Die erste Impfung

Dr. med. Nadine Heß

Ab der achten Lebenswoche ist sie möglich – die erste Impfung. Was beinhalten die drei von der STIKO (ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts) empfohlenen Impfungen? Und ist das Kind nicht noch zu klein dafür? Wie gut sind die Impfstoffe verträglich?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess ist Expertin für Impfungen
Expertin Dr. Hess: „Nach meiner Erfahrung werden die Impfungen gut vertragen. Manchmal sind die Kinder am Tag der Impfung etwas unruhiger als sonst. Nur selten kam es innerhalb der ersten 48 Stunden nach den Impfungen zu Fieber“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Impfungen sind ein vieldiskutiertes, emotionales Thema. Insbesondere, wenn es um die eigenen Kinder geht. Schließlich möchte man wirklich alles richtig machen, geschützt sollen sie sein, aber niemand möchte dem Kind mehr zumuten, als nötig und vertretbar.

 

Kinderärzte sind Impf-Experten

Spricht man das Thema im Freundes- und Bekanntenkreis an oder schaut im Internet – man bekommt von jedem eine andere Meinung. Wie soll man da noch zu einer Entscheidung kommen? Die Sorgen und Fragen sind mehr als verständlich. Helfen kann da nur eine gute Aufklärung durch den Kinderarzt. Wenden Sie sich also diesbezüglich vertrauensvoll an ihn – keiner hat so viel Erfahrung mit Impfungen wie Kinderärzte. Und er wird auch auf kritische Fragen eine Antwort haben, scheuen Sie sich also nicht, auch solche zu stellen.

 

Wie verträglich sind die Impfungen?

Die drei Impfungen, die ab der achten Lebenswoche anstehen, schützen vor acht Erkrankungen. Zwei der Impfungen werden in den Oberschenkel gespritzt (in jede Seite eine Spritze), die dritte Impfung ist eine Schluckimpfung. Das klingt viel, aber wird in der Regel gut vertragen. Selbst Frühgeborene werden ab der achten Woche nach ihrer Geburt geimpft, sind also dann noch viel kleiner und jünger als reifgeborene Kinder bei der ersten Impfung. Und auch die Frühchen vertragen die Impfungen gut. Viele Eltern möchten lieber erst nach einen halben Jahr die ersten Impfungen durchführen lassen, weil sie der Meinung sind, die Impfung belaste den Säugling zu sehr. Aber viele der Erkrankungen, gegen die die Impfungen schützen, wie zum Beispiel Keuchhusten, Hämophilus influenza B, Pneumokokken oder Rotaviren sind besonders für die Kleinsten gefährlich und darum macht es Sinn, sie so früh wie möglich davor zu schützen.

 

Wovor schützen die ersten Impfungen?

Impfung beim Baby - zwei Spritzen in die Oberschenkel und eine Schluckimpfung
Die drei Impfungen, die ab der achten Lebenswoche anstehen, schützen vor acht Erkrankungen. Zwei der Impfungen werden in den Oberschenkel gespritzt (in jede Seite eine Spritze), die dritte Impfung ist eine Schluckimpfung© Fotolia

Die Sechsfachimpfung schützt gegen Diphtherie, Tetanus (=Wundstarrkrampf), Poliomyelitis (=Kinderlähmung), Pertussis (=Keuchhusten), Hämophilus influenza B (Bakterium, was schwere Kehlkopfentzündungen mit Erstickungsgefahr auslösen kann) und Hepatitis B. Die zweite Impfung, die in den anderen Oberschenkel geimpft wird, ist gegen Pneumokokken, also Erreger von schweren bakteriellen Infekten, die insbesondere bei Kindern unter zwei Jahren tödlich verlaufen können. Pneumokokken können unter anderem zu fatalen Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen oder einer Sepsis (=Blutvergiftung) führen. Beide Impfungen, die Sechsfach- und die Pneumokokkenimpfung, müssen drei Mal im Abstand von vier Wochen und dann ein viertes Mal sechs Monate nach der dritten Impfung verabreicht werden. Nach der zweiten Impfung ist bereits von einem gewissen Schutz auszugehen. Die dritte Impfung betrifft die Rotaviren, Erreger von Magen-Darm-Infekten, die häufig bei Kindern unter zwei Jahren dazu führen, dass die Kinder aufgrund von Austrocknung durch das massive Erbrechen und den Durchfall ins Krankenhaus müssen und eine Infusionsbehandlung benötigen. Diese Impfung ist eine Schluckimpfung und muss zwei, bzw. drei Mal (je nach Impfstoff) im Abstand von je vier Wochen verabreicht werden. Ganz verhindern kann die Impfung die Erkrankung leider nicht, aber wenn ein Kind doch erkrankt, ist der Verlauf nicht so schwer, dass eine Krankenhausbehandlung notwendig wird.

 

Sind Nebenwirkungen der Impfung zu erwarten?

Nach meiner Erfahrung werden die Impfungen gut vertragen. Manchmal sind die Kinder am Tag der Impfung etwas unruhiger als sonst. Nur selten kam es innerhalb der ersten 48 Stunden nach den Impfungen zu Fieber um 38,5°C. Dann spricht nichts dagegen, ein Paracetamol-Zäpfchen in altersangepasster Dosierung (75mg) zu verabreichen. Die Rotavirusimpfung kann in einigen Fällen zu Bauchweh führen, ich habe das jedoch in meiner Praxis noch nicht erlebt. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass Rotavirenpartikel über circa sieben Tage (mit jeder Impfung weniger) mit dem Stuhl ausgeschieden werden können, so dass eine Ansteckung der Eltern (die ja das Kind wickeln) grundsätzlich möglich ist, auch wenn mir persönlich kein Fall bekannt ist. In den Tagen nach der Impfung  sollten Sie trotzdem besser doppelt gut auf anschließende Handhygiene achten.

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