Die 3 neuen Anti-Aging-Wunder

Verena Elson Medizinredakteurin

Diese drei Nährstoffe kannten wir noch nicht – dabei helfen sie uns, bis ins hohe Alter gesund zu bleiben. Ein US-Biologe stellt sie in seiner aktuellen Forschungsarbeit vor.

Shiitake
Die in Pilzen enthaltene Aminosäure Ergothionein schützt die Zellen vor altersbedingter Degeneration Foto:  istock/merc67
Inhalt
  1. Neu entdecktes Pilzvitamin: Ergothionein
  2. Pyrrolochinolinchinon: Neues B-Vitamin?
  3. Queuin – Ausgangsstoff für Botenstoffe
  4. Auch Carotinoide halten uns jung

Als Vitamine werden Stoffe bezeichnet, die der Körper für einen funktionierenden Stoffwechsel benötigt, in der Regel aber nicht selbst herstellen kann – daher müssen sie über die Nahrung aufgenommen werden. Ein Mangel an bestimmten Vitaminen kann schwere Krankheiten auslösen und mitunter lebensbedrohlich werden.

Darüber hinaus haben Vitamine Einfluss darauf, wie der Körper altert – darauf weist der renommierte US-Biologe Bruce Ames in einer aktuellen Veröffentlichung hin. Demnach helfen die von ihm als „longevity vitamins“ (Langlebigkeits-Vitamine) bezeichneten Nährstoffe dabei, bei guter Gesundheit ein hohes Alter zu erreichen. Umgekehrt bedeutet ein Mangel an diesen Stoffen ein beschleunigtes Altern und ein erhöhtes Risiko altersbedingter Erkrankungen.

Zu diesen Anti-Aging-Wundern gehören neben „Klassikern“ wie Vitamin D, Magnesium, Selen und den Omega-3-Fettsäuren laut Ames zehn weitere Stoffe – drei davon neue Entdeckungen, die als Nährstoffe noch relativ unbekannt sind.

 

Neu entdecktes Pilzvitamin: Ergothionein

Die Aminosäure Ergothionein zählt zu den sogenannten Antioxidantien und schützt die Zellen vor altersbedingter Degeneration. Ein spezieller „Transporter“ befördert den Stoff durch die Zellmembran bis in die Mitochondrien, die „Kraftwerke“ der Zellen. Zudem scheint der Nährstoff Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Laut Ames lässt sich im Körper von alten Menschen (über 80) und solchen mit kognitiven Beeinträchtigungen weniger Ergothionein nachweisen als bei jungen und gesunden Menschen. Mediziner ziehen seit Längerem in Betracht, Ergothionein als Vitamin einzustufen.

Der beste Ergothionein-Lieferant sind Pilze, die den Stoff selbst produzieren. Als besonders reich an Ergothionein gelten Kräuterseitlinge, Austernpilze und Shiitake. Champignons enthalten auch Ergothionein, allerdings weniger als die oben aufgeführten Pilzarten. Der Ergothionein-Gehalt von braunen Champignons ist höher als der von weißen.

 

Pyrrolochinolinchinon: Neues B-Vitamin?

Hinter dem nahezu unaussprechlichen Namen Pyrrolochinolinchinon (PQQ) steckt ein Stoff, der ebenfalls zellschützend wirkt. PQQ, das von Bakterien produziert wird, beugt „Altersschwäche“ bei den Mitochondrien vor – unter Wissenschaftlern wird diskutiert, ihn als neues B-Vitamin einzustufen. Die Antioxidantien sind in Kapselform erhältlich, sind aber auch in einigen Lebensmitteln enthalten. Große Mengen PQQ stecken in fermentierten Sojabohnen – andere PQQ-Lieferanten sind etwa grünes Gemüse, Milch und Buttermilch.

 

Queuin – Ausgangsstoff für Botenstoffe

Die chemische Verbindung Queuin wird ebenfalls von Bakterien hergestellt. Im menschlichen Körper spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Synthese verschiedener Stoffe wie dem „Glückshormon“ Serotonin und der Aminosäure Tyrosin, die wiederum Ausgangsstoff unterschiedlicher Hormone wie etwa Adrenalin ist.

 

Auch Carotinoide halten uns jung

Zudem klassifiziert Ames sieben Carotinoide als „longevity vitamins“ – die meisten dieser Pflanzenfarbstoffe sind bereits weit bekannt und als wichtiger Bestandteil der Ernährung unumstritten. Dazu gehören etwa Lutein (enthalten in Spinat, Grünkohl, Einkorn und Dinkel), Beta-Carotinoid (entahlten in roter Paprika, Kürbis, Süßkartoffeln, roter Bete und Karotten) und Lycopin (enthalten in Tomaten).

Wie viel muss ich von all diesen Stoffen zu mir nehmen, um bis ins hohe Alter gesund zu bleiben? Für solche Mengenangaben ist es noch zu früh, betont Ames. Dazu müssten gesondert Studien durchgeführt werden, die verschiedene Verzehrsmengen und ihre Auswirkung auf die Gesundheit vergleichen. Ein hoher Gemüse-Anteil in der Ernährung ist jedoch in jedem Fall ratsam – damit lässt sich das Risiko für viele lebensbedrohliche Erkrankungen deutlich verringern. Laut einer 2017 veröffentlichten Studie senken 800 Gramm Obst und Gemüse täglich das Krebsrisiko um 13 Prozent, die Wahrscheinlichkeit einer Herzkreislauferkrankung um 28 und die eines Schlaganfalls um 33 Prozent und das Risiko für einen frühzeitigen Tod um 31 Prozent.

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