Diese Wirkung von Kaffee überrascht sogar Forscher

Verena Elson Medizinredakteurin

Als Medikament ist Kaffee kaum zu schlagen: Er beugt Gallensteinen und Diabetes vor, schützt vor Krebs und verlängert das Leben. Doch der Wachmacher kann noch mehr, zeigt eine aktuelle Studie.

Eine Frau trinkt im Gehen Kaffee
Kaffee kann etwas, das kein Medikament kann: Er aktiviert das "braune" Fettgewebe und hilft so beim Abnehmen Foto:  mihailomilovanovic/iStock

Bei der neuen Forschungsarbeit von Wissenschaftlern an der University of Nottingham ging es vorrangig gar nicht um Kaffee – die Forscher befassten sich vielmehr mit dem menschlichen Fettstoffwechsel.

 

Ziel der Wissenschaftler: Braunes Fettgewebe aktivieren

Der Hintergrund ihrer Forschung: Unser Fettgewebe besteht aus „braunem“ und „weißem“ Fett. Während das weiße Fett, dass sich vorwiegend an Bauch, Hüften und Oberschenkeln niederlässt, Energie speichert, verhält sich das braune Fett anders: Es verbrennt Energie und setzt dabei Wärme frei – und hilft uns so beim Abnehmen.

Eine Frage umtreibt Mediziner seit Jahren: Wie kann man das braune Fettgewebe am besten „aktivieren“? Eine bereits bekannte Möglichkeit ist Kälte – wenn wir frieren, produziert das braune Fett Wärme, um den Körper aufzuheizen. Da es aber (gerade jetzt im Sommer) schwierig ist, diese Methode mehrmals am Tag in den Alltag einzubauen, suchen Forscher nach einer Substanz, die man einnehmen kann, um den gleichen Prozess auszulösen.

„Braunes Fett arbeitet anders als anderes Fett in unserem Körper. Es produziert Hitze, indem es Zucker und Fett verbrennt (…)“, erklärt Co-Studienleiter Prof. Michael Symonds. „Seine Aktivität zu erhöhen, verbessert die Blutzuckerregulierung sowie die Blutfettwerte. Zudem helfen die verbrannten Extrakalorien dabei, Gewicht zu verlieren. Doch bisher hat niemand einen praktikablen Weg gefunden, seine Aktivität bei Menschen anzukurbeln.“

Eine Frau trinkt abends Kaffee am Computer
Service Große Kaffee-Studie: So viel Kaffee ist optimal

 

Kaffee startet Verbrennung von Kalorien

Das Team aus Nottingham testete Koffein als möglichen Einschalter des körpereigenen „Brennofens“ für Kalorien – zunächst an Zellkulturen. Nachdem diese ersten Versuche erfolgreich verlaufen waren, folgte ein Experiment mit Menschen: Neun Freiwillige bekamen eine Tasse Kaffee zu trinken, ebenso viele Probanden in der Kontrollgruppe bekamen je ein Glas Wasser.

Um herauszufinden, ob die Getränke das braune Fettgewebe im Körper der Probanden stimulierten, nutzten die Forscher eine speziell für diesen Zweck entwickelte Wärmebildkamera. Diese richteten sie gezielt auf die Körperregionen, in denen das meiste braune Fett angesiedelt ist – oberhalb der Schlüsselbeine sowie im Nacken- und Brustbereich.

 

Kaffee als Medizin

Und tatsächlich: In Regionen mit braunem Fettgewebe zeigte die Kamera bei den Kaffeetrinkern einen Temperaturanstieg – das Fett war aktiviert worden, verbrannte Kalorien und setzte Wärme frei. In der Gruppe der Wassertrinker war kein solcher Effekt zu beobachten.

Unklar bleibt, ob es das Koffein im Kaffee allein ist, was das braune Fettgewebe aktiviert, oder ob noch weitere Bestandteile des Kaffees dabei eine Rolle spielen – das müssen weitere Versuche zeigen. Sollten diese die Wirkung des Getränks auf den menschlichen Fettstoffwechsel bestätigen, hoffen die Forscher, Kaffee und seine Inhaltsstoffe künftig in der Medizin einzusetzen: etwa zur Regulierung des Blutzuckerspiegels bei diabetesgefährdeten Personen sowie als Maßnahme im Gewichtsmanagement bei übergewichtigen und fettleibigen Menschen

Quelle:
Velickovic, K. et al. (2019): Caffeine exposure induces browning features in adipose tissue in vitro and in vivo, in: Scientific Reports.

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