Diagnose einer bipolaren Störung – Gespräche mit Patient und Angehörigen sind wichtig!

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Beim Verdacht auf eine bipolare Störung ist es besonders wichtig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, damit die Erkrankung so schnell wie möglich behandelt werden kann. Betroffene sollten in diesem Fall nach Möglichkeit einen spezialisierten Arzt, also einen Nervenarzt oder einen Psychiater zu Rate ziehen.

Viele Menschen wenden sich zunächst an ihren Hausarzt. Allerdings ist die bipolare Störung oft schwer von anderen psychischen Erkrankungen abzugrenzen, so dass über die Hälfte aller Fälle nicht erkannt wird.

Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine bipolare Störung mit Hilfe von Laboruntersuchungen oder anderen Untersuchungsmethoden festzustellen. Eine Diagnose ist nur durch Verhaltensbeobachtung und durch intensive Gespräche mit dem Erkrankten und mit seinen Angehörigen möglich. Im Gespräch wird der Arzt vor allem versuchen, Hinweise auf typische depressive und manische Verhaltensweisen in der Gegenwart aber auch in der Vergangenheit zu bekommen. Dazu befragt er den Betroffenen und gegebenenfalls seine Angehörigen zum Beispiel zu Veränderungen der Aktivität, des Antriebs, zu Stimmungsveränderungen, Schlafverhalten, sozialen und sexuellen Interessen, aber auch nach Selbstmordgedanken und besonderen Ereignissen oder Stresssituationen, denen der Betroffene ausgesetzt war oder noch ausgesetzt ist. Er wird außerdem versuchen zu klären, ob andere psychiatrische Störungen vorliegen, die häufig gemeinsam mit einer bipolaren Störung auftreten. Dazu gehören vor allem folgende Erkrankungen:

Durch die Gespräche gewinnt der Arzt einen Eindruck von den aktuellen Symptomen und früheren Beschwerden, die gegebenenfalls auf vorangehende Episoden einer bipolaren Störung hindeuten. Im optimalen Fall gelingt es dem Arzt außerdem, die auslösenden Faktoren, wie zum Beispiel besondere Lebensereignisse, oder Frühwarnzeichen zu erkennen. Das kann dem Betroffenen oder seinen Angehörigen in der Zukunft helfen, den eigenen Zustand besser einzuschätzen und die Entstehung neuer Episoden frühzeitig zu erkennen. Aufgrund der genetischen Ursachen einer bipolaren Störung ist es für den Arzt auch wichtig zu erfahren, ob in der Familie des Patienten bereits bipolare Störungen oder andere psychische Erkrankungen wie Suchterkrankungen, Schizophrenie oder Angststörungen aufgetreten sind.

Gespräche mit den Betroffenen, aber auch mit den Angehörigen, sind wichtig
Nur durch intensive Gespräche mit den Betroffenen, aber auch mit den Angehörigen, ist die Diagnose „bipolare Störung“ durch den Arzt möglich© Fotolia

Da sowohl Depressionen als auch Manien von organischen Erkrankungen oder Drogenmissbrauch ausgelöst werden können, wird der Arzt auch eine gründliche körperliche Untersuchung und eine Blutuntersuchung durchführen. Damit kann der Arzt beispielsweise feststellen, ob der Betroffene an einer Fehlfunktion der Schilddrüse leidet, die ebenfalls mit manisch-depressiven Verstimmungen einhergehen kann. Mit verschiedenen bildgebenden Verfahren, zum Beispiel der Magnetresonanztomographie, können außerdem Veränderungen oder Verletzungen des Gehirns ausgeschlossen werden.

Da die Prognose bei einer bipolaren Störung wesentlich davon abhängt, wie viele Krankheitsphasen der Betroffene bis zum Beginn der Therapie bereits durchlebt hat, ist eine möglichst frühzeitige Diagnose sehr wichtig. Dies erfordert für den Arzt auch eine gute Zusammenarbeit mit den Familienangehörigen. Vor allem manische Patienten fühlen sich nicht krank, betrachten ihr Verhalten als normal und sehen meistens keine Notwendigkeit den Arzt aufzusuchen. Aber selbst wenn sie auf Drängen von Familienangehörigen oder Freunden zum Arzt gehen, sind sie kaum imstande, ihre Probleme, die sie ja gar nicht als solche empfinden, deutlich zu machen. Außerdem erkennen Angehörige die ersten Anzeichen einer neuen manischen oder depressiven Episode, wie vermehrten sozialen Rückzug, Unruhe, Schlafstörungen oder erhöhte Aktivität, oft viel ehr als der Patient selbst und können dem Arzt ein genaueres Bild von den Problemen und Beschwerden vermitteln.

Behandlung
Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.