Die Mikronadel: Neue Waffe gegen Augenkrankheiten

Mikrospritzen gegen Augenkrankheiten
Mikronadeln sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge kaum sehen kann © IOVS

Die Augen gehören zu empfindlichsten Organen des Menschen. Deswegen ist die zielgenaue Therapie von schwerwiegenden Augenkrankheiten in der Regel sehr kompliziert. Doch jetzt haben Forscher ein Verfahren entwickelt, das völlig neue Behandlungsmöglichkeiten verspricht – mithilfe einer Mikronadel.

Grüner Star (Glaukom) und die sogenannte Hornhaut-Neovaskularisierung gehören weltweit zu den häufigsten Erblindungskrankheiten. Die Behandlung dieser Krankheiten erfolgt in der Regel direkt am Auge und gilt in Fachkreisen dennoch als zu unpräzise. Der Grund: Um die Bereiche im Auge, die für Erkrankungen verantwortlich sind, erreichen zu können, muss das ganze Auge medikamentös behandelt werden.

Grüner Star

Der Grüne Star ist der weltweit zweithäufigste Grund, weswegen Menschen erblinden. Das Sehvermögen wird bei dieser Krankheit zunehmend schlechter, da im Sehnerv Nervenfasern absterben. Auslöser ist in der Regel ein erhöhter Augeninnendruck oder Bluthochdruck. Alleine in Deutschland leiden 500.000 Menschen an dieser Krankheit.

 

Mikronadel ermöglicht präzise Behandlung

Vor diesem Hintergrund haben Forscher des Georgia Instituts of Technology (USA) eine „Mikrospritze“ entwickelt und in einer Studie vorgestellt. Die Mikronadel der Spritze ist gerade einmal 400 Mikrometer groß – also achtmal kleiner als ein Floh und mit dem bloßen Auge kaum erkennbar.

Doch so klein diese Nadeln auch sind, ihr Effekt für Menschen mit schweren Augenkrankheiten ist umso größer. Die Forscher erklären, dass Medikamente – die Betroffene vor einer Erblindung schützen sollen – mit den Mikrospritzen direkt an die Stellen im Auge gespritzt werden können, wo sie gebraucht werden.

Hornhaut-Neovaskularisierung

Bei dieser Krankheit bilden sich Blutgefäße in der Hornhaut des Auges (die sogenannte Gefäßwucherung), was zu Einschränkungen im Sehvermögen führt, da in der Hornhaut normalerweise keine Blutgefäße vorhanden sind. Auslöser sind z.B. Hornhautentzündungen oder das Tragen von Kontaktlinsen (der tägliche Gebrauch führt zu einem Sauerstoffmangel im Auge).

 

Weniger Medizin – mehr Wirkung

Durch diesen präzisen Einsatz von Wirkstoffen muss zur Behandlung von Grünem Star oder Hornhaut-Neovaskularisierung nicht mehr das ganze Auge – z.B. durch Augentropfen – behandelt werden. Auf diese Weise werde die Wirksamkeit der Medikamente bei einer gleichzeitig hundertmal geringeren Dosis deutlich erhöht, erklärt Studienleiter Professor Mark Prausnitz. Bei der Behandlung von Glaukom verringern sich beispielsweise die Einnahme-Intervalle durch den Einsatz der Mikronadel – im Vergleich zu der täglich Nutzung von Augentropfen – auf zwei Injektionen pro Jahr.

Zudem – und das verringere wiederum den Leidensdruck für die Betroffenen – treten durch die Behandlung mit den Mikronadeln „praktisch keine Nebenwirkungen mehr auf“.

 

Hört sich nur schlimm an

Die meisten Patienten würden verständlicherweise eingeschüchtert reagieren, wenn man ihnen sagt, dass man ihnen mit einer Nadel ins Auge sticht. Doch Professor Prausnitz beruhigt an dieser Stelle. Die Behandlung mit der Mikronadel sei völlig harmlos. Tatsächlich sind die Nadeln so klein, dass „der Patient keine Schmerz verspürt und die Augen auch nicht verletzt werden“. 

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