Wenn die Hände einschlafen Die besten Hilfen gegen den Dauerschmerz in der Hand

Schmerzen im Handgelenk durch eingeklemmten Nerv
Wenn sich die Hand taub anfühlt oder der Mittelfinger kribbelt, kann ein eingeklemmter Nerv die Ursache sein © Fotolia

Wenn nachts die Hände einschlafen, kann das ein Warnsignal sein. Ursache: ein eingeklemmter Nerv. Praxisvita erklärt Ihnen die schleichende Krankheit und nennt wirksame Therapien.

Plötzlich konnte sie ihre Hand nicht mehr bewegen. ,,Beim Autofahren konnte ich das Lenkrad nicht richtig halten, die linke Hand fühlte sich oft taub an. Ich konnte meine Strickweste nicht zuknöpfen, die Hand hatte keine Kraft", erinnert sich Anke Berndorf*. ,,Ich dachte erst, das wäre etwas Schlimmes." Der Orthopäde machte Tests, dann war klar: Karpaltunnel-Syndrom.

 

Über sechs Millionen Karpaltunnel-Syndrom-Betroffene

,,Die Erkrankung ist weit verbreitet", weiß Dr. Thomas Schneider, Orthopäde mit Praxis und Gelenkklinik in Gundelfingen bei Freiburg. ,,Häufig tritt sie in einem Alter von 40 bis 70 Jahren auf. Rund zehn Prozent der Deutschen über 40 sind betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer." Auslöser: Diabetes, Wechseljahre, Gewichtszunahme, schwere körperliche Arbeit, Rheuma.

 

Die Ursache: Ein eingeklemmter Nerv

Die Ursache für die einschlafenden Hände ist ein entzündeter und eingeklemmter Nerv. ,,Der sogenannte Mittelnerv, der Medianusnerv, zieht sich vom Unterarm über das Handgelenk bis zu den Fingerspitzen", erläutert Dr. Schneider. ,,Er ist so dick wie eine Kugelschreibermine. Im Bereich der Handwurzelknochen verläuft der Nerv in einer Art Bahn, dem Karpaltunnel." Hier kann's eng werden. Etwa nach einem Bruch oder wenn sich vermehrt Flüssigkeit einlagert, beispielsweise durch Hormonveränderungen in den Wechseljahren.

 

Bei einem eingeklemmten Nerv kann man nicht mehr greifen

Ist der Nerv eingeklemmt, kommt es zu Empfindungsstörungen. Folge: Die Kuppe des Mittelfingers kribbelt (Ameisenlaufen), Hände und Finger schlafen ein, fühlen sich taub an, es tut weh. Unbehandelt kann die Erkrankung Jahre später zum Muskelschwund im Daumenballen führen. Man kann nicht mehr richtig zugreifen, hat Probleme zu schreiben. Das Feingefühl von Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger nimmt ab. Trotzdem: Viele haben zunächst nur selten oder geringe Beschwerden.

 

Wenn das Handgelenk wehtut, zum Neurologen

Verschwinden die Beschwerden nach drei Tagen nicht, sollten Sie zum Arzt. Der kann im Röntgenbild sehen, ob ein Knochen auf den Nerv drückt. Schmerzt es, wenn man aufs Handgelenk (den Karpaltunnel) drückt, ist das ein sicheres Zeichen. ,,Wir messen außerdem die Nervenleitgeschwindigkeit. Ein schmerzloser Test", sagt Dr. Schneider. ,,So erkennen wir, wie schnell der Nerv Impulse weitergibt, wie stark die Schädigung ist."

 

Bei Karpaltunnel-Syndrom hilft schnelle Therapie mit Schienen

Ein Karpaltunnel-Syndrom muss nicht gleich operiert werden. Oft helfen Stützverbände und Schienen (Orthesen), die über das Handgelenk getragen werden. ,,Weil nachts Beschwerden auftreten, sollte man sie gerade dann tragen", rät Schneider. Unterstützend helfen Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente. Kortison-Spritzen in den Karpaltunnel lindern bei manchen kurzfristig die Beschwerden.

 

Operation des Karpaltunnel-Syndroms als Notlösung

Der Arzt muss operieren, wenn die Schmerzen nicht gelindert werden können oder die Gefahr besteht, dass Nervenschäden drohen. ,,Das sollte ein erfahrener Operateur machen", so Schneiders Tipp. Bei der OP wird ein Band über dem Karpaltunnel gelockert und so die enge Stelle geweitet. Ärzte können in einer Mini-OP über einen ein Zentimeter langen Schnitt in der Handfläche operieren. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden. Nach etwa drei Wochen ist die Hand für die meisten Tätigkeiten wieder einsetzbar.

 

Karpaltunnel-Syndrom vorbeugen: Belastung vermeiden

,,Vermeiden Sie falsche Haltung und eine starke Belastung von Hand und Handgelenk", rät Experte Schneider. ,,Wenn man beispielsweise viel am Computer sitzt und mit einer PC-Maus arbeitet, riskiert man eine Schwellung und Entzündung des Gewebes um die Sehnen und Muskeln der Hand herum."

*Name von der Redaktion geändert

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