Diese Medikamente erhöhen das Magenkrebs-Risiko

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Frau nimmt Tabletten ein
Die langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern erhöht das Magenkrebs-Risiko, zeigt eine aktuelle Studie – doch es gibt Alternativen © iStock

Eine 2016 veröffentlichte Studie stellte einen Zusammenhang zwischen Protonenpumpenhemmer - wenn sie langfristig eingenommen werden - und der Entstehung von Magenkrebs fest. Diese hatte aber eine Schwäche: die Auswirkung von Helicobacter pylori. Jetzt gibt es neue Ergebnisse.

Helicobacter pylori ist ein Bakterium, dass den menschlichen Magen besiedelt. Es ist weit verbreitet (bei schätzungsweise zwei Dritteln der Weltbevölkerung lässt es sich nachweisen) und verursacht in der Regel keine Beschwerden.

Doch in einigen Fällen kann ein Befall mit Helicobacter pylori zu gesundheitlichen Problemen führen – so ist das Bakterium für die Entstehung der Mehrzahl von Magengeschwüren verantwortlich und gilt als Risikofaktor für Magenkrebs. Auch Magenschleimhautentzündungen sind häufig auf Helicobacter pylori zurückzuführen.

 

Magenkrebs-Risiko bleibt nach der Therapie erhöht

Eine Besonderheit beschäftigt Mediziner dabei seit Längerem: Wird Helicobacter pylori per medikamentöser Therapie ausgemerzt, bleibt das Magenkrebs-Risiko der Betroffenen dennoch erhöht.

Ein Forscherteam der University of Hong Kong beschäftigte sich in einer kürzlich veröffentlichten Studie mit dem Thema – und konzentrierte sich dabei speziell auf die Rolle der sogenannten Protonenpumpenhemmer. Diese sind Bestandteil bei der Therapie von Helicobacter pylori und werden zudem häufig zur Behandlung von Reflux und Magengeschwüren eingesetzt.

 

Protonenpumpenhemmer erhöhen Magenkrebs-Risiko

Der Hintergrund: Eine 2016 veröffentlichte Studie hatte einen Zusammenhang zwischen der langfristigen Einnahme von Protonenpumpenhemmern und einem erhöhten Risiko für Magenkrebs ergeben. Doch diese Untersuchung hatte eine Schwäche: Die Autoren unterschieden nicht zwischen Patienten mit und ohne Helicobacter-Befall – so war nicht festzustellen, ob das erhöhte Magenkrebs-Risiko von dem Bakterium oder der Behandlung mit Protonenpumpenhemmern herrührte.

Die chinesischen Forscher konzentrierten sich darum ausschließlich auf Patienten, die bereits gegen Helicobacter pylori behandelt worden waren. Sie wollten herausfinden, wie sich die langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern auf das Magenkrebs-Risiko dieser Patienten auswirkte.

Dazu werteten sie die Daten von insgesamt knapp 63.400 Erwachsenen aus, die alle eine siebentägige Dreifach-Kombination von zwei Antibiotika plus Protonenpumpenhemmern zur Behandlung von Helicobacter pylori eingenommen hatten.

 

H2-Blocker für die Langzeiteinnahme besser geeignet

Viele der Studienteilnehmer nahmen im Anschluss langfristig weiter Medikamente ein um die Freisetzung überschüssiger Magensäure zu drosseln – denn diese trägt zur Entstehung von Reflux, Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren bei.

3.271 Probanden nahmen dafür über einen längeren Zeitraum (im Schnitt knapp drei Jahre) Protonenpumpenhemmer ein, 21.729 stattdessen sogenannte H2-Blocker.

Dabei zeigte sich: Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern erhöht das Risiko für die Entstehung von Magenkrebs – und zwar desto mehr, je länger die Medikamente eingenommen werden. So verfünffacht sich das Risiko für Magenkrebs nach mehr als einem Jahr regelmäßiger Einnahme, nach zwei Jahren versechsfacht es sich und nach drei Jahren haben Patienten bereits ein achtmal so hohes Magenkrebs-Risiko wie vor der Einnahme der Medikamente.

Menschen, die langfristig magensäurehemmende Medikamente einnehmen müssen, sollten darum lieber auf H2-Blocker zurückgreifen. Bei überschüssiger Magensäure, oder einem Reflux, kann es aber auch schon helfen, die Ernährung umzustellen – so sind fetthaltige, säurebildende und sehr scharfe Speisen sowie Schokolade, bei mehr als 4 Tassen Kaffee am Tag und Alkohol zu meiden. Raucher sollten möglichst das Rauchen reduzieren oder einstellen, denn der Zigarettenkonsum begünstigt die Entstehung von überschüssiger Magensäure.

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