Die große Kopfschmerz-Sprechstunde

Redaktion PraxisVITA

Es pocht an der Schläfe, drückt am Hinterkopf oder hämmert hinter der Stirn ... Kopfschmerzen sind ein echtes Volksleiden. Aber fast alle lassen sich heute gut behandeln!

 

Ich habe nur ab und zu Schmerzen. Kann ich sie ohne Tablette lindern?

Meist haben leichte Schmerzen harmlose Ursachen wie Verspannungen oder Stress und lassen sich gut sanft lindern – zum Beispiel durch Schläfenmassagen mit Pfefferminz-Öl. Auch Tee aus der Weidenrinde (Apotheke) hilft. Er enthält eine magenfreundliche Vorstufe des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure (ASS). Wissenschaftlich erwiesen ist die heilsame Wirkung von Akupunktur (vom Arzt verschreiben lassen).

 

Selbst bei starken Attacken nehme ich nichts ein. Ist das gut ?

Starke und häufig auftretende Spannungskopfschmerzen sowie Migräne sollten Sie keineswegs tapfer aussitzen. Lassen Sie die Ursache ärztlich abklären. Und reagieren Sie bei den ersten Anzeichen, damit die Schmerzen nicht chronisch werden. Nehmen Sie das Doppelte der im Beipackzettel empfohlenen Dosis – also 800 mg Ibuprofen, 1000 mg ASS oder 1000 mg Paracetamol. Faustregel für die Tagesdosis: nicht mehr als 40 mg pro Kilo Körpergewicht in 24 Stunden!

 

Hilft das Migränemittel auch bei anderen Kopfschmerzen?

Leider nicht. Denn Triptane, die Ärzte gegen starke Migräneattacken verschreiben, bekämpfen gezielt die typischen Entzündungsprozesse im Gehirn. Da diese bei anderen Kopfschmerzarten keine Rolle spielen, bleiben Triptane hier wirkungslos.

 

Ich habe das Gefühl, Tabletten wirken bei mir nicht. Woran liegt das?

Medikamente wirken nach etwa einer Stunde. Viele Menschen machen jedoch den Fehler, Tabletten auf vollen Magen und mit zu wenig Flüssigkeit einzunehmen – das verzögert den Wirkeintritt. Schlucken Sie die Tablette am besten eine halbe Stunde vor dem Essen mit mindestens 200 ml Wasser.

 

Was bekämpft am besten einen "Kater"?

Wenn Tablette, dann Ibuprofen oder Aspirin. Paracetamol ist tabu! Denn der Alkohol, mit dem der Körper beim Kater kämpft, und das Paracetamol werden in der Leber über das gleiche Enzym abgebaut – der Kater dauert also länger. Tipp: Wer weiß, dass er Feiern geht, sollte vorher Ölsardinen essen. Das Fischöl lässt den Alkoholpegel langsamer steigen.

 

Ich bekomme vom Fasten Kopfschmerzen. Was kann ich tun?

An den ersten drei Tagen einer Fastenkur sind Kopfschmerzen ganz normal und unbedenklich, weil die Konzentration von Abbauprodukten im Körper steigt. Schwemmen Sie diese aus, indem sie mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken. Bei Kaffeetrinkern tritt der Schmerz häufig auch als Entzugserscheinung auf. Reduzieren Sie Ihren Kaffeekonsum deshalb schrittweise schon einige Tage vor der Kur.

Mann nimmt Schmerztablette
Wer Kater-Kopfschmerzen hat, sollte nicht zu Paracetamol greifen, da dieses Schmerzmittel den Kater verlängern kann© Fotolia
 

Kann ich als Herzpatient Kopfschmerztabletten nehmen?

Vorsicht! Zwischen Schmerzmitteln und anderen Medikamenten kann es zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen. Die gleichzeitige Einnahme von Schmerz- und Blutgerinnungsmitteln – etwa nach einem Herzinfarkt – steigert die Gefahr einer Magen-Darm-Blutung. Insbesondere Acetylsalicylsäure ist dafür bekannt, dass es die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente abschwächen kann.

 

Bei meiner Migräne half bisher nichts. Was nun?

Studien zeigen, dass einige Antidepressiva effektive Schmerzstopper sind. Und in vielen Fällen hilft Migräne-Patienten auch eine sonst in der Anti-Falten-Behandlung angewandte Botox-Spritze.

 

Sollte ich mit Schmerzen immer zum Arzt gehen?

Das kann durchaus sinnvoll sein. Plötzlich und heftig auftretende Schmerzen können zum Beispiel auf ernsthafte Erkrankungen hindeuten – wie etwa entzündete oder verstopfte Gefäße, die zu einem Schlaganfall führen können. Auch bei Beschwerden, die länger als drei Tage andauern, mit Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder Schwindel einhergehen, sollten Sie die Symptome sicherheitshalber von Ihrem Hausarzt abklären lassen. Er überweist Sie im Zweifel an einen Spezialisten.

 

Gibt es wirklich Wetterfühligkeit?

Ja, Luftdruck- und Temperaturschwankungen lösen bei vielen Menschen Kopfschmerzen aus. Forscher vermuten eine Überempfindlichkeit spezieller Rezeptoren in der Halsschlagader. Tipp zur Vorbeugung: Kneipp'sche Anwendungen und Ausdauersport.

 

Auslöser, die selbst Ärzte oft nicht kennen

  • Auf einem herkömmlichen Kopfkissen (80 x 80 cm) können die Schultern nicht einsinken. Die Folge: schmerzhafte Verspannungen. Besser sind die Maße 40 x 80 cm.
  • Lassen Sie beim Augenarzt oder Optiker überprüfen, ob Ihre Brille noch die richtige Stärke hat. Sonst strengt das Sehen an – und führt zu Kopfschmerzen.
  • Auch Duftstoffe in Parfums oder Putzmitteln können eine Reizung auslösen.
  • Verzichten Sie mal einen Monat lang auf Rotwein, reifen Käse, Räucherfleisch und -fisch sowie Hefegebäck. Denn vielleicht reagieren Sie auf den darin enthaltenen Stoff Histamin. Dann hilft eine Ernährungsumstellung.
  • Schmerzmittel sollen die Beschwerden eigentlich lindern. Werden sie mehr als vier Tage in Folge oder häufiger als zehn Mal pro Monat eingenommen, können sie sie verschlimmern.
 

Schnelle Diagnose: Wo tut es weh?

  • Dumpfdrückend, tritt beidseitig auf: Das ist meist eine Folge von Stress und Verspannungen. Schnelle Hilfe: Schläfen mit Pfefferminzöl massieren, an der frischen Luft bewegen. Mittel: Acetylsalicylsäure, Ibuprofen (besser kein Paracetamol).
  • Einseitig und pulsierend mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit: Das ist typisch für Migräne. Bewegung führt eher zur Verschlechterung. Mittel: Triptane (einige muss der Arzt verschreiben).
  • Plötzlich, stechend, intensiv: Die Ursache dieser starken Anfall-Kopfschmerzen sind unbekannt. Mittel: Auch hier helfen Triptane, als Spray oder Spritze (Arzt).
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