Die magische Kraft der Kräuter

Thymian fördert die Bewegung der Flimmerhärchen
Thymian hilft bei Reiz- und Keuchhusten (zum Beispiel als Tee). Denn er fördert die Bewegung der Flimmerhärchen in den Atemwegen, sodass Erreger leichter abtransportiert werden können © Fotolia

Wissenschaftler haben entdeckt, dass bei Reiz- und Keuchhusten einige Pflanzenmittel fast so gut wirken wie Antibiotika. Spannende Fakten, wie man die Heilkraft der Kräuter nutzen kann.

Laboranalysen zeigen: Kräuter enthalten Antioxidantien – zellschützende Substanzen – die freie Radikale abfangen. Zahlreiche Inhaltsstoffe, wie ätherische Öle, Harze, Alkaloide, Bitter-, Gerb- und Schleimstoffe, organische Säuren, Enzyme, pflanzliche Hormone, Mineralstoffe und Vitamine, wirken sich positiv auf die Gesundheit aus und lindern auch einen Reiz- oder Keuchhusten.

 

Spitzwegerich richtig dosieren bei Reizhusten

Zu finden ist das Kräutergewächs Spitzwegerich auf Wiesen, an Wegrändern und auf Schuttplätzen – er wirkt hustendämpfend. Entzündliche Prozesse auf dem Flimmerepithel der Bronchien werden deutlich gelindert. Der Stoff Aucubin steigert in Atemwegen und Darm die Immunabwehr. 3 bis 6 g zum Beispiel als Tee frisch aufgebrüht trinken oder als Hustensirup einnehmen.

 

Thymian hilft bei Reiz- und Keuchhusten

Thymian stammt ursprünglich aus Griechenland. Der blauviolette Feldthymian an Wiesen- und Straßenrändern schmeckt nicht so intensiv wie der kultivierte Thymian. „Die enthaltenen ätherischen Öle können bei Reiz- und Keuchhusten eingesetzt werden“, so Professor Alexander Schenk, Leiter des Instituts für Arzneipflanzenforschung und Phytotherapie in Havixbeck. Das Flimmereptihel in den Atemwegen wird angeregt, sodass Schleim leichter abgehustet werden kann. Als Tee 1 bis 2 TL Kraut pro Tasse, 3 bis 5 Tassen am Tag trinken. Hustensaft nach Anleitung einnehmen.

 

Pelargonie schützt die Schleimhäute

Die lila blühende Geranienart kommt wild nur auf einem begrenzten Gebiet in Südafrika vor. Der Wurzelextrakt der südafrikanischen Kaplandpelargonie überzieht die Schleimhäute mit einem schützenden Film und macht damit Viren und Bakterien das Anheften unmöglich. Erwachsene nehmen während einer akuten Erkältung von diesem natürlichen „Antibiotikum“ bis drei Tage nach Abklingen der Beschwerden 3-mal täglich 30 Tropfen, am besten in Wasser aufgelöst.

 

Salbei lindert Halsentzündungen

Der echte (Königssalbei) ist vor allem im Mittelmeerraum zu finden. Bei uns findet man wild nur den nicht verwendbaren Wiesensalbei. Salbei lindert Halsentzündungen, ist aber auch ein bewährtes Mittel bei Verdauungsstörungen und Durchfall. Er hilft gegen übermäßiges Schwitzen, als Tee und äußerlich in Form von Abreibungen oder Bädern. Für den Tee 3 TL Kraut mit heißem Wasser überbrühen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen.

 

Lavendel nimmt den Stress

Der im Juli und August blühende Lavendel ist in Südeuropa heimisch und kommt bei uns nicht wild vor. Seine ätherischen Öle bremsen die Ausschüttung der Stresshormone, wirken aufs limbische System. Lavendel äußerlich ist schmerzstillend bei Muskel- und Nervenschmerzen. Lavendelöl mehrmals täglich auf die Haut auftragen. Lavendelbüten als Tee (mit anderen Kräutern): 1 TL pro Tasse, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen.

 

Melisse beruhigt den Magen-Darm-Trakt

Melisse heißt übersetzt „Biene“ und deutet auf den Nektarreichtum der Pflanze hin. Hochdosierte ätherische Ölsubstanzen (Terpene) aus der Melisse wirken auf das limbische System im Gehirn beruhigend und stresslösend, gleichzeitig entspannend auf die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts. Empfehlung: täglich 2 bis 4 Tassen Melissentee aus der Apotheke trinken.

 

Baldrian zum besseren Einschlafen

Baldrian ist eine stark aromatisch riechende Pflanze, verwendet wird aber nur die Wurzel. Menschen, die Baldrian einnehmen, schlafen schneller ein und wachen nachts seltener auf. „Die Inhaltsstoffe beeinflussen ähnlich wie Botenstoffe im Gehirn bestimmte Nervenrezeptoren“, sagt Experte Prof. Schenk. Die Dosierung ist individuell unterschiedlich: täglich zwischen 300 bis 900 mg Extrakt bei Einschlafstörungen, 300 bis 450 mg bei nervöser Anspannung.

 

Johanniskraut sorgt für gute Stimmung

Auf Magerrasen, Streuwiesen und Brachland vermehrt sich Johanniskraut durch Eigenaussaat. „Mehrere Bestandteile des Extraktes sind an der stimmungsaufhellenden und stimmungsausgleichenden Wirkung beteiligt“, sagt Experte Schenk. „Außerdem fördert es die Motivation.“ Er vermutet einen Einfluss auf die Nervenbotenstoffe (u. a. den Glücklichmacher Serotonin) sowie eine regulierende Wirkung auf bestimmte Rezeptoren im Gehirn. Empfohlen werden 600 mg Extrakt täglich (z.B. Neuroplant® Aktiv, rezeptfrei in der Apotheke).

 

Rosmarin hilft ideal bei Verspannungen

Rosmarin ist ein immergrüner Halbstrauch. Er bevorzugt einen sonnigen, trockenen Standort. Seine ätherischen Öle und Phenolcarbonsäuren lindern krampfartige Verdauungsbeschwerden und sind hilfreich bei Appetitlosigkeit. Rosmarin regt auch die Durchblutung an und hilft ideal gegen Verspannungen: 2 Liter Wasser mit 2 Handvoll Rosmarin 20 Minuten köcheln, den Sud ins Badewasser geben.

 

Beinwell beschleunigt die Heilung

Beinwell ist eine anspruchslose Pflanze, die feuchte Standorte bevorzugt. Eine Studie der Uni Prag zeigte, dass Cremes mit dem Naturpräparat Beinwell nicht nur zum raschen Abheilen von Quetschungen, Prellungen und Verstauchungen beitragen, sondern auch bei Rückenschmerzen helfen. „Das geht auf unterschiedlichste Effekte der verschiedenen Wirkstoffe zurück, die noch weiter untersucht werden müssen“, sagt Apotheker Prof. Alexander Schenk.

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