Die unterschätzte Gefahr der Sonnensucht

Forscher fanden heraus, dass UV-Strahlen im Körper Botenstoffe ausschütten, die vergleichbar sind mit denen von harten Drogen. Menschen, die regelmäßig in der Sonne baden, seien demnach bereits nach wenigen Wochen von den UV-Strahlen abhängig – ebenso wie © Fotolia

Sonnenlicht hat auf den menschlichen Körper eine ähnliche Auswirkung wie harte Drogen. Eine aktuelle Studie der Harvard Medical School zeigt, dass die UV-Strahlen der Sonne eine körperliche Abhängigkeit auslösen. Die Forscher warnen davor, die Gefahren einer „Sonnensucht“ zu unterschätzen.

Sonnenbäder lösen im Körper die Ausschüttung von Endorphinen aus. Durch regelmäßigen Kontakt mit UV-Strahlen wird die Produktion der körpereigenen, schmerzstillenden Stoffe gesteigert. Die Studie der Harvard Medical School zeigte nun, dass durch die plötzliche medikamentöse Blockierung der Ausschüttung dieser Endorphine körperliche Entzugserscheinungen ausgelöst werden, welche vergleichbar sind mit Körperreaktionen, die beim Absetzen von harten Drogen wie Heroin auftreten.

Die Körperreaktionen beschreiben die Wissenschaftler als überraschend massiv. Bereits nach wenigen Wochen des Kontakts mit geringen, täglichen Dosen der UV-Strahlung des Sonnenlichts, wurden so viele körpereigene Endorphine produziert, dass durch den Abbruch der Ausschüttung Entzugsmerkmale, wie schweres Körperzittern, Zähneklappern und Hitzeattacken, auftraten.

 

Sonnenstrahlen wirken im Körper wie Drogen

UV-Strahlen lösen auf der Haut eine chemische Reaktion innerhalb des körperlichen Stoffwechsels aus. Durch die Bestrahlung bilden bestimmte Zellen das Protein Proopiomelanocortin, das wiederum Grundlage körpereigener Botenstoffe ist – unter anderem das natürliche, im Körper produzierte Schmerzmittel Beta-Endorphin, das auch als Glückshormon bekannt ist.

Das so produzierte Beta-Endorphin bindet sich als Botenstoff an die gleichen Rezeptoren – die Opioid-Rezeptoren, die für das Schmerzmanagement im Körper zuständig sind – wie die Botenstoffe von harten Drogen wie Heroin oder Morphium.

 

Die Studie spiegelt ein normales Sonnenbaden wider

Der Versuchsaufbau der Studie erprobte keinen extremen Körperkontakt mit UV-Strahlen, sondern spiegelt einen normalen Kontakt-Turnus wider, der auf viele Sonnenanbeter zutreffen wird. Konkret war die Untersuchung so konzipiert, als seien hellhäutige Menschen täglich 20 bis 30 Minuten der Mittagssonne ausgesetzt. Diese UV-Dosis wurde dann an 5 Tagen in der Woche für sechs Wochen wiederholt – danach wurde die Ausschüttung der Beta-Endorphine medikamentös geblockt.

Die Forscher zeigten sich überrascht, wie radikal die körperlichen Reaktionen – oder Entzugserscheinungen – aufgrund des plötzlichen Abbruchs der Endorphin-Ausschüttung ausfielen. Man müsse davon ausgehen, dass die meisten Menschen die Gefahren einer körperlichen Abhängigkeit von Sonnenstrahlen unterschätzen.

Hamburg, 20. Juni 2014

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