Die süße Bio-Lüge: Entzauberung der Wunderpflanze Stevia

Stevia ist chemisch
Stevia gilt als natürlicher und kalorienarmer Zuckerersatz. Doch die Wahrheit sieht anders aus: Die industriell verwendete Form des sogenannte Honigkrauts besteht zu großen Teilen aus synthetisch veränderten Inhaltsstoffen

Die vermeintlich natürliche Süße der Wunderpflanze Stevia besteht in Wirklichkeit zu großen Teilen aus synthetisch veränderten und chemisch hinzugefügten Stoffen. Das zeigen Studien, die das Süßungsmittel vor dem Hintergrund der Anpassung gewisser Pflanzenteile an industrielle Standards untersucht haben. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Die vermeintliche Wunderpflanze Stevia verspricht natürliche Süßung von Lebensmitteln ohne die gesundheitsschädlichen Kalorien, die zum Beispiel im Zucker enthalten sind. Doch tatsächlich handelt es sich bei dem als grün und natürlich vermarkteten Produkt nicht um ein pflanzliches Produkt, sondern um ein synthetisch verändertes und chemisch erweitertes künstliches Süßungsmittel. Mithilfe moderner Labortechnik wurde ein bestimmter Inhaltsstoff des Honigkrauts isoliert und für die Lebensmittelindustrie angepasst. Die künstliche Zusammensetzung des industriellen Stevia-Derivats besteht also zu großen Teilen aus einigen isolierten Glykosiden, Zuckermolekülen und Alkoholverbindungen.

In der Pflanze fanden sich nach der chemischen Sezierung im Lebensmittel-Labor rund ein Dutzend verschiedener und leicht süßer Steviol-Glykosiden, wovon letztlich nur eines den Ansprüchen der Industrie und ferner der zuckergewöhnten Zunge des Verbrauchers genügte. Dieses Glykosid – das sogenannte Rebaudiosid A – wurde in einem speziellen chemischen Verfahren isoliert und hochgezüchtet, um für den industriellen Gebrauch einen maximalen Süßungseffekt zu erzielen. Gleichzeitig musste das Volumen des Stevia-Derivats mit Hilfe synthetischer Füllstoffe korrigiert werden, damit es zum Beispiel in der Industrie auch in der Schokoladen-Massenproduktion eingesetzt werden konnte.

 

Gefahr des synthetischen Stevia

US-Amerikanische Forscher warnen bereits seit einigen Jahren, dass es durchaus gefährlich sei, einen Stoff aus seinem natürlichen Kontext zu lösen. Selbst einfacher Fruchtzucker, der in beinahe allen Obstsorten vorkommt, besitzt in seiner industriellen Hochzüchtung und Konzentration Gefahren für die menschliche Gesundheit. So stießen Nahrungsmittelforscher bereits vor 50 Jahren in einer Studie mit Ratten auf einen möglichen Verhütungseffekt der Stevia-Pflanze, da sich die Fruchtbarkeit der Tiere um 70 bis 80 Prozent gesenkt hatte. Wie sich zum Beispiel dieser Effekt nach der industriellen Hochzüchtung und Überkonzentrierung der Pflanze auf den Menschen auswirkt, müssen Studien erst abschließend klären.*

 

Stevia als willkommene Alternative

Nachdem in Europa selbst solche chemischen Süßungsmittel – wie Cyclamat, Saccharin oder Aspartam – zugelassen sind, die in den USA wegen potentiell krebserregender Nebenwirkungen zum Teil verboten sind, war das süße Bioprodukt eine willkommene Alternative für den Verbraucher. Stevia enthält in natürlicher Weise aber nur zu rund fünf Prozent einen süßenden Stoff, der einen bitteren Nachgeschmack mit sich bringt, was ihn zuerst wenig ansprechend für Industrie und Verbraucher machte. Außerdem waren die getrockneten Pflanzenteile des Honigkrauts für die industrielle Produktion und die EU-Normierung zu natürlich, denn Pflanzenmischungen sind – anders als chemische Produkte – immer relativ unberechenbar in der tatsächlichen Zusammensetzung und Dosierung der einzelnen Inhaltsstoffe.

*Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version des Beitrags war zu lesen, dass die Stevia-Pflanze einen Verhütungseffekt auf die "weibliche Fruchtbarkeit"besitzt. Da die hier zugrundeliegende Studie einen Einflüss auf die Fruchtbarkeit von Labor-Ratten behandelt, wurde der Text entsprechend aktualisiert. Wir bitten die ungenaue Formulierung zu entschuldigen.

Hamburg, 30. Mai 2014

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