Die Anti-Falten-Lüge

Eine Frau cremt sich ihr Gesicht ein
Antifaltencremes können den natürlichen Alterungsprozess der Haut nicht aufhalten, zeigt ein aktueller Produkttest von Stiftung Warentest © Fotolia

Keine Antifaltencreme hält, was sie verspricht – so das Testurteil von Stiftung Warentest. Die Experten prüften Cremes zu Preisen zwischen 2,45 Euro und 87 Euro.

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Stiftung Warentest glaubt jede zweite Frau, Antifaltencremes könnten Falten im Gesicht sichtbar verringern. Doch die Realität sieht anders aus: Ob günstig oder teuer, ob Marken- oder Drogerieprodukt – keine Creme kann Falten wegzaubern. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest bei ihrer Prüfung von Antifaltencremes.

Für den Test cremten sich 270 Frauen vier Wochen lang morgens und abends das Gesicht ein. Auf eine Gesichtshälfte trugen sie ein Testprodukt auf, auf die andere eine Feuchtigkeitscreme. Vor und nach Testbeginn wurden die Gesichter der Frauen fotografiert und die Bilder wurden Experten vorgelegt. Diese sollten beurteilen, welche Gesichtshälfte mit welcher Creme behandelt wurde und wann welches Foto entstanden war – vor oder nach der Behandlung mit der Antifaltencreme. Das Ergebnis: Beides war den Experten nicht möglich. Nach vier Wochen waren bei den Testerinnen der Cremes keine sichtbaren Verbesserungen von Fältchen oder Falten eingetreten.

 

Wie kommen Anbieter zu ihren Versprechen?

Anbieter solcher Schönheitsprodukte rechtfertigen ihre Werbeversprechen ebenfalls mit Studien – allerdings werden diese anders durchgeführt, beispielsweise mit einem dreidimensionalen Verfahren. Die Haut wird dabei fotografiert und kleinste Veränderungen der Hautoberfläche gemessen. Dabei lassen sich auch Unterschiede in Bruchteilen von Millimetern feststellen – mit dem bloßen Auge sind solche Veränderungen allerdings nicht sichtbar.

Eine andere Methode von Herstellern ist die Befragung von Anwenderinnen. Dass die meist bessere Ergebnisse erzielt, als die Beurteilung durch Experten, zeigt ein Experiment der Stiftung Warentest: Gefragt nach den Ergebnissen ihrer Gesichtspflege stuften einige Probandinnen den Zustand ihrer Haut als durch die Behandlung verbessert ein – obwohl die Experten zu einem anderen Ergebnis kamen. Eine solche Selbstwahrnehmung ist laut den Stiftung-Warentest-Mitarbeitern eine Art Placebo-Effekt. „Wer sich regelmäßig pflegt, sieht ein Stück weit wohl das, was er sehen will“, heißt es in dem Testbericht.

Abschließend muss festgehalten werden, dass weder Langzeit-Effekte noch klinische Anti-Falten-Cremes mit Vitamin A in der Untersuchung berücksichtigt wurden.

Hamburg, 22. Dezember 2015

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