USA: Was macht die extreme Kälte mit dem Körper?

Redaktion PraxisVITA

In den USA hält derzeit die schlimmste Kältewelle seit mehr als 20 Jahren die Menschen in Atem. Wie reagiert der Körper auf Temperaturen von minus 30 Grad und mehr?

Mindestens 15 Todesopfer, ein nahezu lahmliegender Flug- und Bahnverkehr, Engpässe in der Erdgasversorgung: So lautet die derzeitige Bilanz der schlimmsten Kältewelle in den USA seit 1996. Die arktische Kälte hat den mittleren Westen des Landes fest im Griff, darunter die Millionenmetropole Chicago. Bei Temperaturen von minus 38 Grad (teilweise gefühlte minus 46 Grad) raten die Behörden den Bewohnern dringlich, in ihren Häusern zu bleiben. Wer sich dennoch ins Freie wagt, tut dies dick eingemummelt – das ist auch nötig, um dem Körper nicht binnen weniger Minuten großen Schaden zuzufügen. Was kann passieren, wenn wir einer so extremen Kälte ausgesetzt sind? Und wie können wir uns schützen?

 

Erfrierungen nach wenigen Minuten

Der Nationale Wetterdienst der USA gab eine Warnung heraus, dass bereits fünf Minuten an der kalten Luft zu Erfrierungen auf ungeschützter Haut führen können. Wer den Aufenthalt im Freien bei solch extremen Temperaturen nicht vermeiden kann, sollte sich entsprechend schützen. Möglichst alle freien Hautstellen bedecken: Mütze auf den Kopf, Schal vor Mund und Nase, Fäustlinge an die Hände.

Zudem ist die richtige Hautpflege wichtig: Bei Kälte wird die Talgproduktion der Haut reduziert – fettender Talg aber dient als Schutzfilm. Der Wechsel zwischen warmer Luft drinnen und kalter Luft draußen führt zusätzlich zum Austrocknen der Haut. Deshalb: Nicht zu viel heißes Wasser verwenden, es lässt die Haut aufquellen, sie verliert Feuchtigkeit. Wenig Seife nehmen, sie spült schützende Lipide (Fette) aus der Oberhaut. Fetthaltige Cremes nutzen, am besten mit Aloe vera.

Ein Mann läuft am Ufer des vereisten Lake Michigan
Chicago wirkt während der extremen Kältewelle wie eine Geisterstadt – die Bewohner meiden es, ins Freie zu gehen Foto: Scott Olson/Getty Images
 

Kälte drosselt das Immunsystem

Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße, der Stoffwechsel wird verlangsamt. Die Folge: Das Immunsystem wird gedrosselt, Viren und Bakterien haben leichtes Spiel. Studien zeigen, dass Vitamin D unsere Abwehr winterfest macht. Es wandelt die harmlosen Immunzellen in aktive Killerzellen um, die Angreifer unschädlich machen. Da der Stoff durch Sonnenlicht gebildet wird, sollten wir im Winter Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Außerdem helfen einige Lebensmittel, die Immunabwehr zu stärken.

 

Die Atemwege werden strapaziert

Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit speichern als warme und ist deshalb trockener. Der Mix aus Kälte und Trockenheit strapaziert die Schleimhäute und Atemwege, die Bronchien ziehen sich zusammen. Und je tiefer die Atmung, desto angestrengter sind die Atemwege. Ab minus acht Grad sollte auf körperliche Anstrengung verzichtet werden, um Entzündungen in der Lunge zu vermeiden. Der Sportmediziner Dr. Markus Klingenberg rät: Mund zu! Durch die Nase eingeatmet, kann die Luft angewärmt und angefeuchtet werden.

Zusätzlich gilt: Viel trinken! Empfohlen werden 2 Liter Wasser oder Kräutertee pro Tag, denn das schützt die Schleimhäute vor dem Austrocknen. Ideal für die Abwehrkräfte ist Holundertee, die Eiweißstoffe aus dem Holunder fangen die Krankheitserreger ab. Von kalten oder zuckerhaltigen Getränken sollten Sie hingegen die Finger lassen. Und vom Alkohol: Er weitet die Blutbahnen, dadurch wird es einem kurzfristig schön warm. Allerdings fehlt diese Wärme für die Versorgung der inneren Organe, und es droht eine Unterkühlung.

Der vereiste Lake Michigan während der Kältewelle in den USA
Der Michigansee hat sich in ein Meer aus Schnee und Eis verwandelt Foto: Scott Olson/Getty Images
 

Thrombosegefahr steigt bei extremer Kälte

Kälte stimuliert die Ausschüttung von Stresshormonen – das Herz muss mehr arbeiten. Das Adrenalin sorgt dafür, dass der Blutdruck steigt und sich die Herzfrequenz erhöht. Wenn die Körpertemperatur um ein halbes Grad sinkt, erhöhen sich zudem die Anzahl der roten Blutkörperchen und die Cholesterin-Konzentration – das Blut wird dicker, und es kann zu einem Blutgerinnsel kommen. Menschen mit einer Neigung zu Thrombosen und Frauen in der Schwangerschaft sollten große Kälte deshalb meiden.

 

Der Körper kühlt aus

Bei extremer Kälte wie derzeit in den USA steigt die Gefahr einer Unterkühlung. Um vorzubeugen, ist neben warmer Kleidung die richtige Ernährung entscheidend: Suppen und Eintöpfe geben dem Körper Energie und innere Wärme. Mit Gewürzen wie Chili, Nelken, Lorbeerblättern und Paprika wird der Körper ebenfalls vor Kälte geschützt. Auch kalzium- und magnesiumreiches Obst wie Johannisbeeren, getrocknete Feigen, Bananen, Kiwis oder getrocknete Datteln ist gut bei Kälte. Rohkost kühlt den Körper dagegen eher aus.

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