Die tödlichsten Viren der Welt – mit denen Sie nicht gerechnet hätten

Redaktion PraxisVITA
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Auch Viren, die harmlos wirken (beispielsweise Herpesviren), können schlimmstensfalls tödlich werden © iStock

Sie kommen vergleichsweise harmlos daher. Viren, mit denen wir täglich in Berührung kommen können und von denen wir einige unser Leben lang in uns tragen. Über die Luft, Körperkontakt und –flüssigkeiten nisten sie sich in unsere Zellen ein. Erwischen sie uns in einem schwachen Moment, in dem unser Immunsystem nicht genügend Abwehrkräfte aufbringt, können sie aber verheerend für uns sein. So enden Herpes, Grippe oder Durchfall im schlimmsten Fall auch einmal tödlich.

Viren können alleine nicht lange überleben. Wie ein Parasit, brauchen sie einen Wirt – also z.B. Zellen eines Menschen – in den sie eindringen, um sich zu vermehren. In der Regel können unsere Abwehrzellen das weitere Ausbreiten der Viren verhindern und wir überstehen eine Infektion ohne größere Probleme. In manchen Fällen bemerken wir sie auch gar nicht.

Aber es gibt Ausnahmen: Ist das Immunsystem geschwächt, kommt es nicht mehr gegen die Viren an. Dann können harmlose Infektionskrankheiten lebensgefährlich werden. Deshalb ist es wichtig, jeden Infekt ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen, um sich vor ihnen zu schützen. Das gilt besonders für Personengruppen, deren Immunsystem angreifbarer ist, z.B. bei chronisch Kranken, Menschen über 60 Jahren oder Kindern. Das Immunsystem zu stärken ist also überlebenswichtig.

 

Herpes-simplex-Viren (HSV) – Sie bleiben ein Leben lang

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Wer sich einmal in seinem Leben mit den entsprechenden Viren angesteckt hat, kann immer wieder an Herpes erkranken© iStock

Wer sich einmal mit dem Herpes-simplex-Virus angesteckt hat, behält es für immer in sich. So kann es, wenn beispielsweise das Immunsystem geschwächt ist, immer wieder reaktiviert werden. Je nachdem, um welchen Viren-Typ es sich handelt, entstehen bei einem erneuten  Ausbruch dann entweder Herpesbläschen im Gesicht bzw. an den Lippen oder im Genitalbereich. Meist verläuft die Erkrankung harmlos und die Bläschen heilen von selbst wieder ab. Sie sind aber auch hochansteckend. Deshalb sollten sie niemals aufgekratzt werden, um die Erreger nicht zu verteilen. Denn diese können sich auf andere Hautareale ausbreiten. Kommen die Viren in die Augen, lösen sie eine Hornhautentzündung aus. Ist die Netzhaut betroffen, ist auch eine Erblindung nicht ausgeschlossen.

Gelangen die Viren über die Nase ins Gehirn, sprechen wir von einer Herpesenzephalistis – eine Entzündung des Gehirns, die häufig bis zum Tod führt. Außerdem kann es zu einer Entzündung des Herzens kommen. Sogar der Ausbruch von Multipler Sklerose wird von den Viren begünstigt. Zudem sind offene Herpesbläschen anfälliger für Pilze und Bakterien. Bei einem Herpes-Ausbruch können Präparate (Salben, Tabletten, Pflaster) aus der Apotheke akut ein weiteres Ausbreiten der Viren aufhalten und die Heilung verbessern. Beugen Sie vor, indem Sie Körperkontakt mit Infizierten und auslösende Faktoren wie UV-Licht oder Stress vermeiden.

