Die unterschätzte Heilkraft liebevoller Berührungen und Massagen

Redaktion PraxisVITA
Massage
Durch Berührungen werden das Immunsystem, die Verdauung und der Stoffwechsel angeregt © istock

Erfahren Sie, wie Sie Ihre eigene Gesundheit mit Selbstmassage positiv beeinflussen können oder mit der heilenden Kraft Ihrer Berührungen einem lieben Menschen wohltuende Energie spenden.

Berührungen beeinflussen uns auf allen Ebenen in positiver Weise. Sie sind mehr als ein sinnliches Lebenselixier – Berührungen sind so notwendig wie Essen, Trinken und Schlafen und können nebenher die Symptome vieler Krankheiten wie etwa Demenz lindern.

 

Berührungen heilen

„Gesundheit erflehen die Menschen von den Göttern, dass es aber in ihrer Hand liegt, sie zu bewahren, daran denken sie nicht.“ Schon der griechische Philosoph Demokrit (460 v. Chr. – 371 v. Chr.) wusste, wie heilsam Berührungen auf uns wirken. Sie fördern die Selbstheilung und stillen unsere Sehnsucht nach Zuwendung und Nähe.

 

Berührungen sind ein Lebensbedürfnis

Berührungen sind ein Lebensbedürfnis, so notwendig wie Essen, Trinken und Schlafen. Die Möglichkeit, es zu stillen, ist uns von Geburt an gegeben. Da ist unser Tastsinn der am besten entwickelte von allen Sinnen – der Grund dafür, warum schon Babys es so sehr lieben, berührt zu werden.



 

Ganz intuitiv fühlen wir, wie wichtig Berührungen sind

Wenn uns etwas wehtut, legen wir automatisch eine Hand auf die schmerzende Stelle. Wenn wir innerlich angespannt sind, genügt oft schon eine kurze Massage, um uns wieder zu entspannen. Streicheln setzt in uns einen Prozess in Kraft, der nicht allein für ein gesteigertes Wohlbefinden sorgt, sondern auch für eine bessere Gesundheit.

Das gewährleisten Millionen von Rezeptoren in der Haut, die auf einzelne Berührungen reagieren und Signale zum Gehirn senden. Empfindet man Berührungen als angenehm, beginnt das Gehirn, die Glückshormone Endorphin und Oxytocin auszuschütten.

Handmassage gegen Demenz
Angenehme Berührungen fördern auch die Durchblutung und vertiefen die Atmung© Fotolia
 

Über die Haut kommunizieren wir ohne Worte

Unsere Haut schützt uns vor äußeren Einflüssen, und sie bringt uns in Kontakt mit anderen Menschen. Durch Berührungen stellen wir eine Verbindung her, die weit über die Möglichkeiten der Sprache als Mittel zur Kontaktaufnahme und Verständigung hinausgeht.

 

Berührungen fördern die soziale Entwicklung

So haben Untersuchungen gezeigt, dass Berührungen wesentlich zur sozialen Entwicklung von Kindern beitragen. Kinder, die an schwedischen Schulen einander regelmäßig liebevolle Massagen angedeihen lassen, kommunizieren besser und sind entspannter, sodass es in der Klasse kaum noch zu Konflikten kommt. Denn, wie ein schwedischer Junge sagte: „Kinder, die sich massieren, schlagen sich nicht.“

Kindergartengruppe
Studien belegen, dass Berührungen wesentlich zur sozialen Entwicklung von Kindern beitragen© istock

In den Niederlanden gibt es einige Schulen, die die wöchentlichen Massagen eingeführt haben – mit demselben positiven Effekt. Und in China wird auf noch andere Art und Weise mit Massage gearbeitet: Die Kinder massieren sich vor Unterrichtsbeginn die Kopfhaut. Dies führt zu besseren Lernleistungen.



 

Mit diesen Massagen spenden Sie sich oder anderen Energie und Entspannung zugleich:

 

Gesichtsmassage

Eine Gesichtsmassage weckt Geist und Sinne. Legen Sie Ihre Fingerkuppen auf die Stirnmitte, ziehen Sie sie mit leichtem Druck nach links und rechts zu den Schläfen und enden Sie dort mit kreisenden Bewegungen, 3-mal wiederholen.


