostata) durchgeführt. Der Roboterassistent bietet dem Chirurgen dabei einige Vorteile. Einer davon ist die bessere Sicht: Die von dem Roboter geführte Kamera transportiert ein stark vergrößertes 3D-Bild des zu operierenden Areals auf den Computerbildschirm des Chirurgen. Er hat einen deutlich größeren Bewegungsspielraum, um seine Schnitte auszuführen – der Roboter „übersetzt“ seine Bewegungen entsprechend. Bewegt der Chirurg den Steuerhebel beispielsweise um zwei Zentimeter, bewegt sich der Roboterarm nur um wenige Millimeter. Ein weiterer Vorteil: Der Roboter kann menschliche Fehler „ausgleichen“: Zittern während der Operation die Hände des Chirurgen, führt der Roboterarm dennoch sichere und gleichmäßige Bewegungen aus.

 

Studien stellen Nutzen in Frage

Roboter sollen Operationen also vor allem sicherer machen – doch tun sie das auch? Zwei Studien, die bisher zum Thema Chirurgierobotik veröffentlicht wurden (eine mit Blick auf Hysterektomien, eine mit Blick auf Prostatektomien), sprechen dagegen: Beide kamen zu dem Ergebnis, dass OP-Ausgang, Heilung und eventuelle Komplikationen sich bei herkömmlichen und roboterassistierten Eingriffen nicht unterscheiden.

Doch das könnte sich noch ändern. Die Entwicklung, die gerade in den Kliniken stattfindet, steht laut Experten erst ganz am Anfang. In Zukunft wird mehr und mehr Technik Einzug in die Operationssäle halten. Doch ganz ohne Menschen geht es auch in Zukunft nicht, da sind sich Mediziner einig. Denn auch, wenn ein Roboter unter Umständen präziser operieren kann, in einigen Aspekten kann er einen erfahrenen Chirurgen nicht ersetzen – beispielsweise, wenn während der OP wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen.

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