Die Diät schlägt einfach nicht an? Schuld ist vermutlich Ihr Mikrobiom

Phyllis Kuhn
Darmbakterien
Wie stark prägt unsere Ernährungsweise die Darmflora? © Fotolia

US-Forscher haben eine Erklärung dafür gefunden, warum bei manchen Menschen Diäten einfach nicht wirken wollen. Der Fehler liegt leider trotzdem meist bei einem selbst...

Sie essen seit Wochen nur noch Salat und gehen mehrmals die Woche zum Sport? Auch Alkohol ist schon lange gestrichen und alle Süßigkeiten sind verbannt? Eigentlich müssten die Fettpolster längst geschrumpft sein – aber warum passiert dann einfach nichts? Schuld daran sind vermutlich die Bakterien in Ihrem Darm. Das sogenannte Mikrobiom des Darms ist eine Ansammlung von Milliarden nützlicher Bakterien, die uns bei der Verdauung helfen und vor Krankheitserregern schützen können. Neuere Forschungen deuten daraufhin, dass die Bakterien in unserem Darm sogar unsere Emotionen und Stressanfälligkeit beeinflussen können.

 

Kalorienarme und pflanzliche Ernährung fördert das Mikrobiom

Allerdings ist das Mikrobiom auch eine fragile Angelegenheit. Die falsche Ernährung, Medikamente (vor allem Antibiotika) oder Erkrankungen können unsere Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen. Dann kann der Anteil nützlicher Bakterien sinken und das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöht sich. Dazu gehört auch Fettleibigkeit. Wer bereits Übergewicht hat und wieder abnehmen möchte, dem könnte also sein Mikrobiom einen Strich durch die Rechnung machen. Dieses Phänomen hat jetzt ein Forscherteam aus den USA untersucht. Die Wissenschaftler um Jeffrey Gordon, Direktor des Center for Genome Sciences and Systems Biology an der Washington University in St. Louis verglichen für ihre Untersuchung das Mikrobiom zweier Probanden-Gruppen. Die erste Gruppe bestand aus Teilnehmern, die kalorienarme und hauptsächlich pflanzliche Kost zu sich nahmen, die zweite aus Probanden, die sich typisch amerikanisch, also zuckerreich und mit viel Fleisch ernährten. Die Analyse von Stuhlproben ergab, dass diejenigen, die kalorienarm und pflanzlich aßen, eine größere Vielfalt an nützlichen Mikroben im Darm hatten.

 

Kalorienarme Diät schlägt zuerst nicht an

Im nächsten Schritt übertrugen die Forscher die beiden unterschiedlichen Gruppen von Darmbakterien auf Mäuse, deren Darm noch bakterienfrei war. Die Mäuse mit dem Mikrobiom der amerikanischen Ernährungsweise erhielten daraufhin kalorienarmes, pflanzliches Futter. Mäuse, deren neues Mikrobiom ursprünglich von den eher kalorienarm lebenden Teilnehmern stammte, erhielten zuckerreiche und hochkalorische Nahrung. Beide Mäusegruppen reagierten sichtbar auf das für ihre Darmflora ungewohnte Futter. Bei den Mäusen, die nun kalorienarme Nahrung erhielten, setzte allerdings kaum ein Gewichtsverlust ein.

Erst als die beiden Mäusegruppen zusammengebracht wurden und sich durch das gemeinsame Essen und Zusammenleben die beiden Mikrobiom-Typen anglichen, sprachen die Nager mit dem „amerikanischen“ Mikrobiom auf die pflanzliche Kost an und verloren an Gewicht.

 

Durch Ernährungsweise geprägtes Mikrobiom verhindert Diät-Erfolg

Was war geschehen? Das durch jahrelange schlechte Ernährung geprägte Mikrobiom der Mäuse mit der „amerikanischen“ Darmflora verhinderte sämtliche positive Effekte der kalorienarmen Nahrung. Ob es das Mikrobiom der zweiten Mäusegruppe war oder ob es einfach eine Weile dauert, bis sich die Bakterien im Darm an die neuen Nahrungsgewohnheiten anpassen, kann durch die Studie nicht abschließend beantwortet werden. Die Wissenschaftler sind aber zuversichtlich, bald mehr über den Einfluss unserer Ernährungsgewohnheiten auf unsere Darmbakterien zu wissen. „Unser Verständnis dafür, wie Nährwerte und der Erfolg einer Diät vom Mikrobiom unseres Darms beeinflusst werden, wächst immer mehr“, so Gordon. „Wir hoffen, dass die Identifikation einzelner Mikroben, wie wir sie in unserer Studie angewandt haben, eines Tages für Probiotika (Bakterienstämme die, die Darmflora verbessern) einer neuen Generation genutzt werden können“.

 

Nahrung, die unserer Darmflora guttut

Wer die Vielfalt der nützlichen Bakterien in seinem Darm fördern will, sollte am besten fettarm und vorwiegend pflanzlich essen. Wegen seiner Laktobazillen ist Sauerkraut ein Lebensmittel, das unserer Darmflora besonders gut tut. Aber auch tierische Lebensmittel wie Buttermilch und Jogurt haben einen probiotischen Effekt.

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