Die Anämie-Ursachen sind vielfältig

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Die roten Blutkörperchen entstehen aus Stammzellen im Rückenmark, die sich unter dem Einfluss verschiedener Hormone und Signalstoffe über mehrere Arten von Vorläuferzellen zu den reifen Erythrozyten entwickeln. Diese gelangen ins Blut, wo sie für den Sauerstofftransport von der Lunge zu den verschiedenen Organen und Geweben verantwortlich sind. Die durchschnittliche Lebensdauer eines roten Blutkörperchens beträgt 120 Tage. Die gealterten Erythrozyten werden in der Milz aus dem Blutkreislauf entfernt und abgebaut, während das Knochenmark die fehlenden Zellen durch neue ersetzt. Ist dieser komplizierte Ablauf gestört, kommt es durch eine verringerten Produktion oder einen verstärkten Verlust von Erythrozyten zu einer Anämie. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein.

 

Manche Anämien haben ihre Ursache in einer verringerten Produktion von roten Blutkörperchen

  • Eisenmangelanämie: Eine ausreichende Versorgung mit Eisen ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass unser Körper genug Hämoglobin produzieren kann. Das Hämoglobin ist wiederum für die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark unerlässlich. Obwohl der Körper beim Abbau der roten Blutkörperchen einen großen Teil des im Hämoglobin enthaltenen Eisens zurückgewinnt, geht ihm täglich eine kleine Menge an Eisen verloren. Solche Verluste gleicht der Körper normalerweise durch das in der Nahrung enthaltene Eisen aus. Zu einem Eisenmangel kommt es dann, wenn Menschen dem Körper über die Nahrung zu wenig Eisen zuführen oder wenn der Darm das Eisen nicht ausreichend aufnimmt. Eine weitere Anämie-Ursache sind stärkere oder wiederholte Blutverluste. Deshalb sind vor allem Frauen im gebärfähigen Alter von einer Eisenmangelanämie betroffen, die aufgrund ihrer Periode regelmäßig Blut verlieren. Aber auch bei Tumoren im Darm oder bei Magengeschwüren kommt es oft  zu einer Eisenmangelanämie.
  • Vitamin-B12- oder Folsäuremangel-Anämie: Da die Lebensdauer von roten Blutkörperchen mit 120 Tagen relativ kurz ist, muss das Knochenmark den Körper ständig mit neuen Erythrozyten versorgen. Das setzt voraus, dass sich die blutbildenden Zellen im Knochenmark ausreichend vermehren können. Vitamin B12 und Folsäure sind für die Zellteilung unerlässlich. Ohne diese Stoffe können sich die Zellen unseres Körpers nicht teilen und es entstehen zu wenig neue Erythrozyten. Vitamin B12 benötigt der Körper außerdem für die Herstellung des Hämoglobins, das wiederum für die Bildung der Erythrozyten erforderlich ist.
  • Die perniziöse Anämie ist ein Sonderfall, weil der Vitamin B12-Mangel hier infolge einer Autoimmunerkrankung entsteht, bei der das Immunsystem die Magenschleimhaut angreift. Die Magenschleimhaut bildet unter normalen Umständen einen Botenstoff, den sogenannten Intrinsic Factor, ohne den der Darm das Vitamin B12 in der Nahrung nicht aufnehmen kann. Fehlt der Intrinsic Factor aufgrund einer Schädigung der Magenschleimhaut, kommt es auch bei Menschen, die über die Nahrung genug Vitamin B12 aufnehmen, zu einem Vitamin-B12-Mangel und einer Mangelanämie.
  • Renale Anämie: Die Ursache dieser Anämie ist ein Mangel an Erythropoetin, einem Botenstoff, den die Nieren bilden und der im Knochenmark die Bildung der roten Blutkörperchen anregt. Bei Menschen, die an einer Nierenerkrankung leiden, schüttet die Niere oft zu wenig Erythropoetin aus, sodass nicht genügend Erythrozyten entstehen. Außerdem ist die Lebensdauer der Erythrozyten bei vielen Nierenerkrankungen verkürzt. Durch die Dialyse („Blutwäsche“), der sich viele Betroffene unterziehen müssen, gehen dem Körper zusätzlich Eisen und Folsäure verloren – und damit zwei Stoffe, die für eine ausreichende Blutbildung wichtig sind.
  • Anämien durch Entzündungen und Tumoren: Chronische entzündliche Erkrankungen und Tumoren gehören ebenfalls zu den häufigen Anämie-Ursachen. Infolge der Erkrankung setzt der Körper Botenstoffe frei, welche die Eisenaufnahme im Darm hemmen und die Verwertung des Eisens für die Hämoglobin-Herstellung behindern. Außerdem sprechen die Zellen im Knochenmark schlechter auf den Botenstoff Erythropoetin an, der die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark anregt.
  • Thalassämie: Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin besteht aus vier Untereinheiten, den sogenannten Globinketten. Die Thalassämie ist eine erblich bedingte Störung, bei der die Bildung bestimmter Globinketten vermindert oder ganz blockiert ist. Die Anämie-Ursache ist in diesem Fall eine veränderte Zusammensetzung des roten Blutfarbstoffs, die sich auch auf die roten Blutkörperchen auswirkt. Diese entstehen in geringeren Mengen, sind kleiner als bei gesunden Menschen und haben eine verkürzte Lebensdauer. 
  • Aplastische Anämie: Bei dieser relativ seltenen Anämie ist das Knochenmark so stark geschädigt, dass es keine Blutzellen mehr bilden kann. Ärzte vermuten, dass das körpereigene Immunsystem fehlgesteuert ist und sich gegen die blutbildenden Stammzellen im Knochenmark richtet. Auch bestimmte Virusinfektionen, Medikamente oder Strahlung (zum Beispiel Röntgenstrahlung oder radioaktive Strahlung) gelten bei einer aplastischen Anämie als mögliche Ursachen.  
 

