Dicke Luft – Feinstaub gefährlicher als angenommen

Feinstaub in der Luft
Risikofaktor Feinstaub © Fotolia

Feinstaub gelangt über die Lungen direkt in den Blutkreislauf. Das zeigt eine aktuelle Studie des Helmholtz Instituts. Demnach verursachen die gefährlichen Luftpartikel erheblich schneller tödliche Lungenschäden als bisher angenommen. Untersucht wurden die Schadstoff-Emissionen von Großschiffen, die mit dem Tod von jährlich zehntausenden Menschen in Zusammenhang gebracht werden. Praxisvita hat dazu alle Fakten.

Forscher des Helmholtz-Instituts der Universität Rostock hatten im Labor präparierte Lungenzellen Schiffsabgasen ausgesetzt, die sehr hohe Schadstoffwerte besitzen. Das Ergebnis erschütterte die Wissenschaftler um Professor Ralf Zimmermann: Bereits nach wenigen Stunden zeigten sich krankhafte Veränderungen an den Versuchszellen. Die Studie zeigt damit, dass die Gefahren durch Schadstoffe – wie Feinstaubpartikel – für Gesundheit und Umwelt erheblich höher sind als bisher angenommen.

 

Tödliche Emissionen aus der Schifffahrt

In einer anderen Studie des Helmholtz-Zentrums Geesthacht wurden im Rahmen des EU-Projektes Clean North Sea Shipping die aktuellen Schadstoffemissionen von kommerziell genutzten Großschiffen in der Nordsee ermittelt. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Verunreinigung der Luft durch Großschiff-Abgase bis in das Jahr 2030 um rund 25 Prozent zunehmen wird, wenn nicht rasch neue gesetzliche Regelungen zur Emissions-Reduzierung festgelegt würden.

Schifffahrt produziert Emissionen
Derzeit ist die Großschifffahrt weltweit für rund 16 Prozent aller Schwefelemissionen in der Luft verantwortlich. Eine Studie zeigt, dass bis 2030 diese Emissionswerte um 25 Prozent steigen werden, sollten in Zukunft keine verbindlichen Abgas-Richtlinien für den Schiffsverkehr erlassen werden© Fotolia

Nach einer Untersuchung der Vereinten Nationen stammen weltweit 16 Prozent aller Schwefelemissionen aus dem Mineralölverbrauch von Großschiffen. In Küstengebieten seien diese Schiffe sogar im Schnitt für rund 90 Prozent der auftretenden reinen Schwefel- und Feinstaubwerte in der Luft verantwortlich.

 

Großschiffe vergiften die Luft

Weltweit werden von über 90.000 kommerziell genutzten Schiffen schadstoffstarke Abgase ungefiltert in die Luft geblasen. Auch in Deutschland verfügen die wenigsten Schiffe über die teuren Abgasfilter, die rein technisch einfach nachzurüsten wären.

Wie schädlich die ungefilterten Abgase sind, zeigt die aktuelle Studie des Helmholtz Instituts. Zum Vergleich: Ein einziges Großschiff produziert in einer Stunde Liegezeit im Hafen durchschnittlich so viel Feinstaub wie mehrere zehntausend Autos. Gleichzeitig ergibt sich für jede Tonne durch ein Großschiff beförderter Fracht rund 50 Mal mehr Feinstaub-Ausstoß als bei einem Lastwagen, der 40 Tonnen Ladung transportiert. Für Schiffe bräuchte man deshalb verbindliche Regelungen, wie etwa die für PKW geltende Katalysator-Pflicht.

 

Tod aus der Luft: Alle sind betroffen

Nach einer Studie des US-amerikanischen Schifffahrtsexperten Professor James Corbett von der Universität Delaware sterben alleine in Europa jährlich 20.000 Menschen an den Folgen der ungefilterten Abgase von Großschiffen.

Dabei wird davon ausgegangen, dass die Schiffsemissionen alle betreffen. „Das Thema Luftverschmutzung durch Schiffe betrifft nicht nur die direkte Küstenregion“, erläutert Dr. Volker Matthias vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Da diese ungefilterten Abgase durch den Wind „verdriftet“ werden, können die gefährlichen Schadstoffe auch noch bis zu 500 Kilometer landeinwärts nachgewiesen werden. Das entspricht der Strecke von Hamburg bis Frankfurt am Main.

 

Was tun gegen die Feinstaub-Gefahr

Um den Anstieg der Schadstoffe in der Luft durch die Großschifffahrt effektiv einschränken zu können, müssten neue gesetzliche Rahmenbedingungen – mit zum Beispiel der Installationspflicht von Abgasfiltern in der Schifffahrt oder der Festlegung von schifffahrtsbezogenen Feinstaub-Grenzwerten – geschaffen werden. Bisher ist die Nordsee nur zu einem Emissionskontrollgebiet für Schwefel erklärt worden. Die Gefahren von Feinpartikeln – wie Stickoxide – wurden dabei nicht berücksichtigt. Problem: Um funktionierende Abgas-Normen einführen zu können, müsste Deutschland gemeinsam mit Anrainer-Staaten zuerst entsprechende Abkommen schließen.

Hier hat Praxisvita für Sie Informationen zu der Entwicklung der Feinstaub-Belastungen in Deutschland in diesem Jahr, der Gefahr von Feinstaub in den vier Wänden und den Möglichkeiten der Reduzierung von Feinstaub im eigenen Heim zusammengetragen.

Hier finden Sie umfangreiche Informationen des Umweltbundesamtes zum Thema Feinstaub.

Unter diesem Link finden Sie eine interaktive Deutschlandkarte mit den tagesaktuellen Luft-Schadstoff-Belastungen.

Hamburg, 13. Mai 2014

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