Dieser Junge bekam acht neue Organe

In einer Marathon-Operation wurden dem einjährigen Liam aus Texas acht Spenderorgane transplantiert. Jetzt darf er das Krankenhaus verlassen – lesen Sie hier seine Geschichte.

Möhren sind die Lieblingsspeise des kleinen Liam. Dass er sie essen kann, ist keine Selbstverständlichkeit – denn erst seit kurzem kann er Nahrung über den Mund aufnehmen. Bis vor seiner großen Operation im Februar wurde Liam sein ganzes Leben lang künstlich ernährt.

Liam kam mit dem sogenannten Megazystis-Mikrokolon-intestinale Hypoperistaltik-Syndrom, auch Berdon-Syndrom genannt, zur Welt. Hauptsymptom bei dieser seltenen Erkrankung ist eine stark vergrößerte Blase. Dazu kommen weitere Verformungen von Organen, vor allem des Verdauungstraktes, und Schädigungen der Nieren. Die schwerwiegenden Organschädigungen bedeuteten für Liam, dass er seit seiner Geburt intravenös ernährt werden musste.

 

Acht neue Organe in Marathon-Transplantation

Um seine Überlebenschancen zu verbessern, wurden Liam im Februar acht Spenderorgane transplantiert: Leber, Magen, Dick- und Dünndarm, Bauchspeicheldrüse, Blase und zwei Nieren. Die Operation dauerte neun Stunden – und sie war erfolgreich: „Liam geht es sehr, sehr gut. Seit seiner Transplantation hatte er keine Probleme mit dem Essen“, berichtet seine Mutter Cerda gegenüber abc NEWS. Schon eine Woche nach dem Eingriff bemerkte sie, dass es ihrem Sohn besser ging. Er setzte sich auf, wollte laufen und spielen. „Er ist ein sehr verspieltes, glückliches Baby.“

 

Zweimal in derselben Familie

Das Berdon-Syndrom ist vererbbar und obwohl es extrem selten ist, kommt es in Liams Familie gleich zweimal vor: Seine große Schwester Delilah ist auch betroffen. Als sie ein Jahr alt war, bekam auch sie mehrere neue Organe – bei ihr waren es sieben. Heute geht es ihr besser und sie hilft dabei, auf ihren kleinen Bruder aufzupassen: „Sie ist erst sechs Jahre alt und Sie wären sehr überrascht, wie gut sie sich um ihn kümmert“, erzählt Cerda. „Sie ist sehr vorsichtig und wäscht ihre Hände und trägt eine Maske.“

Dass gleich zwei erkrankte Kinder aus einer Familie es so weit geschafft haben, ist fast ein Wunder, sagen die Ärzte der beiden. Für Cerda bleibt es das größte Wunder, dass ihr Sohn endlich essen kann: „Als wir unseren Sohn beim Essen sahen und mit Babynahrung, wie ein normales Kind, das war einer der glücklichsten Tage unseres Lebens.“

Hamburg, 5. April 2016

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