Die Heilkraft der Esskastanie

Redaktion PraxisVITA
Esskastanie
US-Wissenschaftler haben eine versteckte Heilwirkung der Esskastanie aufgedeckt © Fotolia

Staphylococcus aureus ist ein häufig vorkommendes Bakterium, das unter anderem hochansteckende Hauterkrankungen auslösen kann. Gegen viele Antibiotika ist es bereits resistent – aber US-Forscher haben jetzt ein natürliches Gegenmittel entdeckt.

Die Bakterienart Staphylococcus aureus (Staphylokokken) ist weit verbreitet. Bis zu 50 Prozent der gesunden Erwachsenen tragen sie vorübergehend oder dauerhaft in sich. Manche bemerken das gar nicht, bei anderen führt es zu verschiedenen Haut- und Schleimhautinfektionen oder sogar zu Lungenentzündung oder Blutvergiftung. Die Bakterienstämme von Staphylococcus aureus sind inzwischen gegen viele Antibiotika resistent. Besonders in Krankenhäusern sind sie gefürchtet – auf Intensiv- und Neugeborenenstationen stellen sie eine große Gefahr dar.

 

Gesucht: Alternative Heilmethode

Um diesem weltweiten Problem zu begegnen, suchten Wissenschaftler der Emory University in Georgia nach einer alternativen Behandlungsmöglichkeit. Dabei konzentrierten sie sich auf traditionelle Heilmethoden in ländlichen Gegenden Süditaliens und anderen mediterranen Regionen. Nach langer Suche wurden sie fündig – und zwar in den Blättern der Esskastanie: „Wir haben eine Gruppe von Komponenten dieser Pflanze identifiziert, die einen interessanten Wirkungsmechanismus haben“, erklärt Studienleiterin Dr. Cassandra Quave.

Die Idee kam von der Landbevölkerung, die Tee aus Blättern der Esskastanie herstellte, um Hautinfektionen zu heilen. Im Labor legten die Wissenschaftler die Blätter in ein Lösungsmittel und gewannen so 94 verschiedene Chemikalien aus der Pflanze, darunter zwei antibakterielle Komponenten. Laborversuche zeigten, dass diese verschiedene Bakterien bekämpften, darunter Staphylokokken.

 

Esskastanie „entwaffnet“ Bakterien

In einem Tierexperiment ließ schon eine einzelne Dosis von 50 Mikrogramm (0,05 mg) des Esskastanienextrakts die Hautinfektionen von Mäusen verschwinden und stoppte die Schädigung von Gewebe und Blutzellen durch die Bakterien. Laboruntersuchungen ergaben, dass die Wirkstoffe weder Hautzellen noch unschädliche Bakterien angriffen.

Das Besondere an der Wirkungsweise der Esskastanienblätter: Sie zerstören die Bakterien nicht, sondern „entwaffnen“ sie nur. Dr. Quave: „Anstatt die Staphylokokken zu töten, nimmt dieses pflanzliche Extrakt ihnen ihre Waffen weg und beraubt die Bakterien so der Fähigkeit, Giftstoffe zu produzieren, die Gewebeschäden verursachen. Mit anderen Worten: Es zieht den Bakterien die Zähne.“

Für ihre Entdeckung können sich die Wissenschaftler neben der Staphylokokken-Behandlung verschiedene Verwendungen vorstellen, darunter ein vorbeugendes Spray für die Haut und Beschichtungen für medizinische Geräte oder Produkte wie Tampons.

Hamburg, 24. August 2015

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