Dickschädel? Nicht bei Kindern!

Kinder sollten immer einen Fahrradhelm tragen
Erwachsene aber vor allem Kinder sollten immer einen Fahrradhelm tragen, weil der Schädelknochen bei ihnen noch nicht verhärtet und somit anfälliger für Verletzungen ist © Fotolia

Ob Stoß oder Sturz: Auch wenn keinerlei Wunde zu sehen ist, kann das hochempfindliche Hirn betroffen sein und eine Gehirnerschütterung vorliegen. Erfahren Sie hier, wie diese erkannt und behandelt werden kann.

Michael Schumacher liegt nach seinem Skiunfall seit vielen Wochen in einer Schweizer Klinik, und keiner weiß, welche Schäden er davontragen wird. Was man jedoch mit Sicherheit sagen kann: Schumi hatte extremes Pech. So schlimme Folgen sind selten bei Kopfverletzungen. Neun von zehn Unfällen gehen glimpflich aus, die Betroffenen kommen mit einer Gehirnerschütterung oder einer Schädelprellung davon. Aber ob harmlos oder gefährlich lässt sich häufig nicht sofort und zweifelsfrei feststellen. So kann beispielsweise eine Hirnblutung erst Stunden oder gar Tage später auftreten. Deshalb gilt: Wenn bei Stößen oder Stürzen der Kopf beteiligt ist, ist größte Vorsicht geboten. Denn unser Schädel mag ziemlich hart sein, unser Gehirn ist hochempfindlich. Erste Orientierung zur Einordnung der Verletzung ist die Glasgow-Koma-Skala. Sie wird von Rettungsärzten angewendet, kann aber auch von jedem Laien durchgeführt werden: Öffnet der Betroffene die Augen, kann er sich bewegen und sprechen? Je weniger Punkte er erreicht, desto ernster ist die Lage. Aber selbst bei hoher Punktzahl sollte man sich zur Sicherheit ins Krankenhaus begeben.

 

Gehirnerschütterung welche Therapie hilft?

Leichtes Schädel-Hirn-Trauma nennen Mediziner diese Verletzung, die mit heftigen Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Auch sekundenlange Bewusstlosigkeit und Erinnerungslücken sind möglich.

Wichtigste Therapie: mindestens drei Tage, besser eine Woche, Körper und Geist richtig schonen. Wer eine Gehirnerschütterung „verschleppt", läuft Gefahr, Dauerkopfweh, Schlafstörungen bis hin zu Depressionen zu bekommen.

 

Wie sehen die Symptome einer Gehirnprellung aus?

Bei Kopfverletzungen erweist sich unsere harte Schädelhülle bisweilen als Nachteil – das Hirngewebe kann nicht ausweichen und wird zusammengepresst. Das beeinflusst die Durchblutung, der Druck steigt, und wichtige Areale können zerstört werden. Eine Prellung oder Quetschung äußert sich durch längere Bewusstlosigkeit und größere Erinnerungslücken, halbseitige Lähmung, Sprachstörungen oder psychische Veränderungen.

 

Wann sind Gehirnblutung?

Wenn Kopfschmerzen, Druckgefühl, Konzentrationsstörungen oder auch Bewusstlosigkeit erst Stunden oder Tage nach dem Unfall auftreten, könnte das auf eine Blutung hinweisen. Weiteres Merkmal: unterschiedlich große Pupillen. Bei schweren Schädel-Hirn-Traumata versuchen die Ärzte, das Gehirn zu entlasten und so viel Gewebe wie möglich zu retten. Das geschieht – wie bei Michael Schumacher – etwa durch ein künstliches Koma und künstliche Unterkühlung, um den Stoffwechsel zu verlangsamen. Trotzdem sind bleibende Schäden zu befürchten, denn zerstörtes Hirngewebe lässt sich nicht reparieren. Doch die Erfahrung zeigt, dass sich Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma häufig mit intensivem Training weitaus besser erholen als Schlaganfall-Patienten.

 

Wenn „nur" der Knochen betroffen ist

Nicht bei allen Kopfverletzungen ist das Hirn beteiligt, manchmal ist unser Schädel tatsächlich hart genug, um es zu schützen. Und brummt dann trotzdem: Wenn nach einem Unfall Kopfschmerzen auftreten, kann das eine Schädelprellung sein. Von der Gehirnerschütterung unterscheidet sie sich dadurch, dass es keinerlei Anzeichen für eine Nervenstörung gibt, etwa Übelkeit, Schwindel oder Erinnerungslücken.

Beste Therapie: kühlen und ausruhen. Weitaus schlimmer ist dagegen ein Schädelbruch: erkennbar an Schwellungen im Gesicht, Sehstörungen, Nasen- oder Ohrenbluten, Schwierigkeiten beim Kauen und anderen Störungen. Es gilt: sofort den Rettungswagen rufen! Platzwunden am Kopf sehen oft hochdramatisch aus – die Kopfhaut ist die am besten durchblutete Hautregion des Körpers -, sind aber vergleichsweise harmlos. Rasch einen Druckverband anlegen und dann nähen lassen.

 

Helmpflicht – ja oder nein?

Statistische Analysen aus Kanada zeigen: Die dortige Radhelmpflicht hat die Zahl gefährlicher Kopfverletzungen nur geringfügig gesenkt. Trotzdem fordert der Berufsverband der Deutschen Chirurgen eine Helmpflicht für Skifahrer, und auch für Radler wird immer wieder ein entsprechendes Gesetz diskutiert. Noch kann jeder selbst entscheiden. Doch gerade Kinder sollten aufgrund ihrer noch weichen Schädelknochen nicht auf einen Kopfschutz verzichten.

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