Diagnose-Kaugummi erkennt Entzündungen im Mund

Verena Elson Medizinredakteurin
Kaugummi
Ein Würzburger Forscherteam hat einen Kaugummi entwickelt, der die Diagnose von Entzündungen im Mundraum ganz einfach macht © iStock

Kaugummi kauen und abwarten: So einfach könnte in Zukunft die Diagnose von Entzündungen im Mundraum sein. Das Forscherteam der Universität Würzburg stellt seine Entwicklung jetzt vor.

Liegt im Mundraum eine Entzündung vor, verändert der Kaugummi seinen Geschmack und wird bitter. Besonders für Träger von Zahnimplantaten wäre diese einfache Diagnosetechnik ein enormer Vorteil, denn Zahnimplantate ziehen bisweilen Komplikationen nach sich: In den Jahren nach dem Setzen des Implantats entstehen häufig Entzündungen, die im schlimmsten Fall Gewebe und Knochen um das Implantat zerstören.

 

Wie funktioniert der Diagnose-Kaugummi?

„Jeder kann dieses neue diagnostische System überall und jederzeit und ohne technisches Equipment einsetzen“, sagt Professor Lorenz Meinel, Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Universität Würzburg. Gemeinsam mit dem Team um Studienleiterin Dr. Jennifer Ritzer hat er den Kaugummi entwickelt. In dem Fachmagazin „Nature Communications“ stellen sie ihre Erfindung vor.

Und so funktioniert der Diagnose-Kaugummi: Entzündungen im Mund führen dazu, dass spezielle proteinabbauende Enzyme aktiviert werden. Nach fünf Minuten Kauen zerschneiden diese Enzyme auch einen bestimmten Inhaltsstoff des Kaugummis – dadurch wird ein Bitterstoff freigesetzt, der den Geschmack des Kaugummis verändert.

Träger von Zahnimplantaten können so zu Hause regelmäßig die Gesundheit ihres Zahnfleisches überprüfen. Schlägt der Kaugummi Alarm, sollte der Patient schleunigst den Zahnarzt aufsuchen. Denn bei der Therapie der Entzündungen geht es vorrangig darum, die Infektion zu beseitigen. Wenn das frühzeitig geschieht, kann der Gewebeverlust rund um das Implantat verhindert werden, und das Implantat ist nicht gefährdet. Ist die Entzündung bei der Diagnose dagegen schon weit fortgeschritten, steigt das Risiko für den Verlust des Implantats.

 

Wann kommt der Kaugummi auf den Markt?

Die Wirksamkeit des Kaugummis testeten die Wissenschaftler am Speichel von Patienten. Dabei kam heraus, dass er tatsächlich Entzündungen aufgrund von Zahnimplantaten erkennt – leichtere Zahnfleischentzündungen bisher nicht. Das Team arbeitet aber bereits an weiteren Kaugummi-Schnelltests: „Wir hoffen, dass sich damit auch andere Krankheiten adressieren und frühestmöglich behandeln lassen“, so Meinel.

Bevor der Kaugummi auf den Markt kommt, müssen Patienten sich wohl noch ein paar Jahre gedulden. Meinels Team plant die Gründung einer Firma für die Vermarktung des Produktes. Laut Einschätzung des Professors werden nach der Firmengründung bis zur Marktreife des Kaugummis noch zwei bis drei Jahre vergehen.

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