Diabetes – es dauert Jahre bis zur Diagnose

Patienten leben oft Jahre mit einem Diabetes Typ 2 – ohne es zu wissen. Dabei geht wichtige Zeit verloren. Früh erkannt, lässt sich die Krankheit gut behandeln.

Der genussvolle Biss in ein leckeres Stück Sahnetorte oder das Abschlecken eines Löffels Marmelade – für Millionen von Menschen undenkbar, denn sie leiden unter Diabetes Typ 2. Ihr Körper produziert zwar Insulin, doch das Gewebe spricht nicht mehr darauf an.

Offiziell gibt es sechs Millionen Diabeteskranke in Deutschland. Neuesten Schätzungen zufolge dürften es aber wohl mindestens acht Millionen Betroffene sein. Professor Michael Roden, Direktor des Deutschen Diabetes Zentrums an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf: „Die Krankheit verläuft schleichend. Zunächst reagieren die Körperzellen nicht mehr so sensibel auf Insulin, und das führt vorerst nicht zu Beschwerden. Bis die ersten Anzeichen auftreten, also Gewichtsverlust, starker Durst und häufiger Harndrang, vergeht Zeit. Es dauert mehrere Jahre bis zur Diagnose.“

 

Späte Diagnose bei Männern

Diabetes-Diagnose am Spiegel

Betrachten Sie bei Tageslicht Ihre Achsel im Spiegel. Ist die Haut rau und dunkel verfärbt, ist das ein Hinweis auf Diabetes. Denn zu viel Zucker im Blut kann dazu führen, dass sich Hautzellen ungewöhnlich schnell vermehren und zu viele Farbpigmente entstehen.

Laut einer großen Studie des Robert Koch Instituts in Berlin mit mehr als 8000 Probanden sind es vor allem Männer, die noch nicht diagnostiziert sind. „Das vermeintlich starke Geschlecht achtet leider insgesamt weniger auf einen gesunden Lebensstil und geht seltener zum Arzt.“ Große Sorge bereitet aber auch die Tatsache, dass immer mehr junge Menschen an Diabetes erkranken. Die Ursachen dafür sind eindeutig: Bewegungsmangel und Übergewicht durch falsche Ernährung. Der Körper ist irgendwann einfach nicht mehr in der Lage, die Massen an fettigem und süßem Essen zu verarbeiten. Schlimmer noch: Wer ständig zu viel isst, sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel dauerhaft zu hoch ist.

Die Bauchspeicheldrüse schüttet immer mehr Insulin aus, was die Fettspeicherung fördert. Ein Teufelskreis. Die Folge: Der Bauch geht auf wie ein Hefeteig. Irgendwann ist die Bauchspeicheldrüse dann derart überfordert, dass sie kein Hormon mehr produziert.

 

Späte Diabetes-Diagnose führt zu schweren Folgen

Die Folgen sind dramatisch: Das Stoffwechsel-Gleichgewicht gerät durcheinander, und es kann zum gefürchteten metabolischen Syndrom kommen, also Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Langfristig führt der Glukoseüberschuss zur Umwandlung von Fett und zur Verzuckerung wichtiger Körpereiweiße. Die dramatischen Konsequenzen: Infektionsneigung, Krämpfe, schlechte Wundheilung, Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühle sowie Nierenleiden und Netzhauterkrankungen des Auges. „Diabetiker bekommen häufiger Arteriosklerose, Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen“, sagt Professor Roden. Mehr als die Hälfte der Zuckerkranken stirbt an einem Herzinfarkt.

Das müsste aber alles nicht sein. Viele Patienten könnten durch ein Plus an Bewegung und eine Ernährungsumstellung die Probleme in den Griff bekommen. Sogar eine Heilung ist oft noch möglich.

„Außerdem stehen uns moderne Medikamente zur Verfügung“, sagt der Experte. „Wichtig ist aber die frühzeitige Diagnose, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Daran sollte jeder denken, wenn er das nächste Mal zu seinem Hausarzt geht. Ein kleiner Pikser reicht aus.“

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