Die Sensation ist echt: In China erschaffen Wissenschaftler "Designer-Embryos"

Rasmus Cloes
Chinesische Wissenschaftlerinnen
In China wurde das erste Mal die DNA eines Embryos gezielt verändert © Fotolia

Erst war es nur ein Gerücht, jetzt ist es ein Fakt: Wissenschaftler haben das Genom von Embryonen erfolgreich verändert. In Zukunft könnten mit der Methode Erbkrankheiten verhindert werden. Kritiker befürchten Missbrauch.

Im März kursierte ein Gerücht unter Wissenschaftlern: Chinesische Forscher sollten zum ersten Mal gezielt das Erbgut von menschlichen Embryonen verändert haben. Auch unbestätigt hatten diese Vermutungen eine Diskussion über die Grenzen medizinischer Forschung hochkochen lassen.

Nun hat sich das Gerücht bestätigt: Am Mittwoch berichtete das Fachmagazin Nature auf seiner Newsseite, dass die Forschungsergebnisse in dem eher unwichtigen Journal Protein & Cell veröffentlicht wurden.

Doch trotzdem wird man in naher Zukunft keinem genetisch veränderten Menschen über den Weg laufen, da die Wissenschaftler nicht lebensfähige Embryonen für ihre Versuche nutzten.

 

Erbkrankheiten heilen

Studienleiter Junjiu Huang von der Universität in Guangzhou fokussierte seine Arbeit auf die Modifizierung des Gens, das für die schwere Blutkrankheit Beta-Thalassämie verantwortlich ist. Sie nutzten die sogenannte CRISPR/Cas-Methode, mit der es möglich ist, gezielt Teile aus der DNA herauszuschneiden und andere einzufügen.

Die Änderung des Genoms von Embryonen könnte in Zukunft genutzt werden, um Menschen von Erbkrankheiten zu heilen – oder um Kinder nach eigenen Wünschen zu gestalten, also zum Beispiel Haar- oder Augenfarbe zu bestimmen. 

Es wird jedoch noch lange dauern, bis sie im Alltag angewandt werden können. Bei insgesamt 86 Embryonen versuchten die Wissenschaftler das Erbgut zu ändern, bei nur 28 gelang allein der Eingriff und lediglich vier Embryonen zeigten den gewünschten Effekt. „Wenn man es bei lebensfähigen Embryonen machen will, dann braucht es eine Erfolgsrate von fast 100 Prozent“, so Huang. Um die zu erlangen, müssten sie aber noch weit mehr über den genauen Prozess lernen.

 

Noch weitere Forschung nötig

Bis es wirklich möglich ist, sogenannte „Designer Babys“ gesund auf die Welt zu bringen werden noch einige Jahre vergehen. Genug Zeit, um die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwiegen.

Hamburg, 23. April 2015

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