Die Schmatzdiät – wirkt garantiert!

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Frau isst genüsslich Salat
Wer seinen eigenen Kaugeräuschen lauscht, isst weniger, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

Sie wollen abnehmen? Dann schalten Sie den Fernseher aus, nehmen die Kopfhörer ab oder stellen die Musik leise – und konzentrieren sich stattdessen auf Ihre Kaugeräusche. Denn das lässt uns weniger essen, zeigt eine aktuelle US-Studie.

Die Untersuchung der Colorado State University und der Brigham Young University ergab: Ob wir beim Essen unsere Kaugeräusche wahrnehmen oder nicht, hat Auswirkungen darauf, wie viel Nahrung wir zu uns nehmen.

Das Team um Ryan Elder und Gina Mohr ließ Probanden so viele knusprige Salzbrezeln essen wie sie wollten. Alle trugen dabei Kopfhörer. Doch während bei einer Gruppe laute Musik und Geräusche das eigene Kauen übertönten, war diese akustische Ablenkung bei der anderen Gruppe so leise eingestellt, dass die Kaugeräusche gut wahrnehmbar blieben.

 

Wer bewusst kaut, isst weniger

Anschließend verglichen die Forscher, welche Gruppe mehr Brezeln verspeist hatte. Das Ergebnis: Probanden, die ihre eigenen Kaugeräusche nicht hören konnten, aßen im Schnitt vier Brezeln – verglichen zu 2,75 Brezeln in der „leisen“ Gruppe.

„Das Geräusch wird üblicherweise als der vergessene Sinn beim Essen bezeichnet“, sagt Studienautor Ryan Elder von der Brigham Young University. „Aber wenn die Menschen sich mehr darauf konzentrieren würden, welche Geräusche das Essen macht, könnte das ihren Konsum reduzieren.“

Die Forscher stellen klar: Es geht dabei nicht etwa um das Brutzeln von gebratenem Speck oder die krachende Karamellkruste einer Crème Brûlée – sondern um das Kauen, Schmatzen und Schlürfen beim Verzehr der Speisen.

In einem weiteren Experiment stellte das Team fest, dass sogar die Vorstellung von Kaugeräuschen genügte, um die verzehrten Portionen zu verkleinern.

 

Gründliches Kauen unterstützt die Verdauung

Positiver Nebeneffekt der Schmatzdiät: Wer sich auf seine Kaugeräusche konzentriert, neigt weniger dazu, sein Essen herunterzuschlingen, sondern kaut gründlicher – und das wiederum sorgt ebenfalls dafür, dass kleinere Portionen verzehrt werden. Bei einer chinesischen Studie nahmen Probanden, die jeden Bissen 40 mal kauten, pro Mahlzeit fast zwölf Prozent weniger Kalorien zu sich als solche, die 15 mal pro Bissen kauten. Und selbst das ist schon viel: Unter Zeitdruck kauen wir jeden Bissen im Schnitt sechsmal.

Doch nicht nur die Diät verläuft durch gründliches Kauen erfolgreicher – der Körper kann so auch mehr Nährstoffe aus der Mahlzeit aufnehmen. Die Kaubewegungen regen die Produktion von Speichel an. Dieser enthält Enzyme, die die Verdauung der Nahrung bereits im Mund einleiten und dafür sorgen, dass sie besser verwertet wird.

Hamburg, 17. März 2016

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