Die Unterkühlung nur knapp überlebt – das Schicksal zweier Brüder

Ins Eis eingebrochen
Über eine halbe Stunde lagen die beiden Brüder im eiskalten Wasser – nur knapp überlebten Sie Unterkühlung und Sauerstoffmangel © Shutterstock

Zwei Brüder waren im Winter in einen zugefrorenen See eingebrochen und fast an Unterkühlung und Sauerstoffmangel gestorben. Einer der beiden Jungen ist heute ein Pflegefall, doch seine Eltern hoffen noch immer auf ein Wunder.

Manchmal liegen Glück und Unglück dicht beieinander. Dass die fünfköpfige Familie Lindholm noch vollzählig ist, dass zwei Söhne einen schweren Unfall überlebten, ist das Glück. Doch dass das Leben der Familie seither ein anderes geworden ist, belastet von großen Sorgen – das ist die Schattenseite...

 

Ins Eis eingebrochen

Der Unfall geschah an einem Winternachmittag. Es herrschte Frost. Constantin Lindholm (9) und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Thomas spielten in der Nähe eines Sees. Auf dem Wasser lag eine Eisschicht. Ob sie wohl schon tragen würde? Die Jungen wagten sich auf das Eis. Und es kam, wie es kommen musste: Sie brachen ein! Über eine halbe Stunde waren sie unter der Eisdecke gefangen, bis mutige Helfer sie retten konnten.

 

Atemstillstand durch Unterkühlung und Sauerstoffmangel

Als sie ins Krankenhaus kamen, waren Thomas und Constantin bereits klinisch tot. Ihre Körpertemperatur war auf unter 27 Grad gesunken. Durch Sauerstoffmangel und Unterkühlung hatte die Atmung versagt, eine Herztätigkeit war kaum noch messbar.

Die Ärzte versuchten alles Menschenmögliche – und tatsächlich: Sie holten die Jungen ins Leben zurück! Sie wurden künstlich beatmet, ihr Kreislauf stabilisiert. Um den Genesungsprozess zu fördern, wurden die Brüder schließlich in ein künstliches Koma versetzt. Es war ein medizinischer Erfolg. Bald setzte die selbstständige Atmung wieder ein, die Kinder konnten aus ihrem Tiefschlaf geholt werden. Dass beide mit dem Leben davongekommen sind, grenzt an ein Wunder – aber nur Thomas hat das Unglück unbeschadet überstanden. Bei Constantin blieben durch den erlittenen Sauerstoffmangel Gehirnschäden zurück.

 

Nach Unterkühlung Pflegefall

Für den siebenjährigen Thomas hat der Weg in sein zweites Leben bereits begonnen. Nach nur einem Monat im Krankenhaus ging er schon wieder zur Schule. Und er scheint den Unfall auch seelisch bewältigt zu haben. Die Zeit, in der ihn nachts Alpträume plagten, ist vorbei. Sein Bruder Constantin dagegen ist jetzt ein Pflegefall, eine Prognose ist schwierig. Die Woche über wird er in einem Rehabilitationszentrum behandelt, wo Therapeuten versuchen, ihm die einfachsten Dinge neu beizubringen: das Greifen, das Kauen, vielleicht irgendwann auch das Gehen – und das Sprechen.

 

Constantin kann wieder lächeln

Doch bisher ist noch nicht einmal klar, inwieweit der Junge seine Umwelt überhaupt wahrnimmt und ob er noch Erinnerungen hat. Wenn er an den Wochenenden zu Hause bei seiner Familie ist, liegt er meist reglos in seinem medizinischen Spezialsessel.

Dennoch glauben die Eltern schon eine Besserung zu erkennen. Wenn seine Mutter ihm aus „Harry Potter" vorliest, verzieht Constantin manchmal sein Gesicht – und beginnt zu lachen. „In diesen Situationen spüren wir, dass unser Junge nicht alles vergessen hat", sagt sein Vater Roland Lindholm. „Er kämpft. Und wir glauben, dass noch alles in ihm ist – und er uns das nur noch nicht richtig zeigen kann." Die Eltern wollen in eine behindertengerechte Wohnung ziehen, damit Constantin bald wieder ganz bei ihnen sein kann. Sie werden sich liebevoll um ihn kümmern, jedes Zeichen der Besserung voller Dankbarkeit aufnehmen – und hoffen, dass noch einmal ein Wunder geschieht.

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