Diagnose Eva-Autismus?

Rasmus Cloes
Mädchen sitzt alleine
Autistische Mädchen zeigen weniger auffällige Symptome als Jungen © Fotolia

Beim Herzinfarkt war es lange ein Problem: Frauen zeigen andere Symptome als Männer und sind seltener betroffen, darum wurden Herzinfarkte bei Frauen oft nicht als solche erkannt. Nun zeigt eine Studie, dass es Autistinnen ähnlich gehen könnte.

Bei Mädchen wird deutlich seltener und auch viel später die Diagnose Autismus gestellt. Diese Ergebnisse präsentierten Wissenschaftler auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Pediatrics Academic Societies.

Einer von 42 Jungen bekommt die Diagnose „Autist“ – aber nur eines von 189 Mädchen die Diagnose „Autistin“. Die Forscher fanden heraus, dass die Störung bei Mädchen im Schnitt mit vier Jahren, bei Jungen hingegen schon mit 3,8 Jahren entdeckt wird. Das Asperger-Syndrom wird bei Jungen sogar ein halbes Jahr früher diagnostiziert als bei Mädchen.

 

Mädchen zeigen andere Autismus-Symptome

„Die Unterschiede mögen klein wirken, sie gelten aber für Tausende von Individuen – im Einzelfall können die Unterschiede darum deutlich größer ausfallen“, sagt der Leiter der Studie Paul Lipkin. Und er weist auf eine weitere wichtige Erkenntnis hin: Mädchen zeigen andere Autismus-Symptome als Jungen. Sie haben eher Probleme, soziale Regeln zu verstehen und richtig zu deuten. Jungen zeigen deutlicher sichtbare Syndrome wie zum Beispiel Zwangshandlungen.

„Wir müssen jetzt herausfinden, ob die weniger offensichtlichen Symptome bei Mädchen nicht nur zu einer verspäteten Diagnose, sondern zu vielen komplett übersehenen Fällen von Autismus bei Mädchen führen“, so Lipkin.

Bei der Untersuchung nutzten die Wissenschaftler Daten von 50 000 Menschen mit Autismus. Sie waren in der Lage bei 9 932 das Alter der Diagnose zu identifizieren und konnten diese so in die Analyse einbeziehen.

 

Vier kennzeichnende Autismus-Symptome

Störungen in der sozialen Interaktion: Autisten können sich nur eingeschränkt in die Gefühls-, Gedanken- und Vorstellungswelt anderer Menschen hineinversetzen. Sie haben Schwierigkeiten, menschliche Beziehungen zu entwickeln und finden es schwer, gesellschaftliche Normen und Regeln nachzuvollziehen. Oft ziehen autistische Kinder es vor, alleine zu spielen und können schlecht mit Annäherungsversuchen umgehen.

Einschränkungen der kommunikativen Fähigkeiten: Insbesondere bei Kindern mit frühkindlichem Autismus entwickelt sich die Sprache verzögert. Ihre Sprachmelodie ist wenig ausgeprägt. Sie haben Probleme, sprachliche Metaphern zu verstehen und können darum schwer auf Sprichwörter oder Witze reagieren.

Besondere Interessen: Bei Spielsachen interessieren sich autistische Kinder häufig für Details – also die Räder eines Autos sind spannender als das Spielzeug selbst. Auch können sie oft stundenlang technische Geräte wie beispielsweise eine Waschmaschine oder eine Ampel beobachten.

Stereotype Verhaltensmuster: Egal, ob bei Bewegungen oder im Alltag: Viele Autisten mögen die Wiederholung. Neue und spontane Gegebenheiten oder Situationen können sie hingegen irritieren und verunsichern.

Hamburg, 29. April 2015

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