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Das Epstein-Barr-Virus kann bösartige Tumoren im Lymphgewebe verursachen. Die Krankheit wird über Körperflüssigkeiten übertragen© iStock
 

Epstein-Barr-Virus (EBV) – Nahezu alle Menschen haben diese Viren in sich

Das Epstein-Barr-Virus kann das Pfeiffersche Drüsenfieber auslösen. Dieses wird auch als Kusskrankheit bezeichnet, da es durch Körperflüssigkeiten übertragen wird, z.B. beim Küssen – denn die Viren sammeln sich besonders im Speichel an. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liegen meist vier bis sechs Wochen. In der Regel ist der Verlauf harmlos. Allerding ist die Milz meist stark geschwollen. Durch Belastung kann es zu einem Riss und dadurch zu lebensgefährlichen Einblutungen kommen. Deshalb wird in der Zeit der akuten Erkrankung empfohlen, auf Sport zu verzichten. Zudem ist die Gefahr einer Leberentzündung erhöht.

Gelangt das Virus in das Nervensystem, kann es zu Lähmungen und Erstickungsanfällen führen. Auch Entzündungen der Hirnhäute und des Herzmuskels treten in einigen Fällen auf. Nicht zuletzt können die Viren bösartige Tumoren des Lymphgewebes hervorrufen. Erfolgt die Infektion im späteren Kindes- oder Jugendalter, ist zudem das Risiko für eine Multiple Sklerose erhöht. Zu Ihrem Schutz sollten Sie von dem Austausch von Körperflüssigkeiten mit erkrankten Personen absehen.

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Das Varizella-Zoster-Virus kann unter anderem Gürtelrosen verursachen© iStock
 

Varizella-Zoster-Viren (VZV) – Eine Kinderkrankheit wird für Erwachsene gefährlich

Bei einer Erstinfektion löst es Windpocken aus und ist extrem ansteckend. Das Varizella-Zoster-Virus verbreitet sich über Tröpfchen- und Schmierinfektion. Die normalerweise harmlosen Viren sind für Immungeschwächte sehr gefährlich. Bei Ihnen kann der Ausbruch zu einer lebensbedrohlichen Lungen-, Leber oder Gehirnentzündung führen.

Die Viren bleiben auch nach dem Abklingen der Erkrankung im Körper und können später zu einer Gürtelrose (Herpes zoster) führen – ein schmerzender Hautausschlag im Bereich der Wirbelsäule und des Brustkorbs. Manchmal tritt sie auch am Kopf, an den Armen, am Hals, im Ohr oder im Auge auf. Fast jeder dritte Erwachsene bekommt sie einmal im Leben. Werden dann innerhalb von 72 Stunden virenhemmende Medikamente eingenommen, kann der Krankheitsverlauf abgeschwächt werden. Untherapiert führt die Gürtelrose häufig zu dauerhaften, schmerzenden Nervenschädigungen. Im Auge kann sie die Binde- und Hornhaut bis zur Erblindung schädigen. Empfohlen wird deshalb eine Impfung bei Kindern und Jugendlichen, die sogenannte Varizellen-Impfung. Ab dem 50. Lebensjahr können Erwachsene noch eine Impfung gegen Gürtelrose bekommen.

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HPV kann verschiedene Tumoren begünstigen, beispielsweise kann das Virus zu Kehlkopfkrebs führen© iStock
 

Humanes Papillomvirus (HPV) – Überträgt sich vor allem durch Geschlechtsverkehr

Etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Frauen und Männer infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem humanen Papillomvirus – meist zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr. Denn in der Regel wird es durch Schmierinfektion beim Geschlechtsverkehr übertragen. Wenn es überhaupt zu Symptomen kommt, kann es Monate dauern, bis dann Warzen auf der Haut und im Genitalbereich entstehen. Diese heilen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder ab. 

Je nach Untertyp des Virus können aber auch bösartige Wucherungen an den Schleimhäuten ausgelöst werden. So werden unter anderem Gebärmutterhals-, Penis- oder Anuskrebs ausgelöst. Auch Tumoren an den Mandeln, der Zunge, und am Kehlkopf können darauf zurückgeführt werden. Das humane Papillomvirus gilt als Haupterreger von fünf Prozent aller Krebserkrankungen. Mädchen zwischen neun und vierzehn Jahren wird deshalb vor der ersten sexuellen Aktivität eine Impfung (drei Dosen) zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Für Jungen gilt diese Empfehlung bislang nicht.

