Die große Orgasmus-Studie

Ein Paar kuschelt im Bett
Ob Männer und Frauen zum Orgasmus kommen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

Woran liegt es, dass einige Menschen selten oder gar nicht zum Orgasmus kommen? Das haben US-amerikanische Wissenschaftler in einer aktuellen Studie untersucht.

Um herauszufinden, worin die häufigsten Gründe für eine sogenannte Orgasmushemmung bei Männern und Frauen liegen, analysierte ein Forscherteam der Mayo Clinic und der Indiana University School of Medicine zahlreiche frühere Studien.

Dabei stellten sie für jedes Geschlecht einen Hauptfaktor heraus, der gegeben sein muss, damit der Orgasmus zustande kommt: Bei Männern liegt dieser im Gehirn beziehungsweise dem Nervensystem, bei Frauen in der Anatomie der Geschlechtsorgane.

 

Der männliche Orgasmus

Bei Männern hängt die Orgasmusfähigkeit demnach vor allem von der Balance zwischen Parasympathikus und Sympathikus ab. Der Parasympathikus ist Teil des vegetativen Nervensystems und für die Steuerung des Blutkreislaufs und der inneren Organe im Ruhezustand verantwortlich. Sein Gegenspieler, der Sympathikus, tritt in Aktion, wenn der Organismus unter starke Belastung (z.B. Stress) gerät. Örtlich befinden sich beide im Gehirn sowie im Rückenmark.

Parasympathikus und Sympathikus haben beim Sex zu verschiedenen Zeitpunkten ihren Einsatz. Der Parasympathikus wird aktiv, wenn die sexuelle Erregung beginnt – er bereitet die Geschlechtsorgane auf den Geschlechtsakt vor, beispielsweise durch gesteigerte Durchblutung – sie ist notwendig, damit eine Erektion zustande kommt. Mit steigender Erregung übernimmt der Sympathikus immer mehr die Oberhand. Er bewirkt eine Anstieg des Blutdrucks und der Atemfrequenz – und löst schließlich Orgasmus und Ejakulation aus. In der anschließenden Ruhephase übernimmt wieder der Parasympathikus das Kommando: Er sorgt dafür, dass der Körper in den „unaufgeregten“ Zustand vor dem Sex zurückfindet.

Während des gesamten Prozesses erhält der Penis des Mannes „Anweisungen“ von Gehirn und Rückenmark – also in der Anfangsphase in den erigierten Zustand wechseln (Parasympathikus), beim Orgasmus kontrahieren (Sympathikus) und anschließend wieder erschlaffen (Parasympathikus). Funktioniert diese Kommunikation zwischen Nervenzellen und Penis nicht einwandfrei, kann es zu einer Orgasmusstörung kommen. Das kann physische Ursachen (wie Nervenschädigungen z.B. durch Multiple Sklerose oder Verletzungen an der Wirbelsäule) oder – vermutlich weit häufiger – psychische Gründe (wie Depressionen) haben.

 

Der weibliche Orgasmus

Damit der weibliche Orgasmus zustande kommt, ist aus Sicht der Forscher vor allem eine anatomische Bedingung wichtig. Studienleiter Dr. Jason Siegel von der Mayo Clinic erklärt gegenüber der britischen „DailyMail“: „Wenn eine Frau versucht, einen vaginalen Orgasmus zu erreichen, scheint das erfolgreicher zu sein, wenn die vordere Wand der Vagina verstärkt stimuliert wird.“ Dazu eignen sich laut den Studienergebnissen Sexpositionen am besten, bei denen der Penis von vorne eindringt, also beispielsweise die Missionarsstellung. Die Forscher fanden sogar den genauen Eindringungswinkel heraus, bei dem die Vaginawand am besten stimuliert wird: Dieser liegt bei 30 bis 45 Grad.

Hamburg, 7. April 2016

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