Diabetischer Fuß: Sauerstofftherapie heilt Wunden

Diabetischer Fuß
Nervenschäden verursachen bei Diabetikern häufig taube Füße – sie merken dann nicht, wenn sie sich verletzen und die Wunden entzünden sich unbemerkt. Dieses Phänomen wird Diabetischer Fuß genannt © Fotolia

Für Diabetiker sind Verletzungen an den Füßen problematisch. Sie bleiben häufig unbemerkt und heilen schlecht. Die Folge: Diabetischer Fuß! Doch eine Sauerstofftherapie hilft. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Helga K. geht jeden Donnerstag mit ihrem Theo zum Tanztee. „Dafür lasse ich alles stehen“, gesteht die 67-Jährige schmunzelnd. „Denn beim Tanzen fühle ich mich wieder wie 20.“

Dabei stand vor Kurzem ihr Lieblingshobby fast vor dem Aus. Die Diabetikerin litt bereits seit längerem :am diabetischen Fußsyndrom (DFS): Die Nerven und Gefäße in ihren Füßen waren durch den hohen Blutzucker geschädigt. „Ich hatte kalte und taube Füße. Deshalb habe ich nicht mal gespürt, dass ich mir eine winzige Scherbe eingetreten hatte“, berichtet sie. Der Fuß entzündete sich, eine Wunde, die nicht mehr heilen wollte. Nach mehreren Monaten erfolgloser Behandlung überwies sie ihr Hausarzt zu Spezialisten ins Universitätsklinikum der Stadt. Hier konnte man die Rentnerin gerade noch vor einer Amputation bewahren: dank der Hyperbaren Sauerstofftherapie, abgekürzt HBO (von Hyperbare Oxygenation), was so viel bedeutet wie Sauerstoffüberdruck-Therapie.

 

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Diabetischer Fuß: Amputationen lassen sich vermeiden

„Bei dieser Behandlung wird schlecht durchblutetes Gewebe, wie es Diabetiker häufig haben, wieder in die Lage versetzt, die körpereigenen Prozesse der Wundheilung voranzutreiben“, erklärt Hartmut Strelow vom Druckkammerzentrum der Universitätsklinik Düsseldorf. Ein diabetischer Fuß als Folge der Krankheit ist gar nicht so selten: Im Lauf ihres Lebens erkranken etwa 15 Prozent aller Diabetiker daran. Jedes Jahr finden deshalb 28.000 Amputationen statt, davon 13.000 oberhalb des Knöchels. Diese könnten verhindert werden, da ist sich Hartmut Strelow sicher: „Nach aktueller Studienlage ließe sich mit der Sauerstofftherapie etwa jede vierte Amputation vermeiden – das wären 7.000 gerettete Füße und genau so viele Menschen, die sich ihre Lebensqualität bewahren könnten!“

 

Sauerstofftherapie

Ein diabetischer Fuß lässt sich mit der Sauerstofftherapie mithilfe eines körperlichen Prozesses behandeln: Normale Luft enthält 21 Prozent Sauerstoff. Beim Einatmen gelangt dieser über die Lunge ins Blut und in die Blutgefäße. Über die Blutbahnen werden unsere Zellen mit Sauerstoff versorgt. „Dies funktioniert jedoch nur bei gesundem, gut durchblutetem Gewebe“, erklärt der Experte. „Sind die Gefäße wie bei Diabetikern geschädigt, werden weit vom Herzen entfernte Körperregionen nicht mehr oder nur schlecht mit Sauerstoff versorgt. Das Gewebe stirbt ab und muss entfernt werden – sonst droht außerdem eine Vergiftung.“

Diabetischer Fuß: Ansprechpartner für Diabetiker

Uniklinik Düsseldorf: www.uniklinik-duesseldorf.de, 0211/8 11 99 02

Druckkammerzentren e.V.: www.vdd-hbo.de, 08 61/ 1 25 89

Deutscher Diabetiker Bund: www.diabetikerbund.de, 05 61/7 03 47 70

 

Schnellere Wundheilung bei diabetischem Fußsyndrom

Die Sauerstofftherapie funktioniert so: Bei einem Überdruck von 2,4 Bar in der Behandlungskammer atmen die Patienten über eine Maske mindestens 90 Minuten lang 100 Prozent reinen Sauerstoff ein. Fest steht: Auf diese Weise ist die Sauerstoffaufnahme rund 15-mal höher als unter normalen Druckbedingungen. So werden auch schlecht durchblutete Körperregionen – beispielsweise die Füße – ausreichend mit Sauerstoff versorgt. „Mithilfe spezieller Sonden messen wir den Sauerstoffgehalt im Wundbereich vor und nach der Behandlung“, so Strelow. „Damit können wir erkennen, wie viel von dem gelösten Sauerstoff im geschädigten Gewebe ankommt und damit die Heilung fördert.“ Die erfreuliche Folge der Behandlung: Neue, kleine Blutgefäße, Knochenzellen und Bindegewebe entstehen. Die körpereigene Abwehr wird aktiviert. Der Zellstoffwechsel normalisiert sich. Wunden heilen durch diese Behandlung besser ab.

Die Behandlung mit hyperbarem Sauerstoff bei Diabetischem Fuß zielt darauf, schlecht heilende, chronische Wunden zu heilen
Die Behandlung mit hyperbarem Sauerstoff bei Diabetischem Fuß zielt darauf, schlecht heilende, chronische Wunden zu heilen© Fotolia

An die 15 bis 40 Sitzungen sind dafür nötig. Gefährlich sind die aber nicht. Dafür sorgen gründliche Voruntersuchungen, bei denen unter anderem Herz und Lunge kontrolliert werden. Helga K. ist mit dem Ergebnis zufrieden: Jeden Donnerstag wirbelt ihr Theo sie wie eine 20-Jährige über die Tanzfläche.

 

Expertenrat zur Hyperbaren Sauerstofftherapie

Nicht nur ein diabetischer Fuß lässt sich mit der Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) behandeln: Auch Menschen mit Rauchgasvergiftungen, zum Beispiel Brandopfer oder Luftembolie-Patienten (sie provoziert den Verschluss der Lungenarterien) kann die Therapie helfen. Die HBO ist keine Einzeltherapie, sondern immer ergänzende therapeutische Maßnahme.

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