Die rätselhafte Aspirin-Krankheit

Aspirin
Patienten mit der sogenannten Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease (AERD) reagieren überempfindlich auf Schmerzmittel wie Aspirin und leiden außerdem an Asthma und Nasenpolypen © Fotolia

Allison Fite plagten jahrelang mysteriöse Symptome, die sich kein Arzt erklären konnte. Schließlich stellte sich heraus, dass sie an einer seltenen Erkrankung leidet, der sogenannten Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease (AERD).

Es fing an, als Allison Fite 16 Jahre alt war. Ständig schlief sie im Unterricht ein. Der Grund dafür war laut ihrer Ärzte eine starke Nasennebenhöhleninfektion. Doch diese Infektion heilte nie richtig ab. In den folgenden neun Jahren machte Allison eine Infektion nach der anderen durch, nahm Antibiotika und andere Medikamente – ohne Erfolg.

Diese Schwierigkeiten beim Atmen waren sehr kräftezehrend“, berichtet die junge Frau im US-amerikanischen Hörfunk. Zahlreiche Allergietests brachten keine Ergebnisse. Doch die Nasennebenhöhlenentzündung war nicht das einzige Leiden der US-Amerikanerin – einige weitere Symptome führten schließlich dazu, dass sie und ihre Ärzte Verdacht schöpften. Sie hatte Asthma, konnte weder schmecken noch riechen und zeigte eine ungewöhnliche Reaktion auf Alkohol: „Bevor ich (ein Glas) austrinken konnte, bekam ich diese wirklich schlimmen Kopfschmerzen“, erzählt sie im Interview.

Doch ein weiteres Symptom brachte sie schließlich auf die richtige Spur: Allison Fite hatte Nasenpolypen, die ungewöhnlich schnell wieder kehrten, sobald sie operativ entfernt worden waren. In diesem Zusammenhang erwähnte ein Arzt erstmals ihr gegenüber die sogenannte Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease (AERD).

 

Was ist AERD?

Unter dem Begriff AERD fassen Mediziner einen Komplex von drei Symptomen zusammen: Asthma, Nasenpolypen und eine Überempfindlichkeit auf sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika, zu denen auch Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff in Aspirin, gehört.

Mediziner vermuten, dass AERD durch eine Überreaktion des Immunsystems entsteht. Der Körper reagiert mit einer Abwehrreaktion auf eine Infektion und versäumt es dann, diese Abwehrreaktion wieder einzustellen. Der Angriff des eigenen Immunsystems führt dann zu chronischen Entzündungen der Atemwege.

Dass sie an Asthma und Nasenpolypen litt, wusste Allison bereits. Unklar war bis dahin, ob sie allergisch auf Aspirin oder andere Schmerzmittel reagierte. Ihr Arzt gab ihr daher ein Fünftel einer Aspirintablette um zu sehen, wie ihr Körper darauf reagieren würde.

Nasenpolypen
Krankheiten & Symptome  

Was sind Nasenpolypen?

Allison Fite: „45 Minuten später sitze ich in diesem Krankenhaus-Wartezimmer – hustend, schwitzend und mein Blutdruck schoss in die Höhe.“ Damit stand die Diagnose AERD fest.

 

Wie wird AERD behandelt?

Zunächst sollten Betroffene riskante Medikamente meiden. Dazu gehören neben Aspirin unter anderem Ibuprofen und Diclofenac – eine vollständige Liste finden Sie hier. Außerdem empfiehlt sich ein Verzicht auf Alkohol, da dieser die Symptome verschlimmern kann. Zusätzlich können die einzelnen Symptome mit Medikamenten behandelt werden.

 

Adaptive Desaktivierung - eine sinnvolle Therapie?

Allison half eine sogenannte adaptive ASS-Desaktivierung. Die adaptive Desaktivierung wirkt aufgrund der sogenannten Refraktärzeit. Diese bezeichnet den unmittelbaren Zeitraum nach der ASS-Einnahme. Sie dauert etwa 24 bis 72 Stunden. Innerhalb dieses Zeitraums kann keine weitere Unverträglichkeits-Reaktion auftreten. Wenn die Dosis innerhalb dieser Zeit schrittweise gesteigert wird, kann sich der Körper langsam an den Wirkstoff gewöhnen. Diesen Prozess muss immer ein Arzt überwachen.

Ist er geglückt, nimmt der Patient auf unbegrenzte Zeit täglich Aspirin ein – dadurch bleiben die Nasenpolypen meist weg und auch Geruchs- und Geschmackssinn kehren wieder. Die Kehrseite dieser Therapie: Die dauerhafte Einnahme von Aspirin kann mit Nebenwirkungen wie einer erhöhten Blutungsneigung und Blutungen im Magen-Darm-Trakt einhergehen.

Hamburg, 22. März 2016

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