Deutschland – Syphilis auf dem Vormarsch

Seit 2010 steigen die Zahlen der Syphilis-Erkrankten in Deutschland wieder an, vermeldet das Robert-Koch-Institut – dabei glaubte man, die Geschlechtskrankheit schon lange unter Kontrolle zu haben.

Syphilis galt früher als Bestrafung für Menschen mit einem sündhaften Leben. Genauso altertümlich wie diese Theorie erscheint vielen auch die Syphilis an sich – eine Krankheit, die in Deutschland lange als unter Kontrolle gebracht und nahezu ausgerottet galt.

Doch jetzt kehrt sie zurück – das vermelden Medienberichte in Berufung auf das Robert-Koch-Institut (RKI). Demnach steigen die Fallzahlen seit 2010 wieder kontinuierlich an und erreichten 2014 einen neuen Höchstwert von 5.722 Neudiagnosen.

 

Gute HIV-Behandlung – der Grund für die Syphilis-Ausbreitung?

84 Prozent der Neuansteckungen passieren nach Einschätzung der Experten beim sexuellen Kontakt zwischen Männern – bei Frauen und heterosexuellen Paaren sei kein Anstieg zu beobachten. Besonders betroffen seien außerdem Großstädte, vor allem Berlin. Die Party- und Drogenszenen dort verleite vermehrt zum ungeschützten Sex.

Doch warum ist die Zahl der Neuansteckungen in den letzten fünf Jahren angestiegen? Einige Experten vermuten einen Zusammenhang mit der inzwischen gut entwickelten HIV-Therapie. Als das HI-Virus in den 1980er Jahren aufkam, verbreitete sich die Verwendung von Kondomen und die Syphilis-Zahlen gingen zurück. Durch die weiterentwickelte HIV-Therapie ist die Ansteckungsgefahr inzwischen selbst beim ungeschützten Sex gering, wenn das Virus durch Medikamente in Schach gehalten wird – damit sinkt aus Ansicht der Experten die Hemmschwelle, auf das Kondom zu verzichten.

Mediziner empfehlen Menschen in Risikogruppen darum, sich einmal jährlich auf Syphilis testen zu lassen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse allerdings nur, wenn Symptome auftreten – etwa Lymphknotenschwellungen, Geschwüre an den Geschlechtsteilen oder Knötchenbildung an der Haut. Das Tückische an Syphilis ist aber, dass sie oft ohne Symptome einhergeht. Die Syphiliserreger sind dennoch aktiv, wüten im Körper und können die inneren Organe befallen. Ein Test ist also auch sinnvoll, wenn keine Beschwerden vorliegen – die Kosten betragen rund fünf Euro.

Hamburg, 14. Dezember 2015

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