 

Hepatitis-B-Viren (HBV)

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Gelbe Augen und gelbe Haut sind ein Warnzeichen für Hepatitis© iStock

Hepatitis B ist extrem ansteckend und überträgt sich durch Körperflüssigkeiten. Eine Infektion mit Hepatitis-Viren führt zu einer Entzündung der Leber. Sie wird häufig erst spät bemerkt. Nur jeder vierte Betroffene in Deutschland weiß von seiner Erkrankung. Normalerweise verschwindet die Infektion von alleine wieder. Nimmt sie aber einen chronischen Verlauf und wird nicht mit antiviralen Medikamenten behandelt, kann das bis zum Leberversagen oder -krebs führen. Im Alter erkranken die Betroffenen zudem eher an Morbus Parkinson als Nicht-Betroffene. Empfehlenswert ist eine Schutzimpfung im Kindesalter. Aber auch Erwachsene können sich noch nachträglich impfen lassen.

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Durch das Norovirus erleiden einige Patienten einen so hohen Flüssigkeitsverlust, dass sie durch den Tropf versorgt werden müssen© iStock
 

Humaner Norovirus – Der Flüssigkeitsverlust ist tückisch

Normalerweise ist die Infektion innerhalb weniger Tage überstanden. Das immer häufiger auftretende humane Norovirus, das sich in die Darmschleimhaut setzt, führt zu einer Magen-Darm-Erkrankung mit Durchfall und Erbrechen. Allerdings kann der starke Wasser- und Electrolytverlust für Menschen mit schwachem Immunsystem tödlich sein. Deshalb müssen diese rechtzeitig im Krankenhaus mit Infusionen versorgt werden, um eine Dehydrierung zu vermeiden. Zudem ist es möglich, dass die Viren das Nervensystem angreifen. Neurologische Symptome wie Verwirrung, Kramfanfälle und Lichtempfindlichkeit können auftreten. Die Ansteckungsgefahr ist sehr hoch und bleibt noch Tage bestehen, wenn die Symptome schon abgeklungen sind.

Kleinste Partikel können durch Schmierinfektion über Hände und Türklinken übertragen werden. Hier gilt: Schützen Sie sich in der Nähe infizierter Personen durch Händewaschen und desinfizieren Sie die Toilette. Da das Virus verschiedene Unterarten hat, kann man sich im Laufe des Lebens mehrmals infizieren.

 

Influenza-Viren – Zeigen immer wieder ein neues Gesicht

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Die Influenza betrifft oft Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Ältere sowie Kinder. Die Grippeimpfung schützt vor der Erkrankung© Kleinkind bekommt Impfung

Jährlich sterben 250.000 bis 500.000 Menschen an der durch das Influenza-Virus ausgelösten Grippe – besonders ältere Menschen und Personen mit schwachem Immunsystem. Die Krankheit beginnt sehr plötzlich mit Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. Nur in den ersten zwei Tagen nach Beginn der Symptome kann man noch medikamentös verhindern, dass sich die Viren ausbreiten und der Krankheitsverlauf gemildert wird. Danach ist dies nicht mehr möglich.

Bei den gefährdeten Personengruppen kann es leicht zu Komplikationen wie Mittelohr-, Lungen-, Herzmuskel-, Gehirn- und Gehirnhautentzündungen kommen. Deshalb wird diesen Menschen und jenen, die viel mit Menschen in Kontakt sind, z.B. Pflegepersonal, eine Schutzimpfung empfohlen. Diese muss jährlich aufgefrischt werden, da das Virus sehr flexibel ist und sich ständig verändert, sodass der Körper keine Abwehrzellen bilden kann. Die Impfung sollte vor den Grippemonaten Oktober und November durchgeführt werden. Vermeiden Sie außerdem den Körperkontakt mit Menschen, die an Grippe erkrankt sind.

Im Video erfahren Sie außerdem, wo sich Viren und Bakterien besonders häufg tummeln.

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