Diese Frauen stricken Pflaster für Kinderherzen

Aymara-Frauen stricken Okkluder
Diese Frauen stricken kleine Implantate, die zur Behandlung von Herzfehlern bei Kindern eingesetzt werden © BBC

Stricken kann Leben retten – das zeigt die bewegende Geschichte bolivianischer Frauen, die mit ihrer traditionellen Kunst helfen, herzkranke Kinder zu heilen.

Wollmützen, Pullover und Decken – dafür nutzen die Frauen der Aymara (in Süd-Peru und Nord-Chile lebendes indigenes Volk) normalerweise ihre Fähigkeiten im Stricken, die in einer jahrhundertelangen Tradition von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Jetzt stellen einige von ihnen ihre Erfahrung und Fingerfertigkeit in den Dienst der Medizin und stricken High-Tech-Medizinprodukte, die zur Heilung von Fehlbildungen bei herzkranken Kindern eingesetzt werden.

Die betroffenen Kinder leiden an einem sogenannten persistierenden Ductus arteriosus: Vor der Geburt wird das Baby noch über den Blutkreislauf der Mutter mit Sauerstoff versorgt – die Lunge ist noch nicht „in Betrieb“. Darum wird das Blut mittels einer Verbindung namens „Ductus arteriosus“ direkt in die Aorta weitergeleitet. Nach der Geburt beginnt das Baby selbstständig zu atmen und der Ductus arteriosus wird nicht mehr gebraucht – darum verschließt er sich normalerweise in den ersten Stunden oder Tagen nach der Geburt. Beim persistierenden Ductus arteriosus bleibt diese Verbindung jedoch offen.

 

„Nit Occlud“ hat hunderte Kinderleben gerettet

„Wir sind sehr glücklich. Wir tun etwas, damit jemand anders leben kann“, erzählt Strickerin Daniela Mendoza der BBC. Etwa zwei Stunden braucht sie, um ein „Nit Occlud“ herzustellen. Entworfen hat die Vorrichtung der bolivianische Kardiologe Franz Freudenthal. In seiner Klink für herzkranke Kinder in La Paz hat das kleine Gerät bereits hunderte Leben gerettet.

„Nit Occlud“ ist ein sogenannter Okkluder – ein kleines Implantat, das per Katheter zum Herzen geführt wird. Er wurde speziell für Kinderherzen entworfen und ist so klein und komplex, dass die Produktion per Maschine schwierig ist. Dr. Freudenthal beauftragte darum Aymara-Frauen, die den Okkluder in Handarbeit herstellen.

 

Wie funktioniert „Nit Occlud“?

„Nit Occlud“ sieht aus wie ein aus Draht geflochtener Mini-Zylinder. Die Strickerinnen stellen ihn aus einem einzigen Strang Nitinol her – ein extrem elastisches Metall, das normalerweise in der militärischen Industrie eingesetzt wird. Für den Eingriff wird der Okkluder zusammengefaltet in einem Katheter platziert. Dieser wird in der Leistengegend in ein Blutgefäß des Patienten eingeführt und transportiert den Okkluder bis zum Herzen. Hat er die richtige Stelle erreicht, entfaltet sich der Okkluder wieder zu seiner ursprünglichen Form und schließt das Loch im Herzen.

Hamburg, 24. September 2015

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