Die echte Grippe – was Sie über Influenza wissen müssen

Dr. med. Nadine Heß

Influenza, oder allgemein „echte Grippe“ genannt, hat im Winter Hochsaison. Aber was unterscheidet die Influenza von einem grippalen Infekt? Wie gefährlich ist sie für Kinder? Und was bringt eine Grippeimpfung?

Nach 48 Stunden ist eine medikamentöse Behandlung mit Virustatika nicht mehr hilfreich
Expertin Dr. Hess: „Nach 48 Stunden ist eine medikamentöse Behandlung mit Virustatika bei einer Influenza nicht mehr hilfreich, dann kann nur noch symptomatisch behandelt werden, zum Beispiel mit schmerz- und fiebersenkenden Mitteln wie Ibuprofen oder Par © privat
 

Influenza – Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Plötzliches Fieber mit mehr als 38,5 Grad Celsius (selbst bei Erwachsenen manchmal mehr als 39 Grad) mit schwerem Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen, Halsschmerzen, teilweise Übelkeit, trockenem Reizhusten und klarem Fließschnupfen, wobei der Husten oft erst nach einigen Tagen hinzukommt. Eine schnelle Influenza-Diagnose, beispielsweise mithilfe eines Abstrichs beim Arzt, kann viel bringen. Denn innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn ist eine Behandlung mit einem Virustatikum wie Oseltamivir (Tamiflu®, 2xtäglich für 5 Tage) erfolgversprechend und die Krankheitsdauer kann so verkürzt werden. Bei Kindern ist dieses Medikament ab einem Jahr zur Therapie zugelassen. Nicht immer muss die Influenza mit chemisch-synthetischen Mitteln behandelt werden. Sollten bei Kindern jedoch Vorerkrankungen wie Asthma, Diabetes, Muskelerkrankungen, Immunschwäche, chronische neurologische Erkrankungen, Herz-, Leber- oder Nierenschwäche bestehen, raten Ärzte in der Regel zur Medikamententherapie. Bei Erwachsenen gilt gleiches, vor allem bei Patienten über 60 Jahren.

Aber: Nach 48 Stunden ist eine medikamentöse Behandlung mit Virustatika bei einer Influenza nicht mehr hilfreich, dann kann nur noch symptomatisch behandelt werden, zum Beispiel mit schmerz- und fiebersenkenden Mitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol.

 

Komplikationen im Rahmen einer Influenza

Mögliche Komplikationen bei einer Influenza sind bakterielle Superinfektionen, die am häufigsten bei Patienten mit Vorerkrankungen zu erwarten sind. Auch Schwangere sind eher gefährdet. Wie kommt es dazu? Sind die Schleimhäute und die Abwehr durch das Virus erstmal geschwächt, ist der Weg für weitere „Eindringlinge“ leichter. Am häufigsten sind Lungenentzündungen, bakterielle Mittelohrentzündungen und am gefährlichsten sicherlich eine durch das Virus ausgelöste Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Insbesondere die Myokarditis kann auch noch eine Zeit lang nach der Influenza auftreten,  darum sollte bei nachgewiesener Infektion für vier Wochen auf Sport verzichtet werden, um das Herz nicht unnötig zu belasten. Hinweise für Komplikationen im Rahmen einer Influenza sind anhaltendes, hohes Fieber über drei Tage oder mehr, Luftnot, Kurzatmigkeit, schnelle Atmung, blaue Lippen, blutiger Auswurf, Brustschmerzen, Benommenheit, Verwirrtheit oder sehr ausgeprägte allgemeine Schwäche, stark konzentrierter Urin oder kaum noch Urinausscheidung als Zeichen der Austrocknung (siehe Hinweise des Robert Koch-Instituts zu Influenza; www.rki.de)

 

Wie können Sie Ihre Familie vor einer Influenza schützen, wenn jemand erkrankt ist?

Eine vorsorgliche Behandlung mit einem Virustatikum wie Oseltamivir kann die Infektion weiterer Familienmitglieder mit einer Influenza verhindern. Grundsätzlich wird eine prophylaktische Gabe dieses Medikaments (1xtäglich über 10 Tage) aber nur empfohlen, wenn chronische Vorerkrankungen vorliegen. Ungefähr fünf Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome ist die Ansteckungsgefahr für das Umfeld dann vorüber und dem Patienten geht es, sofern keine Komplikationen vorliegen, meist besser.

Fieber mit mehr al 38,5 Grad Celsius
Plötzliches Fieber mit mehr als 38,5 Grad Celsius, klarer Fließschnupfen und ein allgemeines Krankheitsgefühl sind Zeichen für eine Influenza-Infektion© Fotolia
 

Wie gut schützen Impfungen vor einer Influenza?

Empfohlen wird die Impfung – vorzugsweise im Oktober oder November – für Schwangere, Personen über 60 Jahren, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem chronischen Grundleiden, Personen mit erhöhter Gefährdung (z. B. medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr) und Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln, da diese Tiere Influenzaviren verbreiten können.

Für Kinder existiert übrigens seit der Wintersaison 2012/13 ein Grippeimpfstoff, der wie ein Nasenspray verabreicht wird – der unangenehme Piecks ist also abgeschafft und die Wirksamkeit der Impfung ist mindestens genauso gut.

Grippeviren verändern sich in jeder Wintersaison, daher muss die Grippeschutzimpfung auch jedes Jahr wieder aufgefrischt werden.

Was ist Influenza? Die „echte Grippe“ oder auch Influenza genannt, wird durch Viren der Orthomyxogruppe ausgelöst, man unterscheidet die Typen A, B und C, wobei für den Menschen nur A und B von Belang sind. Die Influenza ist nicht gleichzusetzen mit einem grippalen Infekt, wie wir ihn alle hin- und wieder durchmachen. Die Erkrankung ist aber ernsthafter, komplikationsträchtiger und die Patienten haben ausgeprägtere Symptome, als bei einem banalen, wenn auch unangenehmen, grippalen Infekt. Die Infektion mit Influenzaviren erfolgt als Tröpfcheninfektion, nach der Ansteckung dauert es 1-3 (bis max. fünf Tage) bis es zu den ersten Erkrankungszeichen kommt.
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