Die unterschätzten Alltags-Viren

Tod durch Erkältung? Herzinfarkt durch Herpes-Viren? Hirnhautentzündung nach Schnupfen? Alltags-Viren sind viel gefährlicher als bisher angenommen. Wer Infekte nicht auskuriert, riskiert schwere Folgeschäden.

René Harms (26) war durchtrainiert, fit, belastbar. Doch dann besiegten winzige Herpes-Viren den Leistungssportler. Harms ignorierte die Bläschen an der Lippe, zog sein Fitness-Programm weiter durch. Ein fataler Fehler. Denn die Viren wanderten, lösten eine Entzündung des Herzmuskels aus – und die führte zum plötzlichen Herzversagen. Am 9. Januar wurde der deutsche Mittelstreckenläufer tot aufgefunden – Opfer eines der am meisten unterschätzten Virustypen. Eines Virus, mit dem geschätzte 90 Prozent aller Deutschen über 30 infiziert sind.

Hintergrund: Herpes-Viren sind Tarnkünstler. Haben sie sich erst einmal im Körper eingenistet, lassen sie sich nicht wieder vertreiben. Sie schlummern in den Zellen an den Enden kleiner Nervengeflechte – bis sich eine Gelegenheit findet, anzugreifen. Etwa wenn wir gestresst sind, unser Immunsystem geschwächt oder gerade mit anderen Erregern beschäftigt ist.

 

Viren mit hohem Risikopotenzial

Normalerweise verläuft eine Herpes-Infektion komplikationslos. Bläschen an der Lippe entwickeln sich und heilen nach ein paar Tagen wieder ab. Aber die Viren können auch die Augen oder das Hirn befallen. Oder wie bei René Harms, sogar das Herz. Die Folgen können dramatisch sein: Hirnhaut- und auch Herzmuskelentzündung sind lebensbedrohlich.

 

Was sind Viren?

Für unsere Augen sind sie unsichtbar, doch ihre Schlagkraft ist enorm: Viren bevölkern unseren Planeten seit Millionen von Jahren. Und gerade die oft als harmlos eingestuften Spezies sind gefährlicher als bisher vermutet. Besonders die als ungefährlich geltenden Alltags-Viren haben einen enorm großen Einfluss auf unser Leben. So kann selbst ein simpler durch Rhinoviren verursachter Schnupfen in einer Hirnhautentzündung oder einem Infarkt enden. Denn auch hier gilt: Wird ein scheinbar banaler Infekt nicht richtig auskuriert, können die Erreger auf andere Organe überspringen. Besonders anfällig: der Herzmuskel. Der entzündet sich oft erst unbemerkt. Meist macht sich die sogenannte Myokarditis erst nach 14 Tagen bemerkbar. Man fühlt sich ausgepowert, schon bei kleinsten Anstrengungen beginnt das Herz zu rasen. Wer nicht zum Arzt geht, spielt mit seinem Leben. Unbehandelt droht Herzstillstand – und das noch Jahre nach der Infektion. Laut Studien ist eine Myokarditis in fast 20 Prozent aller Fälle für einen plötzlichen, unerwarteten Tod bei Erwachsenen unter 40 verantwortlich. Deshalb bei Fieber, Infekten, Schnupfen etc. niemals Sport treiben – bis mindestens zehn Tage nach Abklingen der letzten Symptome.

Was Sie über Alltagsviren wissen sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie!

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.