Kalt gepresstes Sesamöl hat sich für Massagen am besten bewährt. Erhitzen Sie es kurz auf etwa 100 Grad Celsius, dann ist es nach der ayurvedischen Lehre „gereift“, und seine wertvollen Nährstoffe können die Haut gut durchdringen.

 

Die Ayurvedische Morgenmassage

Die indische Heilkunst Ayurveda empfiehlt uns, den Tag mit einer Morgenmassage zu beginnen. Damit lässt sich unser Organismus wunderbar ins Gleichgewicht bringen. Die Belohnung für das etwas frühere Aufstehen ist groß: eine weichere Haut, kräftigere Muskeln und ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit.



Massage-Öl: Sesam
Für die Morgenmassage Abhyanga wird feines Sesamöl benutzt, das es in Bioläden oder Apotheken zu kaufen gibt© Fotolia

Für die Morgenmassage Abhyanga wird feines Sesamöl benutzt, das es in Bioläden oder Apotheken zu kaufen gibt. Erwärmen Sie 3 EL Sesamöl langsam auf 100 Grad und lassen Sie es auf Körpertemperatur abkühlen; das dauert nur etwa 3 Minuten. Machen Sie die Massage am besten sitzend und im Badezimmer, denn dabei wird etwas Öl tropfen:



Der Kopf

  • Beginnen Sie mit dem Kopf. 1 EL warmes Öl am höchsten Punkt des Kopfes auftragen. Die ganze Haut mit der flachen Hand kräftig einreiben (bitte nicht mit den Fingerspitzen), mit kreisenden Bewegungen wie beim Shampoonieren.



Das Gesicht

  • Jetzt die Ohren und das Gesicht. Massieren Sie sie weniger kräftig. Vergessen Sie nicht die Schläfen und den Knochen hinter den Ohren.

 Geben Sie etwas Öl in Ihre Hände und massieren Sie Hals und Nacken mit der flachen Hand und den Fingern.



Die Arme

  • Massieren Sie danach die Arme: mit kräftigen, kreisenden Bewegungen an den Schultern und Ellenbogen, dann über die ganzen Arme streichen.

 Massieren Sie nun den Rumpf, aber nicht zu kräftig.

Die Brust

  • Die Brust mit kreisenden Bewegungen sanft massieren, Frauen massieren um die Brust herum. Auf dem Brustbein sanft auf und ab streichen. Legen Sie Ihre rechte Hand flach auf den Bauch, die linke ruht seitlich neben dem Körper. In kleinen, kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn massieren, allmählich größer werden, bis Sie den gesamten Bauch kreisend massieren.



Der Rücken

  • Geben Sie wieder etwas Öl auf Ihre Hände, und massieren Sie den unteren Rücken. Dabei nichts forcieren und sich nicht verrenken: nur dort massieren, wo Sie ganz leicht hingelangen.



Die Beine

  • Massieren Sie kräftig die Beine. Fersen und Knie mit kreisenden Bewegungen, auf den Muskeln an Unter- und Oberschenkeln kräftig auf- und abmassieren. 

Benutzen Sie den letzten Rest Öl für Ihre Füße. Massieren Sie die Fußsohlen mit ihren Handflächen in schnellen Auf- und Abwärtsbewegungen und massieren Sie die Zehen mit den Fingern.

 Bleiben Sie noch einen Moment sitzen, schließen Sie die Augen und spüren Sie nach.

Entspannen Sie sich, und lassen Sie das Öl wirken. 
Das Öl vorsichtig abwaschen. Tun Sie dies mit lauwarmem Wasser und milder Seife. Es ist gut, einen dünnen Film auf der Haut zurückzulassen. Das festigt die Haut und hält die Muskeln für den Rest des Tages warm. Das Öl im Haar entfernen Sie am besten mit mildem Shampoo.



 

Minimassage



Wenn Sie nicht genügend Zeit für die komplette Abhyanga haben, gibt es auch eine Kurzversion: Massieren Sie 1 oder 2 Minuten lang den Kopf und die Füße. Hierfür benötigen Sie circa 1 EL Sesamöl.



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