Diagnose per Schachbrett

Redaktion PraxisVITA
Schachbrettmuster
Mithilfe eines Schachbrett-Musters kann die Aktivität bestimmter Nervenzellen in der Netzhaut gemessen werden © imago

Mediziner sind einem neuen Diagnoseverfahren für ADHS auf der Spur: Wie ein Augentest die Krankheit aufspürt...

Bislang waren für die Diagnose Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vor allem die Symptome und psychologische Tests wichtig. Das könnte sich nun ändern. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg haben herausgefunden, dass ein Zusammenhang zwischen ADHS und der reizunabhängigen Aktivität von Nervenzellen in der Netzhaut besteht. Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst, Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg: „Wir fanden klare Hinweise, dass die mangelnde Aufmerksamkeit bei ADHS mit verstärktem Hintergrundrauschen in der Netzhaut einhergeht.“

 

Etabliertes Verfahren aus der Augenheilkunde

Für die Untersuchung sahen die jeweils 20 erwachsenen Probanden (mit und ohne ADHS) auf einen Bildschirm mit Schachbrettmuster, bei dem die hellen und die dunklen Felder schnell wechselten. Dabei wurde die Aktivität der Ganglienzellen (bestimmte Nervenzellen des Auges) in der Netzhaut anhand des sogenannten Schachbrett-Muster-Elektroretinogramms bestimmt. Der Test stammt aus dem Augenheilkundebereich und wird in der Medizin bislang für die Diagnose des Grünen Stars eingesetzt.

 

Netzhautzellen bei ADHS überaktiv

Die Wissenschaftler haben das Rauschen in den Nervenzellen der Netzhaut gemessen, die ein vorgelagerter Teil des Gehirns ist. Mediziner vermuten schon länger eine reizunabhängige Aktivität, die auch als Hintergrundrauschen bezeichnet, bei ADHS. Sollten sich die Erkenntnisse der Forscher bestätigen, ließe sich ADHS im Gehirn in Zukunft mit einem einfachen Instrument diagnostizieren.

Hamburg, 14. April 2015

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