Die Harvard-Glücksformel

Verena Elson Medizinredakteurin
Glückliches Paar
Eine stabile Beziehung – das ist die wichtigste Zutat für ein gesundes und glückliches Leben, sagen Harvard-Wissenschaftler © fotolia

Reich und berühmt werden: Das sind laut zahlreichen Umfragen die wichtigsten Ziele im Leben junger Erwachsener. Doch was uns in Wahrheit glücklich macht, ist etwas ganz anderes – das haben Harvard-Wissenschaftler jetzt herausgefunden.

Was macht uns wirklich glücklich? Diese Frage zu beantworten war das Ziel eines großen Projektes der Harvard Universität. Seit 1938 begleiteten Wissenschaftler mehr als 700 Männer und einige ihrer Ehepartner.

Die Studienteilnehmer kamen aus zwei sehr unterschiedlichen Gruppen: Zunächst wurden für das Projekt 268 Harvard-Studenten rekrutiert und intensiv begleitet. Das umfasste häufige Gespräche mit den Probanden und regelmäßige ärztliche Untersuchungen. Gleichzeitig begann der Harvard-Professor Sheldon Glueck damit, junge Männer aus Bostons ärmsten Stadtvierteln zu begleiten – später wurden die beiden Studien zu einem Projekt zusammengeschlossen.

Im Laufe der Jahre nahm das Leben der Männer unterschiedliche Verläufe. Einige wurden Geschäftsmänner, Ärzte oder Anwälte und im Fall des Harvard-Studenten John F. Kennedy sogar Präsident der USA. Andere hatten weniger glanzvolle Lebensläufe – sie waren erfolglos im Job, wurden Alkoholiker oder entwickelten psychische Krankheiten.

 

Was macht uns wirklich glücklich?

Bei der genauen Betrachtung dessen, was Gesundheit und Wohlbefinden der Probanden besonders beeinflusste, erwiesen sich Beziehungen mit nahestehenden Menschen, besonders Ehepartnern, als entscheidend.

Die Männer in den stärksten Beziehungen waren am besten vor chronischen Krankheiten, psychischen Leiden und Erinnerungsverlusten geschützt. Und dafür musste es nicht immer harmonisch zugehen, so Studienleiter Dr. Robert Waldinger: „Eine gute Beziehung muss nicht immer reibungslos verlaufen. Einige unserer 80-jährigen Paare konnten sich den ganzen Tag in den Haaren liegen.“ Das wichtigste für eine stabile Beziehung ist seiner Meinung nach, dass die Partner wissen, dass sie im Ernstfall aufeinander zählen können – dieses Wissen gibt die nötige Sicherheit und Geborgenheit, die bis ins hohe Alter für psychisches und körperliches Wohlbefinden sorgt.

Doch auch außerhalb der Ehe sind Beziehungen das wichtigste Standbein für körperliche und geistige Gesundheit. Laut Beobachtung der Forscher ging es Pensionären besser, wenn sie sich in ihrem Ruhestand neue Freunde suchten. „In diesen 75 Jahren hat unsere Studie gezeigt, dass es den Menschen am besten erging, die sich auf Beziehungen mit Familie, mit Freunden und mit der Gemeinschaft stützten“, so Dr. Waldinger. Die Studienleiter räumen ein, dass ihre Studie keinen kausalen Zusammenhang beweisen kann. So ist es auch möglich, dass Menschen, die generell glücklich und gesund sind, auch eher den Kontakt zu ihren Mitmenschen suchen. Dennoch lasse die lange Beobachtungszeit durchaus den Schluss zu, dass soziale Beziehungen wesentlich zur körperlichen und psychischen Gesundheit beitragen. Im TED-Talk fasst Studienleiter Dr. Waldinger die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen.

Hamburg, 28. März 2016

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