Diabetes in zwei Tagen – das 6.000-Kalorien-Experiment

Ein Mann isst einen Burger
Für die Dauer des Experiments bestand die Ernährung der Teilnehmer hauptsächlich aus Hamburgern, Pizza und anderen Kalorienbomben © Fotolia

Eine hohe Kalorienaufnahme bei wenig Bewegung fördert Diabetes, das beobachten Mediziner seit Langem. Doch warum ist das eigentlich so und wie schnell zeigen sich erste Effekte? Das untersuchten US-amerikanische Wissenschaftler jetzt in einem Experiment.

Wer besonders viele Kalorien zu sich nimmt und sich dabei wenig bewegt, erhöht sein Risiko, eine Insulinresistenz zu entwickeln – und die gilt als Vorstufe von Diabetes. Doch wie Kalorienaufnahme und Insulinresistenz zusammenhängen, war Medizinern bisher nicht klar. Wissenschaftler der Temple University in Philadelphia gingen dieser Frage jetzt in einem Experiment auf den Grund.

 

Was ist eine Insulinresistenz?

Wenn eine gesunde Person eine Mahlzeit zu sich nimmt, steigt ihr Blutzuckerspiegel an und als Reaktion darauf produziert der Körper Insulin. Dieses Hormon veranlasst den Körper dazu, nicht benötigte Glucose aus dem Blut zu filtern und in Körperzellen abzuspeichern, die den Zucker als „Kraftstoff“ benötigen. Dazu dockt das Insulin an Rezeptoren an der Oberfläche der Körperzellen an und fördert so ihre Aufnahme des Zuckers aus den Blutgefäßen. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel sinkt wieder.

Bei Menschen mit einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen schwächer auf Insulin und nehmen weniger Blutzucker auf – der Blutzuckerspiegel bleibt entsprechend hoch. Aus einer Insulinresistenz kann sich mit der Zeit ein Typ-2-Diabetes entwickeln.

 

Experiment – 6.000 Kalorien täglich

Um den Ursachen der Insulinresistenz auf die Spur zu kommen, ließen die US-Forscher sechs Männer für eine Woche ein Experiment durchführen: Sie sollten täglich 6.000 Kalorien (entspricht etwa zwölf Big Macs) zu sich nehmen und sich dabei so wenig wie möglich bewegen. Zum Vergleich: Ein erwachsener Mann benötigt rund 2.500 Kalorien täglich. Die Für die Dauer des Experiments blieben sie in einer Klinik, wo jede ihrer Bewegungen beobachtet wurde um sicherzugehen, dass sie sich nicht körperlich anstrengten.

Am Ende der Woche hatte jeder der Männer rund 3,5 Kilogramm zugenommen – und bereits nach zwei Tagen hatte jeder einzelne von ihnen eine Insulinresistenz entwickelt.

 

Wie kam es zu der Insulinresistenz?

Um herauszufinden, wie die Insulinresistenz bei den Probanden zustande kam, führten die Wissenschaftler zahlreiche Untersuchungen durch. Unter anderem analysierten sie Urinproben der Studienteilnehmer. Bei allen Probanden fanden sich kleine Bestandteile von Zellmembranen (Zellhüllen) im Urin – das ist ein Anzeichen für oxidativen Stress. Darunter versteht man die Schädigung von Zellen durch sogenannte reaktive Sauerstoffspezies – bestimmte Formen von Sauerstoff, die für den Körper schädlich sind.

Die Theorie der Studienleiter: Die übermäßige Kalorienaufnahme förderte oxidativen Stress im Körper der Studienteilnehmer – frühere Studien hatten gezeigt, dass eine Kalorienreduktion oxidativen Stress mindern kann. Dieser wiederum griff die sogenannten Glucosetransporter an – das sind Proteine in der Zellmembran, die den Zucker vom Blut in die Zelle transportieren. Sind sie beschädigt, bleibt die Glucose im Blut und der Blutzuckerspiegel kann nicht sinken.

Die Studienleiter wollen die Erkenntnisse nutzen, um neue Therapien zur Behandlung einer Insulinresistenz zu entwickeln.

Hamburg, 10. September 2015

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.