Manche Anämien haben ihre Ursache in einem erhöhten Verlust roter Blutkörperchen

Bei den hämolytischen Anämien ist die Ursache der Blutarmut eine verkürzte Überlebensdauer der roten Blutkörperchen. Es gibt viele verschiedene hämolytische Anämien, die sich in ihrer genauen Ursache unterscheiden. In allen Fällen kommt es aber zu einem vorzeitigen Abbau der roten Blutkörperchen in der Milz oder zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen. Der Körper versucht, den Verlust der roten Blutkörperchen durch eine verstärkte Neubildung im Knochenmark auszugleichen. Damit kann er einer Anämie in manchen Fällen entgegenwirken. Erfolgt aber der Abbau schneller als die Neubildung, entsteht eine Blutarmut.

 

Hämolytische Anämien haben verschiedene Ursachen

  • Durch einen fehlerhaften Aufbau der Zellmembran, welche die roten Blutkörperchen nach außen abschließt, verändert sich die Form der Zellen. Die Milz erkennt die fehlerhaften Erythrozyten und baut sie vorzeitig ab.
  • Enzym-Defekte lösen Störungen des Erythrozyten-Stoffwechsels aus, wodurch Schäden an der Zelle entstehen. Infolgedessen zerfallen die roten Blutkörperchen oder werden in der Milz verstärkt abgebaut.
  • Durch einen veränderten Aufbau des Hämoglobins sind die roten Blutkörperchen instabil und zerfallen leicht (zum Beispiel bei der Sichelzellanämie oder auch der Thalassämie).
  • Das Immunsystem richtet sich aus ungeklärten Gründen gegen den eigenen Körper und zerstört die Erythrozyten oder die Stammzellen im Rückenmark, aus denen die roten Blutkörperchen entstehen (Autoimmunerkrankung).
  • Manche Krankheitserreger beschädigen die roten Blutkörperchen. Der Malariaerreger vermehrt sich zum Beispiel innerhalb der Erythrozyten. Wenn seine Entwicklung abgeschlossen ist, platzen die Erythrozyten und setzen den Krankheitserreger frei.
  • Physikalische oder chemische Reize und bestimmte Medikamente rufen bei manchen Menschen Schäden an den roten Blutkörperchen hervor. Hierzu gehören zum Beispiel Kälte, Hitze, bestimmte Schlangengifte, Blei, Arsen, Kupfer oder Penizillin.

Neben den hämolytischen Anämien zählen auch starke Blutungen zu den wichtigsten Anämie-Ursachen. Jede Blutung, die der Körper nicht durch eine verstärkte Produktion von roten Blutkörperchen ausgleichen kann, führt zu einer Blutarmut. Dabei können sowohl einmalige, große Blutverluste eine Anämie auslösen, aber auch kleinere, dauerhafte Blutverluste.

 

Blutungen, die zur Anämie führen, haben verschiedene Ursachen

  • verstärkte Menstruationsblutung bei Frauen
  • Hämorrhoiden
  • Tumoren oder Geschwüre des Magen-Darm-Trakts
  • Entzündungen der Schleimhäute des Verdauungstrakts
  • schwere Verletzungen
  • Geburten
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