Diabetes-Medikament Haustier

Ein Mädchen betrachtet einen Goldfisch
Verantwortung für ein Haustier zu übernehmen, erhöhte bei Kindern mit Diabetes in einer aktuellen US-Studie ihre Eigeninitiative im Umgang mit ihrer Krankheit © Fotolia

Kinder kriegen ihren Diabetes besser in den Griff, wenn sie die tägliche Blutzuckerkontrolle mit der Pflege eines Haustiers verbinden, zeigt eine aktuelle Studie. Praxisvita stellt die Ergebnisse vor.

Was kann Kinder mit Diabetes I dazu bringen, Verantwortung für ihre Erkrankung zu übernehmen und ihren Blutzucker selbst regelmäßig zu messen? Dieser Frage gingen Wissenschaftler des University of Texas Southwestern Medical Center in ihrer aktuellen Studie nach. Ihre Idee: das Diabetes-Management mit der Fürsorge für ein Haustier zu verbinden.

 

Haustier-Pflege machte Kinder verantwortungsbewusster

28 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren mit Diabetes I nahmen an der Studie teil. Alle Probanden bekamen einen Fisch (Siamesischer Kampffisch), ein Aquarium, eine Anleitung für die Pflege des Fisches und die Empfehlung, das Aquarium wenn möglich im Kinderzimmer aufzustellen. Sie bekamen die Anweisung, den Fisch morgens und abends zu füttern und anschließend ihren Blutzuckerspiegel zu überprüfen und die Werte zu notieren. Außerdem sollten sie einmal pro Woche ein Viertel des Wassers im Aquarium austauschen und anschließend mit einem Betreuer ihre Werte-Aufzeichnungen besprechen.

„Er hatte nie die Möglichkeit, ein Haustier zu halten. Aber wenn es bedeutete, seinen Blutzucker zu verbessern, war ich natürlich dafür“, erzählt Jeanette Claxton, die Mutter des 12-jährigen Raymond Miles, ein Teilnehmer der Studie. „Während des Experiments hatten wir zwei Fische, die Teil der Familie wurden. Der erste Fisch hieß Bob und Raymond fütterte ihn, las ihm vor und sah sogar mit ihm fern. Er merkte gar nicht, dass er mehr über seinen Diabetes sprach und seinen Blutzuckerspiegel häufiger überprüfte.“

 

Bessere Blutzuckerwerte durch Haustiere

Nach drei Monaten waren die Blutzuckerwerte in der Fischgruppe um 0,5 Prozent gesunken – in der Kontrollgruppe waren sie dagegen um 0,8 Prozent angestiegen. Am deutlichsten war die Verbesserung bei den 10- bis 13-Jährigen. „Kinder in dieser Altersgruppe beginnen häufig damit, Unabhängigkeit von ihren Eltern zu suchen, darum kümmerten sie sich eifriger um die Fische als ältere Jugendliche“, erklärt Dr. Olga Gupta vom Southwestern Medical Center.

Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler das Experiment mit einer Gruppe Jugendlicher über einen längeren Zeitraum wiederholen und herausfinden, welche Faktoren genau zur Verbesserung des Blutzuckerspiegels führen – beispielsweise Art des Haustiers, Routine oder elterliche Unterstützung.

„Ich würde diese Methode anderen Familien weiterempfehlen“, sagt Jeanette Claxton. „Denn sie sorgt dafür, dass du nicht nur über den Fisch die Kontrolle hast, sondern auch über den Diabetes. Und wenn du den Diabetes kontrollierst, kann er dich nicht kontrollieren.“

Hamburg, 26. Juni 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.