Diese Wirkung von Kaffee kannten wir noch nicht

Verena Elson
Eine Frau hält einen Pappbecher mit Kaffee
Kaffee hat doch nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesundheit, zeigt eine aktuelle Studie © iStock

Kaffee schützt vor Krebs und Diabetes und verlängert das Leben: Die guten Nachrichten für Koffein-Freunde reißen nicht ab – bis jetzt. US-Forscher sind auf einen Effekt gestoßen, der zu denken gibt.

Die schlechte Nachricht lautet: Koffein verstärkt unser Verlangen nach süßen Speisen. Der Grund ist sein Einfluss auf die Geschmacksnerven – Süßes wird als weniger süß wahrgenommen.

Für ihre aktuelle Studie gaben Wissenschaftler der Cornell University im US-amerikanischen Ithaca 107 Probanden eine Tasse gesüßten Kaffee zu trinken. Die Studienteilnehmer wussten nicht, ob sie koffeinhaltigen oder koffeinfreien Kaffee zu sich nahmen. Damit beide Getränke gleich schmeckten, wurde dem koffeinfreien Kaffee eine kleine Menge Chinin beigefügt.

Die meisten Teilnehmer waren der Meinung, koffeinhaltigen Kaffee getrunken zu haben – auch, wenn ihr Getränk in Wirklichkeit kein Koffein enthielt. Gefragt nach dem Geschmack des Kaffees gaben die Teilnehmer beider Gruppen jedoch unterschiedliche Antworten: Wer koffeinhaltigen Kaffee trank, stufte ihn als weniger süß ein als die Probanden in der koffeinfreien Gruppe.

Als die Probanden 15 Minuten später eine Zuckerlösung zu trinken bekamen, empfanden die Teilnehmer der Koffein-Gruppe diese ebenfalls als weniger süß als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Wie kam es zu dem veränderten Geschmacksempfinden?

 

So beeinflusst Koffein die Geschmacksnerven

Wenn wir Kaffee trinken, passiert in unserem Gehirn Folgendes: Das Koffein blockiert den sogenannten Adenosinrezeptor. Adenosin ist ein Botenstoff, der andere aktivierende und belebende Botenstoffe wie Dopamin hemmt und uns somit schläfrig macht. Durch die Blockierung des Rezeptors stoppt das Koffein die Ausschüttung von Adenosin – und wir fühlen uns munterer.

Frühere Studien konnten zeigen, dass Adenosin auch an der Wahrnehmung von süßem Geschmack beteiligt ist. Wird die Adenosinausschüttung verhindert, führt das dazu, dass wir Süßes weniger intensiv wahrnehmen. In vorangehenden Untersuchungen fand Dandos Team außerdem heraus, dass Menschen, deren Fähigkeit Süßes zu schmecken „betäubt“ wurde, mehr Heißhunger auf Süßes haben und Snacks mit mehr Kalorien auswählen.

Die Studie hat allerdings Schwächen. So wurde nicht untersucht, ob der koffeinhaltige Kaffee tatsächlich Einfluss auf das Ernährungsverhalten der Probanden hatte. Zudem ist nicht geklärt, wie lange der Effekt anhält – nach der zweiten Geschmacksprobe nach 15 Minuten wurden keine weiteren Tests durchgeführt.

 

So beugen Sie dem Heißhunger vor

Doch selbst, wenn weitere Studien zu dem gleichen Ergebnis kommen, sollten sich Kaffeetrinker nicht von ihrer Gewohnheit abbringen lassen: Eine großangelegte internationale Studie zeigte kürzlich, das Kaffeetrinken das Risiko eines frühzeitigen Todes deutlich verringert. Zahlreiche Studien konnten außerdem in der Vergangenheit zeigen, dass Kaffee bei verschiedenen Erkrankungen vorbeugend wirkt.

Um dem durch das Koffein geförderten Heißhunger auf Süßes vorzubeugen, gibt es einen Trick: Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigte, dass der Verzehr von Walnüssen (etwa sieben pro Tag) das Hungergefühl hemmt und uns dazu bringt, vorrangig gesunde Lebensmittel auszuwählen.

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