Die 10 wichtigsten Fragen zum hungrigen Gehirn

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Stoffwechsel
  3. 3. Gefühle
  4. 4. Interview
  5. 5. Die wichtigsten Fragen
  6. 6. Rezepte

Worin besteht der Unterschied zwischen einer Hungersnot und einer Diät? Warum essen dicke Menschen immer weiter, obwohl ihr Körper genug Energie gespeichert hat? Und was bedeutet es, wenn wir nachts aufwachen und hungrig sind? PraxisVITA klärt auf!

1. Worin besteht der Unterschied zwischen einer Hungersnot und einer Diät?
Aus der Perspektive des Gehirns gibt es keinen Unterschied: Jede Nahrungsverknappung wird als Energiekrise begriffen. Das gilt für eine Hungersnot genauso wie für ein freiwilliges Abnehm-Programm. Das Gehirn leitet in beiden Fällen die gleichen Maßnahmen ein: Es aktiviert das Stresssystem, um die Nahrungssuche zu forcieren.

2. Warum lassen Diäten unsere Haut schneller altern?
Bei jeder Kalorienreduzierung droht eine Energieunterversorgung des Gehirns. Um diese Krise abzuwenden, aktiviert das Gehirn das Stresssystem und erhöht den Cortisolpegel. So lange sich das Stresssystem im Alarmzustand befindet, bleibt das Cortisol im Körper erhöht – mit erheblichen Nebenwirkungen: Cortisol baut das Fettgewebe um – Fett wird beispielsweise aus dem Gesicht abgezogen und im Bauchfett angelagert. Außerdem beschleunigt Cortisol die Alterung von Haut-, Binde- und Knochengewebe.

3. Warum essen dicke Menschen immer weiter, obwohl ihr Körper genug Energie gespeichert hat?
Im Normalfall zieht das Gehirn seine Energie aus den Körperdepots (Fett, Muskeln). Ist diese Fähigkeit (Brain-Pull) gestört, gelingt das dem Gehirn immer seltener. Es ist also auf die Energie angewiesen, die nach dem Essen als Glucose im Blut zirkuliert. Folge: Das Gehirn verlangt nach immer mehr Nahrung. Übergewichtige Menschen leiden unter Energiemangel, obwohl die Körperspeicher randvoll sind – offenbar hat das Gehirn den Schlüssel verloren, mit dem sich die Speicher öffnen lassen.

4. Wie ist es zu erklären, dass bei einer Schlankheitskur alle inneren Organe abnehmen – nur das Gehirn nicht?
Forscher haben nachgewiesen, dass bei einer Diät auch alle inneren Organe wie Herz, Leber und Nieren dünner werden – mit Ausnahme des Gehirns. Der Grund: Es versorgt sich selbst zuerst. Im Gegensatz zu den anderen Organen würde beim Gehirn ein Schrumpfungsprozess irreversible Schäden nach sich ziehen.

Herz und Leber
Wissenschaftler konnten beweisen, dass bei einer Diät auch alle inneren Organe wie Herz, Leber und Nieren dünner werden – mit Ausnahme des Gehirns© istock

5. Wenig Essen = weniger Lust auf Sex?
Diäten, also Energiemangel, gehen nicht spurlos am Gehirn vorüber. Es gelingt ihm zwar, gerade noch so viel Energie abzuzweigen, dass es nicht existenziell bedroht ist. Aber: Es nimmt Einsparungen vor. Es fährt alle Systeme runter, die nicht überlebenswichtig sind: Die Konzentration nimmt ab, man wird müder. Und: Diäten führen aus diesem Grund auch zu Libido-Verlust.

6. Was geschieht mit meinem Stresssystem, wenn ich eine Diät mache?
Das Stresssystem wird immer dann vom Gehirn aktiviert, wenn eine Energiekrise droht – also auch bei einer Diät. Während einer Diät kann das Stresssystem deshalb nicht in seine Ruhelage zurück – und das bedeutet, dass die Werte des Stressdämpfungshormons Cortisol in diesem Zeitraum ständig erhöht sind. Was wiederum Folgen hat: Zu viel Cortisol lässt das Körpergewebe altern und führt zu starken Stimmungsschwankungenbis hin zur Depression. Übrigens: Gehirn und Stresssystem können sich an den Zustand der Diät nicht gewöhnen. Das ist physiologisch unmöglich, weil der tatsächliche Energiebedarf des Gehirns nicht zu verändern ist. Mal ganz praktisch formuliert: Man kann den Verbrauch eines Autos nicht dadurch senken, dass man weniger tankt.

7. Gibt es einen Blutwert, der verrät, ob wir in naher Zukunft dick werden?
Schlanke Menschen, deren Insulinwerte erhöht sind, haben ein nahezu 100-prozentiges Risiko, in den kommenden Jahren übergewichtig zu werden. Insulin ist das Hormon, durch das Energie im Körper gespeichert wird. Erhöhte Insulinwerte sind ein früher Hinweis auf eine Brain-Pull-Störung.

8. Was bedeutet es, wenn wir nachts aufwachen und hungrig sind?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt eine Brain-Pull-Störung vor. Normalerweise ist während der Nachtruhe der Energiebedarf des Gehirns um bis zu 40 Prozent reduziert. Deswegen haben wir für gewöhnlich keinen Hunger, wenn wir schlafen. Wachen wir dennoch mit dem dringenden Wunsch nach Kalorien auf, ist die nächtliche Energieversorgung des Gehirns aus den Körperreserven offenbar unzureichend.

Mitternachtssnack
Wachen wir nachts mit dem dringenden Wunsch nach Kalorien auf, ist die nächtliche Energieversorgung des Gehirns aus den Körperreserven unzureichend© istock

9. Ist Übergewicht wirklich eine Krankheit?
Wenn der Brain-Pull nicht mehr intakt ist, braucht das Gehirn einen Plan B, um genug Energie zu bekommen. Es stellt auf das Prinzip des Body-Pulls um: Die vom Gehirn benötigte Glucose wird nicht mehr primär aus den Körperdepots bezogen (Brain-Pull), sondern direkt aus dem durch eine Mahlzeit erhöhten Blutzucker. Diese Aktivierung des Body-Pulls ist also eine Lösungsstrategie des Gehirns, der drohenden Energiekrise entgegenzuwirken. Dass man dabei dicker wird, ist eine Nebenwirkung. Wird dieses Übergewicht mit einer Diät bekämpft, gerät das Gehirn in eine neue Energiekrise – die dramatische Folgen haben kann.

10. Entscheidet die Energieversorgung unseres Gehirns, ob wir erfolgreiche Sportler werden oder nicht?
Wie erfolgreich jemand etwa als Marathonläufer wird, hängt maßgeblich davon ab, wie gut sein Gehirn den Energiestoffwechsel während des Wettkampfs im Griff hat. Diese Stoffwechselarbeit kann man trainieren wie man Muskeln trainiert – und hat somit relativ viel Einfluss auf die eigenen Leistungsmöglichkeiten und den sportlichen Erfolg.

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