Die unbekannte Gefahr für Kleinkinder – Warum eine Impfung gegen Haemophilus influenzae so wichtig ist

Kinderärztin Dr. Nadine Hess klärt über Haemophilus influenzae auf
Expertin Dr. Hess: „Ist niemand in der Familie betroffen, werden erste Warnsymptome wie starker Durst oft übersehen und die Diagnose erst gestellt, wenn das Kind schon schwere Blutzuckerentgleisungen aufweist.“ © privat

In der vergangenen Woche ging es um die erste Impfung für Säuglinge – die sogenannte Sechsfach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B und Haemophilus influenzae b. Aber gerade die letzte der genannten Krankheiten ist so gut wie allen Eltern unbekannt und häufig werde ich danach gefragt. Was ist das für ein Erreger? Warum wird die Impfung empfohlen? Was sind die Symptome, wenn sich ein ungeimpftes Kind angesteckt hat? Und was kann dann getan werden?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Der Erreger der lebensbedrohlichen Erkrankung (Haemophilus influenzae) ist ein Bakterium und nicht, wie viele aufgrund des Namens „Influenza“ vermuten, ein Virus. Es gibt zwar sechs Typen (a-f), aber eine Impfung existiert leider nur gegen den Typ b. Dieser ist jedoch der am weitesten verbreitete und auch der mit Abstand gefährlichste.

Grundsätzlich kommen die Bakterien häufig auch bei gesunden Personen im Nasen-Rachenraum vor, ohne dass die Betroffenen irgendwelche Symptome zeigen. Diese eher harmlosen Typen führen aber insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern zu Infekten der oberen Luftwege, Mittelohrentzündungen eingeschlossen. Antibiotika sind trotzdem nur selten notwendig, viele dieser Infekte kann das Immunsystem allein bekämpfen.

 

Haemophilus influenzae b ist der gefährlichste Bakterien-Typ

Anders sieht es bei einer Infektion mit dem aggressiven Typ b aus. Dieser kann Hirnhautentzündungen (Meningitis) und vor allem auch eine Entzündung im Kehlkopfbereich (Epiglottitis) auslösen, die zu lebensbedrohlichen Atemschwierigkeiten führen kann.

Seit 1990 gibt es auch eine Impfempfehlung der STIKO (ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts). Einer der Gründe: In den vorangegangenen Jahren kam es zu etwa 1600 Fällen mit meist lebensbedrohlichen Infektionen. Heute werden nur noch etwa 50 Fälle im Jahr registriert[1].

Säuglinge Impfung
Säuglinge sollten drei Impfungen gegen Haemophilus influenzae innerhalb von je vier Wochen bekommen und dann noch mal eine sogenannte Boosterimpfung im zweiten Lebensjahr© Fotolia
 

Welche Beschwerden haben Kinder mit Haemophilus influenzae?

Kinder, die dennoch an einer durch Haemophilus influenzae verursachten Epiglottitis leiden, haben keinen Husten, bekommen aber Fieber und schwere Atemnot. Aufgrund der schmerzhaften Entzündung des Kehlkopfes ist meist kein Schlucken mehr möglich, die Stimme verändert sich und es tritt ein sogenannter inspiratorischer Stridor (sehr geräuschvolles Einatmen, als Zeichen der Enge der Atemwege) auf. Die betroffenen Kinder müssen sofort intensivmedizinisch behandelt werden – häufig auch mit einer Intubation, also einer Atemerleichterung durch einen Schlauch, der in die Luftröhre eingeführt wird. So wird die Erstickungsgefahr ausgeschlossen. Eine antibiotische Behandlung mit Amoxicillin-Clavulanat oder Cefuroxim ist dann ebenfalls immer notwendig.

 

Impfung gegen Haemophilus influenzae bietet wirksamen Schutz

Für einen wirksamen Schutz sind drei Impfungen innerhalb von je vier Wochen notwendig und dann noch mal eine sogenannte Boosterimpfung im zweiten Lebensjahr. Menschen, denen im späteren Leben die Milz entfernt wurde, sollten dann übrigens zusätzlich eine einmalige Impfdosis erhalten. Ansonsten ist keine Auffrischung im Erwachsenenalter notwendig.

 

[1] Schmitt et al. 2001: Haemophilus influenzae type b disease: impact and effectiveness of diphtheria-tetanus toxoids-acellular pertussis (inactivated poliovirus)/H. influenzae type b combination vaccines. Pediatr Infect Dis J. 2001 Aug;20(8):767-74.

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